Raten und Gewinnen
13.08.2026


Sommerrätsel-Folge 4

Ein Kirchenbau für die Zukunft

Mehr als zwanzig Jahre lang wurde im Bistum Eichstätt keine Kirche neu erbaut – bis 2006 in einem Ort in der mittelfränkischen Diaspora ein mutiger Plan umgesetzt wurde.
  

Die transluzente Hülle und die klare Raumgestaltung vermitteln einen einladenden und bergenden Eindruck des ovalen Baus. Die transluzente Hülle und die klare Raumgestaltung vermitteln einen einladenden und bergenden Eindruck des ovalen Baus. Foto: © Anton Brandl München

Die Weihe des bis heute letzten Kirchenneubaus im Bistum Eichstätt fand am 27. September 2009 in Dietenhofen statt.

In dem Markt im Landkreis Ansbach, rund 30 Kilometer westlich von Nürnberg gelegen, lebten bis Anfang des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich Protestanten. Katholischerseits gehört der Ort seit 1910 zum Bistum Eichstätt und wird 1947 zur Kuratie. Die kleine Gemeinde versammelt sich in einem angemieteten Gebäude, das zur Kapelle umgerüstet wird. Die Katholikenzahl steigt markant mit dem Zuzug Heimatvertriebener, 1950 stellen sie 22 Prozent der Bevölkerung im Ort. Die Diasporahilfe unterstützt die stetig wachsende Gemeinde mit der Spende eines VW Käfers. Die erste und für lange Zeit einzige Fronleichnamsprozession findet 1954 im Rahmen der Ostpriesterhilfe statt. Erst 1994 wird man dieses Hochfest in Dietenhofen wieder öffentlich mit einer Prozession begehen.

1955 kaufen der katholische Kurat und die sudetendeutsche Landsmannschaft ein Grundstück, auf dem eine Kirche errichtet werden soll. Die Eichstätter Kirchenzeitung „Willibaldsbote“ veröffentlicht im Jahr der Grundsteinlegung, des Richtfestes und der Weihe der Notkirche – 1956 – einen Bericht über Dietenhofen mit der Überschrift „Der Herr im Elend“. Der Bau, der äußerlich eher an ein gewöhnliches Wohnhaus erinnert, wird in den nächsten Jahren nach und nach ausgestattet und ausgeschmückt, 1965 erhält das bescheidene Gotteshaus, das dem Apostel der Deutschen, Bonifatius, geweiht wurde, eine Glocke. 1981 feiert man das 25-Jährige der Kirche. Rund zehn Jahre später wird Dietenhofen Pfarrei im Dekanat Schwabach, 2013 als Filiale der Pfarrei Heilsbronn zugeordnet. Seit 2019 ist kein Geistlicher mehr direkt am Ort.
   

Der jüngste Kirchenneubau des Bistums Eichstätt in Dietenhofen. Der jüngste Kirchenneubau des Bistums Eichstätt in Dietenhofen. Foto: © Anton Brandl München

Ovaler Grundriss

Da die Notkirche für die weiter wachsende Gemeinde deutlich zu klein wurde, dachte man über einen Neubau nach, erstand 1992 ein Grundstück und begann mit den Planungen. 2006 konnte schließlich der Grundstein für einen Neubau gelegt werden, unweit der evangelischen Andreas-Kirche, die mit ihren bunt glasierten Turmziegeln einen markanten Blickfang im Ortsbild darstellt.

Die Planung oblag dem damaligen Eichstätter Diözesanbaumeister Karl Frey und seinen Mitarbeitern Robert Fürsich und Richard Breitenhuber. Sie errichteten einen zweischalig verglasten Stahlskelettbau auf ovalem Grundriss, dazu einen freistehenden Glockenträger. Das Diözesanbauamt Eichstätt war verantwortlich für die liturgisch-formale Konzeption, der damalige Bischofsvikar Georg Härteis für die liturgisch-theologische. 

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Ein „liturgischer Weg“ durch den Kirchenraum

Die künstlerische Ausgestaltung oblag dem unlängst verstorbenen Eichstätter Künstler Rudolf Ackermann. Er schuf die Elemente für den „liturgischen Weg“, der die Längsachse der Ellipse beschreibt. Es reihen sich aneinander die Stationen Salbung (ein Schrein zur Aufbewahrung der heiligen Öle auf Stäben), Osterleuchter, Taufe (Taufbecken und Weihwasserschale), Verkündigung (Ambo, der aus Bronzestäben und Lederauflage besteht und beweglich ist), Kreuz, Opfer (Altar) und Sakrament (Tabernakel – ein Schrein in Haus-Form auf Stäben). Dazu kommen noch die Apostelleuchter aus Stahl. 

Hauptmaterialien sind Altenbürger Kalkstein und Bronze. Der Altarstein ist handwerklich bearbeitet, teils vergoldet, zeigt eingehauene Buchstaben und Zeichen, die theologische Anstöße geben wollen. Das Passions-Thema erscheint gleich zweimal: innen mit Eichenholztafeln, in die vergoldete Worte geschnitten wurden, die zentrale Begriffe der traditionellen Kreuzwegstationen verfremden und aktualisieren, außen mit gestalteten Gläsern, die mit variierten geometrischen Symbolen die Ikonografie der Passionsdarstellungen aufgreifen. Streng eingehalten sind bei fast allen Objekten und Raumabmessungen die Maße, die immer auf der Zahl 12 basieren. Die Gläser der Innenschale gestalteten die Schweizer Künstler Godi und Lukas Hirschi.

Energetisch autark

Bei der Weihe der Kirche wurde das Patronat der Vorgängerkirche übernommen. Der Neubau wartet neben der außergewöhnlichen künstlerischen Gestalt und Ausgestaltung – seit 2018 ist er als einziges Gebäude in Mittelfranken in die „Straße der Moderne“ aufgenommen – noch mit einer weiteren Besonderheit auf: Er gilt als „der erste energetisch autark errichtete Kirchenraum Deutschlands“.

Michael Heberling

Welches Patronat hat die neue katholische Kirche von Dietenhofen?