Anderswo

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die schwierige Beziehung zu ihrem Vater prägt das Leben einer jungen Frau jahrzehntelang.
Im Alter von fünf Jahren erfährt die Protagonistin, dass ihr Vater Friedrich sie abtreiben lassen wollte und tobte, als ihre Mutter sich heimlich gegen seine Entscheidung stellte. Ihre Kindheit ist geprägt von einem eklatanten Mangel an Nähe zwischen Vater und Tochter. Noch als erwachsene Frau, lange nach Friedrichs Tod, belastet sie das in vieler Hinsicht gescheiterte Verhältnis sehr. Während ihr eigenes Leben nicht eben geradlinig verläuft und ihre Beziehungen von Bindungsproblemen bestimmt werden, sucht sie nach einer Möglichkeit, mehr über ihren Vater und dessen Vergangenheit zu erfahren, um endlich abschließen zu können. Dieser Pfad führt sie schließlich bis nach Südafrika, wo sie ihren im Krieg verschollenen Onkel zu finden hofft. - Verena Luekens zweiter Roman beschreibt auf intensive Weise den Versuch der Aufarbeitung einer problematischen Vater-Tochter-Beziehung und die Auswirkungen dieser Kindheitserfahrung auf das Leben der Protagonistin. Überaus positiv fallen der zugängliche Erzählstil und der gekonnte Wechsel zwischen Gegenwart, Erinnerungen und Episoden aus der Vergangenheit des Vaters auf. Sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Lässt sich die Beziehung zu einem Menschen erneuern - auch nach dessen Tod?

Verena Luekens kraftvolles Debüt »Alles zählt« wurde vom Feuilleton hoch gelobt. In ihrem neuen Roman »Anderswo« stellt sich eine Frau den Gespenstern der eigenen Familiengeschichte und begibt sich auf die Suche nach den Lebensspuren ihres verstorbenen Vaters.

B. führt ein rastloses Leben, das Unterwegssein ist ihr Normalzustand. Sie arbeitet als Reisejournalistin, die frühen Sommerwochen verbringt sie meist in New York. Den Rest des Jahres mal hier, mal dort: eine selbstbewusste, unabhängige Frau, die weiß, was sie will und was ihr guttut. Eine Beerdigung lässt unerwartet alte Wunden aufbrechen. Erinnerungen an den Vater werden wach. Doch das eigentlich Schmerzhafte sind nicht die frühen Verletzungen. Es ist der Mangel an Geteiltem: »Ihr Vater und sie, sie hatten einander verpasst.« Diese Leerstelle will sie nicht länger akzeptieren. Eine Spurensuche beginnt - in die Vergangenheit des Vaters aber auch in ihre eigene. Zu den Jahren als Tänzerin und Peepshow-Girl, zu ihrer großen Liebe Claudio, einem Jazztrompeter, dem sie jung in die USA folgte und wieder verließ, als das gemeinsame Leben zu eng wurde. Es ist eine lange Reise, die bis nach Südafrika führt, wo sie sich Antworten erhofft und Unerwartetes findet.

Mit großer Eleganz erzählt Verena Lueken von einer starken Frau, die sich nicht damit zufriedengibt, dass die Vergangenheit unabänderlich ist - und beschließt, die Erzählung ihres Lebens selbst in die Hand zu nehmen. Ärger machen dabei nicht die Lebenden, sondern die Toten. Ein mitreißend-lakonischer Roman über die Liebe, über Verlust und das Erbe unserer Eltern, an dem wir nicht vorbeikommen.

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Personeninformation

Verena Lueken war viele Jahre Kulturkorrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in New York. Heute ist sie Redakteurin im Feuilleton der FAZ mit Schwerpunkt Film. Unter dem Eindruck des 11. September schrieb sie »New York. Reportage aus einer alten Stadt«, 2002, ihre »Gebrauchsanweisung für New York«, 2005/2010, ist ein Bestseller. Bei Kiepenheuer & Witsch erschien 2015 ihr Romandebüt »Alles zählt«. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Pressestimmen

»Grandios erzählte Herkunftsgeschichte im Zeitalter der dysfunktionalen Familie.« FAS 20180617
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