Aus der Zuckerfabrik

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020 (Shortlist)
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Buchprofile - Rezension
Ein Kaleidoskop von Gedanken, Geschichte, Mensch und Natur, Fakten und Fiktionen.
Den Handlungsstrang des neuen Romans von Dorothee Elmiger zeichnen zu wollen, ist unmöglich. Tagebuchartig, schwer einer Chronologie folgend, doch durchaus eine ahnend, schwimmen die Leser/-innen mit inneren Monologen, Dialogen häufig mit Partnern aus Literatur, Geschichte, Theologie oder autobiografisch anmutenden Zeitgenossen. Es ist kein herkömmlicher Roman, eher ein Essay in Romanform, mit dem Elmiger herausfordert. Selbst der Versuch des postmodernen Schreibens scheint überwunden zu werden. Zum Festhalten durchzieht das Thema kolonialer Kapitalismus die Ausführungen, was sich jedoch auch nicht vordergründig präsentiert, sondern als Verknüpfungspunkte einen roten Faden bietet. Die Erzählerin sucht leidenschaftlich Verbindung zur Welt und vergangenen Epochen; Frisch und Kleist begegnen sich, Adam Smith taucht als Ökonom mit seiner Liebe zu Zucker auf und wird mit der Rebellion der Sklaven im 19. Jh. konfrontiert, während ein zeitgenössischer Plantagenbesitzer den Zuckergehalt seiner Rüben vorstellt. Gedanken und Wertungen sind Tür und Tor geöffnet und es ist nicht so, als würde uns die Erzählerin nicht gleich auf der ersten Seite warnen, als sie auf die Frage nach Vorstellung, wie sich ihr Wandern durch Gestrüpp denn wohl anfühlen möge, ihr Gegenüber so antworten lässt: "Und schön, weil fast alles darin vorkommen kann und weil das Licht je nach Tageszeit einmal hierhin und einmal dorthin fällt und manchmal liegt Schnee, und ärgerlich ist es auch, weil man ständig hängen bleibt an den Ästen der Sträucher, vor allem, wenn sie Dornen haben und weil du ja so gerne diese Samthose trägst". - Eine literarische Besonderheit, die die Welt des gegenwärtigen Wirtschaftens aus einem Zeitarchiv zusammensetzen will, wobei ein gefälliges Gefüge nicht möglich ist. Eine Herausforderung, auch für geübte Leser.
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Artikelbeschreibung

Sollten die Zusammenhänge dieser Welt einmal aufgelöst sein, man wäre froh, das Buch "Aus der Zuckerfabrik" von Dorothee Elmiger zu finden, um zu verstehen, was in der Vergangenheit vor sich ging.'My skills never end' steht auf dem T-Shirt eines Arbeiters, der gerade seinen Lohn ausbezahlt bekommt. Am Strand einer karibischen Insel steht der erste Lottomillionär der Schweiz und blickt aufs Meer hinaus. Nachts drängen sich Ziegen am Bett der Autorin. Dorothee Elmiger folgt den Spuren des Geldes und des Verlangens durch die Jahrhunderte und die Weltgegenden. Sie entwirft Biographien von Mystikerinnen, Unersättlichen, Spielern, Orgiastinnen und Kolonialisten, protokolliert Träume und Fälle von Ekstase und Wahnsinn. Aus der Zuckerfabrik ist die Geschichte einer Recherche, ein Journal voller Beobachtungen, Befragungen und Ermittlungen. Ein Text, der den Blick öffnet für die Komplexität dieser Welt.

Produktsicherheit

Hersteller: Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Anschrift: Kolbergerstr. 22
DE-81679 München
Kontakt: info@hanser.de

Personeninformation

Dorothee Elmiger, geboren 1985 in der Schweiz, lebt als freie Autorin und Übersetzerin in New York. Ihre Bücher »Einladung an die Waghalsigen« (2010), »Schlafgänger« (2014) und »Aus der Zuckerfabrik« (2020) wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, für die Bühne adaptiert und vielfach ausgezeichnet. Ihr Roman »Die Holländerinnen« erhielt 2025 den Deutschen Buchpreis, den Bayerischen Buchpreis und den Schweizer Buchpreis.
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