Abschlussball

Band 14673
Roman
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Buchprofile - Rezension
Der Beerdigungsmusiker Marten weiß: die Beerdigung ist wichtig nicht für die Toten, sondern für die Lebenden.
Schon der Anfang fasziniert: Der Ich-Erzähler beschreibt Friedhöfe und Beerdigungen als seinen regelmäßigen Arbeitsort. Die Neugierde auf den Ich-Erzähler ist sofort da. Was macht er da auf dem Friedhof, wie alt ist er wohl, wie lebt er, und wieso sind Beerdigungen für ihn so wichtig? Schnell wird klar: Marten ist Beerdigungsmusiker in München. Und ebenso schnell ist man drin in dem Sog der Geschichte. Marten erzählt sein Leben, das bisher so anders verlaufen ist, sich so anders angefühlt hat als bei anderen Menschen. Schon als Kind fühlte er sich alt, schwach, überfordert von der Welt. Nur feste Regeln und Gleichförmigkeit hielten es zusammen. Mit dem drohenden Ende der Schulzeit ist er überfordert. Er entscheidet sich schließlich für eine Ausbildung als Bibliotheksassistent und findet Erfüllung im Katalogisieren und Ordnen. Als er aber anfängt zu lesen, bricht alles auseinander, weil er kein Maß findet: er verliert seine Freundin, seine Wohnung, seine Arbeit - und landet durch Zufall auf dem Friedhof. Dort fühlt er sich gut, dort kommt er zur Ruhe. Er empfindet es als Berufung, Menschen zum letzten Geleit zu spielen. Bis zu dem Tag, an dem er für einen Toten spielen soll, der sein Mitschüler war. - Dieses merkwürdige Leben außerhalb und neben der Gesellschaft erzählt der Protagonist so schön und ergreifend und so überzeugend, dass es dem Leser gar nicht mehr so skurril, sondern zutiefst verständlich erscheint. Marten ist auf der Suche nach seinem Ton, nach seinem Platz im Leben - und davon erzählt der Autor und Kabarettist Jochimsen auf großartige Weise. Sein Roman ist trotz des ernsten Themas witzig, mit vielen zum Lachen reizenden Gedanken, gleichzeitig sehr menschlich, mit Betrachtungen zum Sinn des Lebens und Sterbens, die weiter tragen. Unbedingt empfehlenswert!
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Artikelbeschreibung

»Menschen erzählen sich Geschichten, um zu leben. Und für den Tod brauchen sie die Musik.«

Für Marten ist der Friedhof der richtige Ort: Friedhöfe sind ruhig, gut ausgeschildert und bieten ausreichend Schatten. Schon als Kind hat er die Befürchtung, nicht in diese Welt zu passen - und als sich die Möglichkeit auf ein Dasein frei von Unwägbarkeiten bietet, greift er zu: Er wird Beerdigungstrompeter auf dem Nordfriedhof in München und spielt den Toten das letzte Lied. Als Marten die Bankkarte seines soeben zu Grabe getragenen Klassenkameraden Wilhelm findet, beginnt eine groteske Irrfahrt. Ohne eigenes Zutun wird er in einen Strudel merkwürdiger Ereignisse gezogen und lernt all das kennen, wovon er sich Zeit seines Lebens so mühsam ferngehalten hat: andere Menschen, Geld, Abenteuer, die Liebe.

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Personeninformation

Jess Jochimsen, 1970 in München geboren, studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie und lebt als Autor und Kabarettist in Freiburg. Seit 1992 tritt er auf allen bekannten deutschsprachigen Bühnen auf.

Er ist regelmäßiger Gast in verschiedenen Fernsehsendungen (u.a. im 'Scheibenwischer' und im 'Quatsch Comedy Club', 'Mitternachtsspitzen') und Talkshows (u.a. '3 nach 9', 'Kölner Treff', 'NDR Talkshow'). Seit 2006 ist er Gastgeber der 'SWR-Poetennächte'. In seiner Freizeit fotografiert er traurige Dinge, um diese dann als Dias vorzuführen oder Bücher damit zu bebildern.

Bei dtv erschien 2000 sein Debüt 'Das Dosenmilch-Trauma'. Es folgten 'Flaschendrehen' (Erzählungen), 'DanebenLeben' (Bildband), 'Was sollen die Leute denken' (Monolog), 'Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?' (Erzählungen), 'Liebespaare bitte hier küssen' (Bildband) sowie der Roman 'Bellboy', der Christian Lerch zu seinem Kinofilm 'Was weg is´, is' weg' inspirierte. Zuletzt erschien sein Roman 'Abschlussball' bei dtv. Seine CDs erscheinen bei WortArt.

Preise: Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor (Förderpreis), Deutscher Kabarettpreis, Prix Pantheon, Passauer Scharfrichterbeil, zuletzt: Kleinkunstpreis Baden-Würtemberg 2011.

Pressestimmen

Ich mag sehr, wie sachte, beinahe vorsichtig Jess Jochimsen mit der Sprache umgeht. Christine Westermann WDR 2 20180218
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