Der Hund ist immer hungrig

Gedichte
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Buchprofile - Rezension
Geleit in eine postpandemische Zukunft: Anja Kampmanns poetische Wahrnehmungsschule.
Was hat der Dichter zu der Corona-Pandemie zu sagen? Die Frage ist berechtigt, geht aber in die falsche Richtung. Der zweite Gedichtband von Anja Kampmann beginnt mit einer poetischen Szene im Papstpalast Avignon. 1348, die Pest wütet, und Clemens VI. überlebte zwischen zwei Feuern im Hirschzimmer, ein Jagdfresko betrachtend. Es ist auf dem Umschlag von Anja Kampmanns Band abgebildet. Der Hund taucht öfters in den Gedichten auf, als Bote aus der Unterwelt, als Jagdgehilfe, als geklonter Drogenhund. Tierwelt und Umwelt sind hier anders als wir sie wahrzunehmen gewohnt sind: Gebirge altern, Vieh verdurstet, Farn vertrocknet. Die Dichterin gibt uns ein Geleit in eine Zukunft nach Pandemie und Klimawandel. Es sind Verse an die Nachfahren, Verse über ein Später, das sich jetzt schon abzeichnet. Verse aber ohne jeden Kassandraton. Zum Erkennen reicht ein Blick in kluge Zukunftsessays (z.B. von Roger Willemsen, der in den Anmerkungen am Ende des Bandes erwähnt wird) und natürlich zuallererst ein geduldiges Lesen. Anja Kampmann gibt uns dafür sperrige, unruhige, manchmal verstörende, oft erhellende Bilder. Wer, wenn nicht die Dichterin, kann da vorangehen und das „schicksallied der wünsche“ singen. Keine leichte, aber sehr lohnende Lektüre.
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Artikelbeschreibung

Nach ihrem hochgelobten Debütroman "Wie hoch die Wasser steigen" widmet sich Anja Kampmann wieder der Lyrik und fragt nach dem großen Leben.Zeitungsträger, ein Mädchen auf dem Spielplatz, Jugendliche in ihrer naiven Sehnsucht fragen sich nach dem großen Leben und wo es sein könnte. Die Zukunft unterdessen hat ein anderes Blau und kündigt sich an mit Klonpferden und Mammuts. Mit zwei Büchern ist Anja Kampmann rasch bekannt geworden, mit "Wie hoch die Wasser steigen", ihrem ersten Roman, und mit ihren Gedichten. Die neuen Gedichte erzählen vom Marschland, Figuren treten auf, wiederkehrende Motive verklammern sie zu einem großen Bild der Landschaft in unserer Zeit. Sie bestätigen Anja Kampmanns Rang als ganz eigenständige, überraschende Stimme ihrer Generation.

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Pressestimmen

"Es sind ganz kleine Dinge, Wahrnehmungen, die ganz nah an einem naturhaften Augenblick sind - wie aber in diesem Augenblick Jahrmillionen eingeschmolzen sind, wie sich im sinnlichen jetzt die ganze Unendlichkeit auftun kann mit einem Mal, dass ist das, was für mich diese Gedichte so groß macht." Iris Radisch, SWR2 Literatur, 2.7.21 "Gedichte von einer atonal vibrierenden sprachlichen Schönheit. ... Der Blick weitet sich von Seite zu Seite; es geht um Umweltzerstörung und Technisierung, um Genmanipulation oder den Krieg in der Ukraine. Kampmann arbeitet dabei nicht plakativ, sondern mit feinen, eleganten sprachlichen Übergängen, in denen die Ebenen des Sehens und Sprechens ineinander verschmelzen. Politische Lyrik auf der Höhe der Zeit." SWR2 Literatur Bestenliste Juli/August, 2.7.21 "Einer der erstaunlichsten Gedichtbände, die in den letzten Jahren erschienden sind, weil Anja Kampmann ... sofort einen eigenen Ton findet, es ist eine gebrochene Syntax, die immer wieder aufgeraut wird. Es sind komplexe Sätze, aber es ist keine hermetische Lyrik, man merkt Grundthemen, die sich immer wieder spiegeln." Rainer Moritz, NDR Kultur, 15.06.2021 "In Anja Kampmanns Gedichten gibt es ein unterschwelliges Bewusstsein dafür, dass die Welt in der Form, in die wir hineingewachsen sind, fragwürdig geworden ist. Die Zerstörung der Natur, das Verschwinden der gewohnten Lebenszusammenhänge wird bereits als gegeben vorausgesetzt. Das hat etwas Verstörendes, und zugleich ist es von einer merkwürdig vibrierenden sprachlichen Schönheit. Diese Gedichte spielen nicht, sie täuschen nichts vor. Sie sind ein Stachel, der bleibt." Helmut Böttiger, Deutschlandfunk Kultur, 26.4.21 "Anja Kampmanns Gedichte sind ... in ihren Gegenständen immer wieder höchst gegenwärtig. ... Hier zeigt sich die Kunst Anja Kampmanns, die Dinge nebeneinander stehen zu lassen, sie als Gleichzeitigkeiten zu akzeptieren und kenntlich zu machen. Den wissenschaftlichen Fortschritt auf der einen Seite und auf der anderen Seite eine Art, die Welt zu betrachten und sich mit ihr auseinanderzusetzen - die sich nicht optimieren lässt, die mit jedem Betrachter nur immer wieder neu und anders ist." Tobias Lehmkuhl, DLF Büchermarkt, 30.03.2021
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