Unsere leeren Herzen

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Buchprofile - Rezension
Gegen die Leere der Herzen: Thomas Hettches Feuilletons plädieren unaufgeregt für eine Wiederfüllung der Literatur mit Sinn und Wahrheit.
Thomas Hettche, 1964 geboren, hat sich mit "Fahrtenbuch" (2007) und "Totenberg" (2012) auf ein neues Gebiet gewagt, das der intellektuellen Autobiografie. "Unsere leeren Herzen" setzt das Projekt fort. Es sind Essays von wenigen Seiten, keine Selbstporträts, sondern geschliffene Erkundungen seines Metiers, des Erzählens. Hettches Frage ist, was die Literatur kann und was sie soll in einer medial gefluteten, vom Terrorismus bedrohten und von falscher Mystik angewehten Zeit. Der Entleerung der Herzen durch Authentizitätsbehauptungen (wie in Knausgards Alltagsmitschriften) oder Fantasyfluchten (wie in den Egoshooter-Szenen) setzt er ein Erzählen entgegen, welches das Schicksal korrigieren, die Angst bannen und den Trist der Erkenntnis spenden kann. Das beschreibt Hettche unaufgeregt, kurztaktig, vielschichtig an Beispielen aus der antiken, klassischen und modernen Literatur. Empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

WARUM ERZÄHLEN?

Thomas Hettches Essays sind ebenso genaue Diagnosen unserer krisengeschüttelten, entzauberten Moderne wie mutige Bestandsaufnahmen seines eigenen Bewusstseins und Denkens. Eine Frage bestimmt das Schreiben dieses Autors: Welche Tröstung kann Literatur für unsere leeren Herzen heute noch bieten?'Unsere leeren Herzen' setzt nach 'Fahrtenbuch' und 'Totenberg' Thomas Hettches essayistisch-erzählerischen Erkundungen fort, mit denen er, neben dem hochgerühmten Romanwerk, seine intellektuelle Autobiografie fortschreibt.Ohne kulturpessimistische Larmoyanz, aber im Wissen, dass sich metaphysische Sinnfragen in unseren fundamental bedrohten westlichen Gesellschaften immer dringlicher stellen, befragt Thomas Hettche in seinen Essays leidenschaftlich die Literatur nach ihrem Sinn und ihrer Zukunft. Gegen den naiven Glauben einer Abbildbarkeit der Welt, der unsere Gegenwart beherrscht und das Glücks- wie das Erkenntnisversprechen der Literatur verrät, spürt Hettche in 'Unsere leeren Herzen' den Quellen eines anderen Realismus, ja einer anderen Moderne nach.

Über Thomas Mann, E. T. A. Hoffmann, Marcel Proust, Rainer Maria Rilke, Wilhelm Raabe, Ernst Jünger, Karl Ove Knausgård, Thomas Brasch, Franz Fühmann, Peter Kurzeck, Georg Lukács, Wolfgang Koeppen, Immanuel Kant, Ovid, Robert Louis Stevenson, Paulus Böhmer, David Bowie, Michel Houellebecq u.v.a.

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Pressestimmen

»Hettches Essays, so fundiert und materialreich sie einerseits sind, so bewusst literarisch sind sie andererseits gehalten [...]« Wiebke Porombka FAZ 20180322
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