Mameleben

oder das gestohlene Glück
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Buchprofile - Rezension
Michel Bergmann portraitiert seine verstorbene "Mame" und setzt sich respektvoll mit ihrer Lebensgeschichte und der schwierigen Beziehung zu ihr auseinander.
Das Leben hatte für die Jüdin Charlotte, der Mutter des Autors, nicht viele glückliche Momente. Mit ihren Mitmenschen ging sie hart ins Gericht. Das musste auch ihr einziges Kind Michel Bergmann aushalten, der natürlich die Mutter liebt, aber auch unter ihren Attacken leidet. 1917 während des Ersten Weltkriegs geboren, verliert sie mit drei Jahren die Mutter, im Zweiten Weltkrieg fast ihre ganze Familie. Das Lager, die Flucht in die Schweiz, wo wiederum in einem Lager kurz vor Kriegsende Michel zur Welt kommt, die Krankheit und der Tod des Ehemannes - das Unglück findet mit den Jahren kein Ende. Hochbetagt entschließt sich Lotte, nicht mehr leben zu wollen, und findet sich in einer psychiatrischen Klinik wieder. Michel, der eilig anreist, wird vorgeworfen, sich nicht genügend um die Mutter zu kümmern, doch sie macht es ihm eben nicht leicht. Jetzt, 25 Jahre später, hat Bergmann ein besseres Verständnis für sie und ihre raue Wesensart und er entfaltet mit diesem Roman ein Leben voller Schicksalsschläge und Miseren, eine Chronologie des Schmerzes, aber auch der Zeitgeschichte. In einem Kapitel lässt er die Mutter einen Monolog führen, im Epilog wendet er sich mit einem Brief an sie, in dem er klare Worte findet, sich in ihr Leben hineinfühlt und bekennt, wie sehr er sie vermisst. Es schließt sich ein umfassendes Glossar mit Übersetzungen jüdischer und französischer Wörter und Redewendungen an, die im Roman vorkommen. Ein Stück weit Autobiografie, Aufarbeitung der Mutter-Sohn-Beziehung, eine Hommage an eine Mutter - lesenswert!
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Artikelbeschreibung

Großartig und nervtötend, liebevoll und erdrückend, aufopfernd, aber auch übergriffig - Michel Bergmann liebt seine Mutter Charlotte und hält sie manchmal nicht aus. Er erzählt in diesem Buch, in dem er nichts und niemanden schont, die Geschichte dieser eigenwilligen, starken Frau: ihre Vertreibung aus Deutschland, der Verlust fast der gesamten Familie, das Glück, ihren künftigen Ehemann wiederzufinden, und dennoch ein Schicksal, bei dem sie allzu oft ganz auf sich allein gestellt ist. »Wir lachen und weinen beim Lesen und beglückwünschen den Autor zu einem grandiosen, unvergesslichen Buch, aus Schmerz und Liebe geschrieben.« Elke Heidenreich / Der Spiegel, Hamburg

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Personeninformation

Michel Bergmann wurde 1945 als Kind internierter jüdischer Flüchtlinge in Riehen bei Basel geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Paris, seine Jugend in Frankfurt a.M. Nach dem Studium arbeitete er als Journalist, unter anderem bei der 'Frankfurter Rundschau', später als Regisseur und Produzent, ab 1990 auch als Drehbuchautor (u.a. 'Otto - Der Katastrofenfilm', 'Es war einmal in Deutschland ...'). 2010 erschien sein erster Roman 'Die Teilacher', dem bislang acht weitere Bücher folgten. Michel Bergmann starb 2025 in Berlin.

Pressestimmen

»'Mameleben' ist ein lebendiges Stück Zeitgeschichte und ein wunderbares, kluges Buch voller Wärme, Witz und Empathie - ein Lesegenuss der ganz besonderen Art.« Simone Neidlinger / Aachener Zeitung Aachener Zeitung
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