Vinegar Hill

Gedichte. Edition Lyrik Kabinett
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Buchprofile - Rezension
Leise Alarmglocken. Ein erster Lyrikband von Colm Tóibín überzeugt mit treffenden, über die Gegenwart hinausragenden Gedichten.
Colm Tóibín reiht sich ein in die illustre Reihe der irischen Dichter, für die Dublin Angelpunkt und Ausgang aller Welterfahrung ist. In der Sichtweite von Vinegar Hill, einem Hügel im Südwesten Irlands, wo im Namen Gottes 1798 die Entscheidungsschlacht um die irische Unabhängigkeit stattgefunden hat, ist er 1955 zur Welt gekommen. Er hat sich vor allem mit Theaterstücken und Romanen einen Namen gemacht. Gedichte von ihm kannte ein größeres Lesepublikum bislang wohl nicht. Dem haben Michael Krüger und Volker Schlöndorff mit einer vorzüglich edierten und aus dem Englischen ins Deutsche übersetzten Auswahlausgabe abgeholfen. Aus den nahbaren und sprachlich hürdenlosen Texten erfahren wir einiges aus seiner Biografie, über die katholische Erziehung, die stille Rebellion gegen kirchliche Autoritäten, das Outen der Homosexualität, die Passion für den Film, die prägende Rolle der Musik. Doch an den Vergangenheiten wird nicht gerüttelt, die Alarmglocken sind nicht schrill. Getragen sind die Gedichte von einem Ton der leisen Melancholie, von aufgewecktem und oft heilsamem Spott, ernstem Bedauern und frechem Mitfreuen, auch wenn es um religiöse Dinge geht, etwa um Auto fahrende Nonnen im Vatikan und eine den Rosenkranz betende Familie beim Trampen. Treffend beschreibt ein Gedicht, dass das Ende aller Tage auch schon wieder Alltag geworden ist. Die schönen alten Kirchengesänge können nichts mehr aufhellen, weil die Leute bloß noch damit beschäftigt sind, ihre Brillen, die E-Zigaretten und die Ansichten zu suchen, „was sich nun endlich offenbaren sollte“. Ein längeres Gedicht ist ein Abgesang auf den Mond, zwei andere setzen mit poetischem Geschick dem Besuch von Kennedy in Wexford im Jahr 1963 dem Besuch des Dichters im Weißen Haus bei Obama am St. Patrick’s Day 2010 entgegen. Was groß bleibt, ist die Sehnsucht nach einem Leben, das aus der Gegenwart, aus den Stadt- und Lebensplänen hinausragt.
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Artikelbeschreibung

Der erste Lyrikband von Colm Tóibín - »bewegend, lebensklug und zutiefst weise.« Yorkshire TimesDer erste Gedichtband des gefeierten Romanautors: Colm Tóibíns feines poetisches Gespür zeigt sich auch in seiner Lyrik. Er blickt zurück auf seine Kindheit im irischen Enniscorthy, durchstreift die Straßen von Dublin und Barcelona, überquert venezianische Brücken und besucht das Weiße Haus. Und er widmet sich Themen wie Sterblichkeit, Religion und queerer Liebe. Die in »Vinegar Hill« versammelten Gedichte sind nun erstmals in der Übersetzung von Michael Krüger und Volker Schlöndorff zu lesen. »Eine Entdeckung!«

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Personeninformation

Colm Tóibín, 1955 in Enniscorthy geboren, ist einer der wichtigsten irischen Autoren der Gegenwart. Bereits sein erster Roman »Der Süden« (1994) wurde von der Kritik enthusiastisch gefeiert. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem IMPAC-Preis, dem David Cohen Prize for Literature und dem Würth-Preis für Europäische Literatur. Bei Hanser erschienen zuletzt «Long Island« (Roman, 2024) sowie »Vinegar Hill« (Gedichte, 2025). Er wurde für 2022-2024 zum Laureate for Irish Fiction ernannt. Michael Krüger, geboren 1943 in Wittgendorf/Sachsen-Anhalt, lebt in München . Er war viele Jahre Verlagsleiter der Carl Hanser Literaturverlage und Herausgeber der "Akzente" sowie der "Edition Akzente" und von 2013 bis 2019 Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Er ist Mitglied verschiedener Akademien und Autor mehrerer Gedichtbände, Geschichten, Novellen, Romane und übersetzungen. Für sein schriftstellerisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Peter-Huchel-Preis (1986), den Mörike-Preis (2006) und den Joseph-Breitbach-Preis (2010). Volker Schlöndorff, 1939 in Wiesbaden geboren, studierte in Paris politische Wissenschaft und lebt in Berlin. Er hat mehr als dreißig Filme und Fernsehspiele gedreht, Opern und Theaterstücke inszeniert, für die er mit den großen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurde.

Pressestimmen

»Unprätentiös sprechen Colm Tóibíns Gedichte vom Leben, vom Tod, von der Liebe und allem, was sich im Helldunkel der Welt dazwischen ereignet.« Jan Röhnert, Welt am Sonntag, 23.03.25 »Die Übersetzung von Colm Tóibíns Lyrik ist ein Dienst am leidenschaftlichen Lyrikleser, der begeistert merkt, wie hier Identität und Zugehörigkeit, Privates und Öffentliches, Sterblichkeit und Resilienz, Kunst und Literatur den Menschen in seiner ganzen Komplexität schillern lassen.« Alexandru Bulucz, Süddeutsche Zeitung, 22.03.25
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