lyrisch glauben

Dem Unsagbaren auf der Spur
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Buchprofile - Rezension
Lyrische Texte ringen um den christlichen Glauben in der Gegenwart.
In unserer modernen Welt sind Glaubenserfahrungen vielfach gebrochen, von den Einsprüchen der Naturwissenschaften und dem Weltgeschehen in Frage gestellt. Nicht immer, vielleicht sogar immer weniger, gelingt es der etablierten religiösen oder liturgischen Sprache, diese Erfahrungen in Worte zu fassen. Denn: Gott ist nicht zu fassen oder, wie Thomas Sojer, einer der Herausgeber dieser Anthologie formuliert: „Etwas flackert auf und entzieht sich im selben Augenblick wieder.“ Weil Sojer und seine beiden Mitherausgeber von der „Forschungsstelle Sprachkunst und Religion“ an der Universität Erfurt überzeugt sind, dass Glaubenserfahrungen auf vielfältige Weise ausgedrückt werden können, haben sie 2024 dazu aufgerufen, poetische Texte einzureichen, „die ohne konfessionelle oder kontextuelle Vorgaben die Sprachmöglichkeiten den je eigenen Glauben erkunden.“ Glauben bekennen, so die Herausgeber, kann auch heißen, „dem Unsagbaren, Unfassbaren eine je eigene Form zu geben“. Aus über 270 Einsendungen wählte eine Jury 119 Texte bekannter und weniger bekannter Autor:innen für diese Anthologie aus. „Maßgeblich waren dabei existenzielle Dringlichkeit, sprachliche Eigenständigkeit und poetische Kraft.“ Die Herausgeber haben die Texte thematisch gruppiert und diesen Kapiteln jeweils eine kurze Einleitung vorangestellt, die manchmal wie ein poetischer Text gebaut ist, manchmal nüchtern analysiert. Die Autor:innen haben ihren Gedanken und Erfahrungen sehr unterschiedliche Formen gegeben, gebunden oder frei, längere oder kürzere Gedichte, auch Texte im Dialekt sind dabei. Sie umfassen eine große Bandbreite von Erfahrungen und Gefühlen: von „Was mich hält / was mich trägt, / bist Du. / Gut, dass ich dich kenne!“ (Maria Graef) über ein trotziges „Und trotzdem glaube ich!“ (Jessica Zemp) und das irritierende Gefühl „ich […] zerdenke dich ziemlich, zu oft“ (Marco Michalzik) bis hin zu „Von allen guten Geistern verlassen / und doch: voller Sehnsucht …“ (Mechthild Brandt). Wer dieses Buch zur Hand nimmt, braucht Zeit, darf sich Zeit lassen, denn die Texte lassen innehalten, abschweifen und die eigene Glaubenserfahrung befragen: Finde ich mich darin wieder? Finde ich darin Worte, Zeilen, mit denen ich mir einen Reim auf meine Glaubenserfahrungen machen kann? In einem Gedicht von Anna Näf heißt es dazu: „Manchmal finde ich Spuren / die nicht von mir sein können. / Göttliche Fingerabdrücke auf Gedanken und Gefühlen.“ Wie eine Diskokugel reflektieren die Texte dieser Anthologie Glaubenserfahrungen, lassen sie aufleuchten, brechen sie, schicken sie in den Raum, auf dass sie weitergedacht, geschrieben, getragen werden, im Vertrauen darauf, dass Gott groß genug ist, sich zwischen diesen Zeilen und in den Zumutungen des Alltags finden zu lassen. (Religiöses Buch des Monats Oktober)
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Artikelbeschreibung

Glauben. Ein Wort, das auf der Zunge klebt wie altes Wachs am Kirchenboden. Zuviel Lüge, zuviel Dogma, zuviel alles. Aber was, wenn Glauben etwas anderes ist? Etwas, das sich nicht predigt, sondern fragt, sich zur Frage bekennt. Etwas, das nicht stillsteht, sondern bricht und sich wieder neu zusammensetzt.Lyrisch glauben heißt genau diese Momente - den Zweifel, das Aufbegehren, die Stille danach - sprechen lassen. 1700 Jahre nachdem das Große Glaubensbekenntnis 325 in Nizäa in die Sprache gehoben wurde, suchte das Projekt "lyrisch glauben" mit einem großangelegten Aufruf neue Worte für alte Fragen. Das daraus entstandene Buch versammelt über hundert Texte, in denen Menschen aus dem gesamten deutschen Sprachraum ihrem persönlichen Glauben in poetisch verdichteter Form Ausdruck verleihen. Ein kostbares Zeugnis und eine Einladung, dem Unsagbaren mitten im Leben auf die Spur zu kommen.

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