»Zwei Menschen sind in mir«

Ingeborg Bachmann. Die Biografie | Zum 100. Geburtstag der Dichterin
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Buchprofile - Rezension
Ausführliche Lebensbeschreibung der Dichterin Ingeborg Bachmann (1926-1973).
Seit Jahren beschäftigte sich Andrea Stoll mit Werk und Leben von Ingeborg Bachmann. Zum 100. Geburtstag am 25. Juni erschien nun ihre Biografie. Die detailreiche Darstellung liest sich spannend, weil nicht nur das Leben dieser ungewöhnlichen Frau sehr bewegt war, sondern weil Stolls Porträt dieses Frauen-Lebens Hintergründe einfühlsam zeichnet, ohne in die Breite zu gehen. Dabei hat die Feministin meist auch einen objektiven Blick für Bachmanns viele männliche Partner. Ingeborg Bachmanns Lebenserwartungen waren nicht so einfach mit der Lebensrealität in Einklang zu bringen. Alleinsein wollen und doch in Partnerschaft leben, den Forderungen der Kunst an die Künstlerin genügen, ja in deren Sphären leben und zugleich das eigene Leben sichern, dieses Spannungsverhältnis hat die vielen Krisen der Bachmann verursacht und war schuld am übermäßigen Rauchen, an der Alkoholabhängigkeit, der Tablettensucht und am wilden Sexualleben. Ihren Mitschülerinnen erschien sie als „Elfchen“ mit einem großen Wissensdurst und Leseeifer. Andrea Stoll interessieren erkennbar die Benachteiligungen von Frauen in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg. Uns Lesern bringt sie geschickt Bachmanns Werke nahe, indem sie Themen aus dem Leben der Dichterin zu ihren Werken in Beziehung bringt. Anhand von Rezensionen zeigt sie nicht nur das Echo der Öffentlichkeit, sondern bahnt auch einen Zugang zum Verständnis eines literarischen Werkes, so z.B. zu dem Roman „Malina“, der keine leichte Lektüre ist. Informativ, doch wohltuend kurz und objektiv werden die verwirrenden Vorgänge um den Tod der Dichterin vorgestellt. Die vielen kurzen Textzitate in dieser Biografie vermitteln einen Eindruck von der Musikalität ihrer Sprache. Briefzitate und 35 Schwarzweiß-Fotos führen zurück in die Zeit um die Mitte des 20. Jh. Die Fülle an Anmerkungen am Schluss des Buches legt Zeugnis ab von der intensiven Beschäftigung mit dem jeweiligen Kapitelthema. Ein Personenverzeichnis ist leider nur im Internet abzurufen.
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Artikelbeschreibung

Fünfzig Jahre nach ihrem Tod fordern Ingeborg Bachmanns Briefe eine neue Perspektive auf Leben und Werk dieser Autorin, die uns heute aktueller denn je erscheint. Andrea Stolls Biografie beleuchtet das unübersehbare Spektrum Bachmann'scher Ambivalenzen von seinen Ursprüngen her und führt uns vor Augen, wie diese ikonische Dichterin in eine Spirale von Selbstinszenierung und Selbstzerstörung geraten konnte. Dabei stützt Stoll sich neben wissenschaftlichen Recherchen auf Gespräche mit Zeitzeugen und die Auswertung jüngst veröffentlichter Briefe und Tagebucheinträge. Der erfahrenen Bachmann-Forscherin gelingt so eine erste umfassende Biografie, die viele Rätsel dieses Lebens von den Anfängen bis zu ihrem Ende offenlegen kann.

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Personeninformation

Dr. phil. Andrea Stoll wurde 1960 bei Frankfurt am Main geboren und hat in Wien und Mainz Germanistik, Philosophie und Publizistik studiert. 1991 wurde sie mit der Studie zu "Die Erinnerung als ästhetische Kategorie des Widerstandes im Werk Ingeborg Bachmanns" promoviert und hat im Laufe der Jahre weitere Bücher und Essays über die österreichische Schriftstellerin publiziert. Der von ihr initiierte und 2009 mitherausgegebene Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan Herzzeit ist ein internationaler Bestseller und liegt in über zehn Sprachen vor.

Von 1992 bis 2007 war sie als Dozentin für deutschsprachige Literatur und Drehbuchentwicklung an der Universität Salzburg tätig.

Darüber hinaus hat sie als Autorin und Herausgeberin verschiedenste Bücher, Essays und Drehbücher für Film und Fernsehen verfasst.
In ihren Drehbüchern wendet sie sich vorwiegend gesellschaftspolitisch relevanten, biografischen oder gesellschaftlich tabuisierten Themen zu. Ihre Fernseh - und Kinofilme wurden vielfach nominiert und ausgezeichnet. Für die Drehbücher der Filme Familienfest und Aufbruch in die Freiheit wurde ihr 2017 und 2019 der Deutsche Fernsehpreis verliehen.

Pressestimmen

»Doch Stoll schreibt gerade keine Opfererzählung, sondern zeigt, wie Ingeborg Bachmann an einem in ihrer Zeit unlebbaren Anspruch zerbrach.« Tina Hartmann Frankfurter Allgemeine Zeitung 20260515

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