Das Gewicht der Worte

Roman
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Buchprofile - Rezension
Reflexion über den Sinn des Lebens.
Simon Leylands Leben gerät aus den Fugen, nachdem er nach dem bitteren Verlust seiner geliebten Frau völlig unvorbereitet eine Krebsdiagnose bekommt, die ihm nur noch wenige Monate Leben bescheinigt. Er handelt drastisch, verlässt die Wahlheimat Italien, um im geliebten London ein geerbtes Haus zu beziehen, verkauft den Verlag, der ihm Lebensunterhalt war, und lässt seine erwachsenen Kinder zurück. Um all das zu reflektieren, zu entwickeln und zu beleuchten, beginnt er, Briefe an seine verstorbene Frau zu schreiben, in denen er, da die Situation es erlaubt, uneingeschränkt offen sein kann. Anscheinend macht nur die Projektion seiner selbst in die Adressatin, die das Niedergeschriebene nicht mehr lesen wird, diese Bestandsaufnahme möglich. Und diese ist auch der Kern des Romans: Die Bestandsaufnahme eines in die Jahre gekommenen Mannes, der sich die Frage stellen muss, womit er seine Tage noch füllen möchte, da diese gezählt sind. Als Liebhaber des Wortes und leidenschaftlicher Übersetzer, ergeht sich Leyland (und damit Mercier) in philosophischen Abhandlungen über das Leben, den Sinn, die Verschwendung dessen, wenn die Endlichkeit noch nicht bedrohlich ist, und Befreiungsschläge, die man sich wohl erst zutraut, wenn vieles andere keine Rolle mehr spielt. Da stolpert man über Sätze, die man gerne zweimal liest, da man sie sich selbst ermutigend zusprechen möchte. Die Erzählung nimmt eine voraussehbare Wendung, was die Hauptfigur nicht davon abhält, seine Selbstvergewisserungen weiterhin als Freund des Wortes brieflich festzuhalten. Hier sucht der Leser vergeblich nach einem weiteren literarischen Kniff. So kommt man nicht umhin, den Roman als Standortbestimmung des Autors selbst zu lesen, der um sich selbst kreist. Das lässt immerhin das Gefühl zurück, dass Worte ein wundervolles Ausdrucksmittel sind, solange sie nicht das wahre Leben ersetzen.
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Artikelbeschreibung

Seit seiner Kindheit ist Simon Leyland von Sprachen fasziniert. Gegen den Willen seiner Eltern wird er Übersetzer und verfolgt unbeirrt das Ziel, alle Sprachen zu lernen, die rund um das Mittelmeer gesprochen werden. Von London folgt er seiner Frau Livia nach Triest, wo sie einen Verlag geerbt hat. In der Stadt bedeutender Literaten glaubt er den idealen Ort für seine Arbeit gefunden zu haben - bis ihn ein ärztlicher Irrtum aus der Bahn wirft. Doch dann erweist sich die vermeintliche Katastrophe als Wendepunkt, an dem er sein Leben noch einmal völlig neu einrichten kann.

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Personeninformation

Pascal Mercier, 1944 bis 2023, hieß mit bürgerlichem Namen Peter Bieri und lebte in Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin war. Nach »Perlmanns Schweigen« und »Der Klavierstimmer« wurde sein Roman »Nachtzug nach Lissabon« einer der großen Bestseller der vergangenen Jahre und in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es folgte die Novelle »Lea«. Pascal Mercier wurde u.a. mit dem Marie-Luise-Kaschnitz-Preis und dem italienischen Premio Grinzane Cavour für den besten ausländischen Roman geehrt.
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