Verdammt und vernichtet

Kulturzerstörungen vom Alten Orient bis zur Gegenwart
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Buchprofile - Rezension
Zerstörung und Raub von Kulturerbe als Auslöschung von kollektiver Erinnerung und Identität über die Jahrtausende – Betrachtung der Beweggründe.
Hermann Parzinger ist Archäologe und Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Buch ist ein wissenschaftliches Werk, denn es umfasst neben dem Text von 306 Seiten noch 60 Seiten Literaturverzeichnis, Verzeichnisse von Personen, Anmerkungen etc. Gut verständlich ist es aber für jeden historisch Interessierten. H. Parzinger macht einen Gang durch die Geschichte der Zerstörung von Kulturschätzen, beginnend in Ägypten und Mesopotamien, u.a. streifend den Herrschaftsbereich der Römer, die Zeit der Spätantike, der Reformation, der Französischen Revolution, des Ersten Weltkriegs, des Dritten Reiches, aber auch die Zeit der Kolonialisierung "der Welt" durch Europa, der Revolution in China, in Russland, zuletzt auch betrachtend das Vorgehen von Anhängern des Islams. Sein Blick gilt der Motivation, der Zielsetzung, den Ergebnissen der bewussten Kulturzerstörung, worunter er auch den Raub von Kulturgut fasst. Er unterscheidet Ikonoklasmus, Vandalismus, Bildersturm – aus ökonomischen, machtpolitischen, religiösen Interessen. Immer liefert er eine kurze Einführung in die Ereignisse, welche einen sehr guten Zugang ermöglicht. – Ein lesenswertes Buch, weil viele Leser/-innen einige der beschriebenen Zerstörungen von Kulturgut über die öffentlichen Nachrichten selbst "erlebt" haben – es ist nicht vorbei, es handelt sich nicht um eine Erscheinung lange vergangener Zeiten. Im 20. und 21. Jh. erfährt dieses Vorgehen zur Zerstörung der nationalen Identität und oft als Vorspann oder Parallele zum Genozid eine Hochzeit. Es gilt leider immer wieder: zuerst brennen Bücher etc., dann Menschen. – Für alle Bestände sehr empfohlen!
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Artikelbeschreibung

Fassungslos blickte 2015 die Weltöffentlichkeit nach Palmyra die antike Ruinenstadt war der Terrororganisation IS in die Hände gefallen. Der uralte Baaltempel, das heilige Zentrum zahlloser Kulturen, wurde gesprengt. Doch ist Kulturzerstörung keine Erfindung der Gegenwart. Sie zieht sich wie ein blutiges Band durch die Jahrtausende. Hermann Parzinger schreitet die Horizonte der Barbarei ab, erzählt die Geschichte vernichteter Kulturschätze und hält ein fulminantes Plädoyer für den Schutz des Menschheitserbes und der künstlerischen Freiheit.

Seine Tour d´Horizont führt ihn von der Tilgung der Erinnerung im Alten Ägypten und den Großreichen Mesopotamiens über die Zerstörung des Tempels von Jerusalem durch die Römer im Jahr 70 n. Chr. weiter durch die Bilderstürme der Reformation und der französischen Revolution bis hin zu den Verheerungen des europäischen Kolonialismus, dem Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus und darüber hinaus bis in unsere Tage. Immer wieder wird deutlich, dass gezielte Verwüstungen und Plünderungen von traditions- und identitätsstiftenden Kulturgütern auch Ausdruck eines neuen Deutungs- und Herrschaftsanspruchs waren. Doch waren jenseits machtpolitischer, ideologischer oder religiöser Beweggründe Bilderstürme häufig auch von handfesten finanziellen Interessen geleitet: Raub und Enteignungen erweisen sich bei näherem Hinsehen geradezu als systematische Vermögensumverteilung. So erwartet Leserinnen und Leser ein Buch von schmerzlicher Aktualität, das uns zugleich die Kostbarkeit der kulturellen Zeugnisse auf allen Kontinenten vor Augen führt.

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Personeninformation

Hermann Parzinger ist Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und war einer der drei Gründungsintendanten des Humboldt Forums im Berliner Schloss. Als international renommierter Archäologe und Prähistoriker wurde er mit zahlreichen Ehrungen und Preisen ausgezeichnet.

Pressestimmen

"Hermann Parzinger durchquert kenntnisreich die lange Geschichte der Kulturzerstörungen.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Thomas Macho

"ein sehr empfehlenswerter und spannend zu lesender Einstieg in das breite und brandaktuelle Thema Kulturgüterschutz.
Antike Welt, Anna Kaiser

"In seinem kenntnisreichen Sachbuch zeigt Hermann Parzinger auf, dass nicht nur zwischen den Schandtaten von IS-Extremisten und Anhängern der Reformation erschreckende Parallelen bestanden. Sondern dass Kulturzerstörungen schon immer einer ähnlichen menschen- und kulturverachtenden Logik folgten."
SRF Kontext, Felix Münger

"Es zeichnet Parzingers Werk aus, dass er strukturelle Ähnlichkeiten nicht aus den Augen verliert.“
WELT am Sonntag, Dirk Schümer

"Nicht nur Anklage gegen Kulturzerstörung jeder Art, sondern auch ein Plädoyer, dem Prozess des Plünderns und Verhökerns aktiv durch Gesetzgebung, Rechtsprechung, Eingreifen und Kontrolle nach Kräften die finanzielle Basis zu entziehen."
SWR 2, Lesenswert Kritik, Andrea Gnam

"Zeigt auf, wie Kulturzerstörungen die Geschichte blutiger Auseinandersetzung begleiten.“
Westfälischer Anzeiger, Gerd Roth

"Eindringlich arbeitet Hermann Parzinger heraus, wie wichtig der Erhalt kulturellen Erbes für die Menschheit ist."
OE 1, Kontext, Stefan May

"Beide Publikationen liefern Denkanstöße zur Debatte um Restitutionen von Kulturgegenständen.“
Museum aktuell, Utz Anhalt
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