Sommerrätsel-Folge 2
Innen und außen klar eine Kirche
Das Anfang der 1980er Jahre errichtete Gotteshaus im Bistum Eichstätt, nach dessen Standort wir in der zweiten Sommerrätsel-Folge fragen, bildet die Mitte eines lebendigen Gemeindezentrums am Rand einer Großstadt.
Wie unter einem schützenden Zelt können sich die Gläubigen in ihrer Kirche fühlen. Foto: © Herbert Hänecke
„Eine Glucke, die ihre Küken schützend unter ihre Flügel nimmt“ – mit diesem Bild verglich der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende in seinem Grußwort die neue Kirche. Mit ihrer geschwungenen breiten Dachanlage signalisiere sie: „Kommt herein, hier findet ihr Schutz, Trost und Kraft.“ Die Weihe des neuen Gotteshauses bildete damals, im Frühjahr 1983, den Abschluss einer zweijährigen Bauzeit, in der nicht nur eine Kirche, sondern ein ganzes Pfarrzentrum im Stadtteil Herpersdorf in die Höhe gewachsen war. Das Gebäude-Ensemble bekam denselben Namen wie die bisherige Kuratie, die mit dem Tag der Kirchenweihe zur Pfarrei erhoben wurde: Corpus Christi.
Die frühen 1980er Jahre, das war eine Zeit, in der der Kirchen-Bauboom der Wirtschaftswunderzeit eigentlich schon verebbt war. Viele großzügig geplante Gotteshäuser waren bereits in den 1950er, 1960er Jahren entstanden, hatten einfachen Behelfskirchen Platz gemacht, in denen sich die vielen zugezogenen katholischen Kriegsflüchtlinge und Vertriebenen bis dahin versammelt hatten. Auch in der Mutterpfarrei, aus der Corpus Christi hervorging, war es so gewesen: Bereits 1945 wurde eine Notkirche geweiht, 1958 dann ein solider Bau aus Stein. Im Einzugsgebiet lag indes ein schnell wachsendes Viertel, das irgendwann Bedarf für eine eigene Kirche anmeldete. Dort, wo einige Jahre zuvor noch Kiefernwald gestanden war, erstreckten sich nun Neubausiedlungen.
Vom Balkon aus konnten die Menschen ihre Kirche wachsen sehen. Foto: © Frieda Wieg
„Hell und freundlich“ bauen
Mit Einverständnis des Eichstätter Ordinariats wurde bereits 1965 ein passendes Grundstück erworben, zum aus heutiger Zeit schier unglaublichen Quadratmeterpreis von 19 Mark. Am Rand des Baugeländes entstand zuerst eine einfache Behelfskirche, die 1973 geweiht wurde. Dass es nicht dabei bleiben sollte, untermauerte man ab Mitte der 1970er Jahre durch wiederholte Anträge nach Eichstätt. Denn man sehnte sich nach einem richtigen Pfarrzentrum, insbesondere nach einem Kindergarten. Der ehemalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gerald Scharl (77) erinnert sich: „Im Neubaugebiet waren viele junge Familien mit kleinen Kindern aus der Innenstadt zugezogen, die Gemeinschaft suchten und fanden. Die Kirche war ein sozialer Ankerort mit vielen Engagierten.“
Der Wunsch nach mehr Raum stieß in der Mutterpfarrei auf Verständnis. Planungen für den Neubau begannen, der gemäß der Forderung von Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat „hell und freundlich, innen und außen als Kirche erkennbar“ sein sollte. 1977 kam grünes Licht aus Eichstätt, ein Architektenwettbewerb folgte, bei dem vier Entwürfe eingereicht wurden. Nachdem sich das Preisgericht nicht einigen konnte, brachte Eichstätt erfolgreich einen fünften Architekten ins Spiel: Robert Jandl aus Regensburg, für die Diözese kein Unbekannter. Von ihm stammt auch der Entwurf für die 1980 geweihte Filialkirche St. Walburga in Stauf bei Neumarkt.
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„Wir fühlten einen Aufbruch“
Als im Herbst 1981 der Grundstein für die Kirche gelegt wurde, war das Gebiet bereits zur Kuratie erhoben worden und besaß eine eigene Kirchenverwaltung. Deren Mitglieder hätten anfangs noch „so manche Sorgenfalte“ auf der Stirn gehabt, ob sie den Eigenanteil bei der Finanzierung stemmen könnten, heißt es in der Festschrift zur Weihe der Kirche.
Froh war man über Fördermittel vom Bonifatiuswerk, wie noch heute auf einer Tafel an der Kirche zu lesen ist. Unvergessen sind auch die ehrenamtlichen Dienste beim Bau des Pfarrzentrums. „Die Arbeitseinsätze förderten das Zusammenwachsen der Gemeinde“, erinnert sich Gerald Scharl. „Wir kamen gerne zusammen, auch um die neue Pfarrei mit aufzubauen, und fühlten einen Aufbruch, besonders in einem modernen Kirchengebäude in Zeltform, wo sich die Gemeinde um den Altar scharte.“
Die übrigen Bauten, erläuterte der 1994 verstorbene Architekt Jandl in der Festschrift, „treten zurūck, ordnen sich unter, so auch der Pfarrsaal, das Jugendheim und das Pfarrhaus. Von der Straße sind sie kaum einzusehen, denn sie liegen hinter der Kirche“. Diese stehe als dominierendes Gebäude im Vordergrund, schrieb Pfarrer Karl Schiele zur Einweihung. Eintretende würden ganz von selbst nach vorne zum Altarraum geleitet „durch die schräg aufeinander zulaufenden Wände, durch die großen wuchtigen Träger, ja sogar vom Licht, das zunimmt, je weiter man voranschreitet“.
Sprudelnde Quelle im Brunnenhof des Pfarrzentrums. Foto: © Herbert Hänecke
„Einfach schön“
Bei der Kirchenweihe ertönte noch eine kleine Leihorgel. Ein großes Instrument konnte erst später angeschafft werden, auch die Glocken für den Turm folgten mit Verzögerung. 15 kleine Fenster im Innenraum der Kirche waren vorerst nur blankverglast worden. Erst drei Jahre später wurden dort bunt leuchtende Motive eingesetzt, auf denen der Künstler Reinhard Zimmermann den Kreuzweg Jesu dargestellt hatte. Sehenswert sind auch das Altarkreuz mit seinen 16 Bronzetafeln und der Brunnen im Innenhof des Pfarrzentrums, beides Werke des Künstlers Josef Blaschke.Über die Ausstattung der Kirche kann Herbert Hänecke, Mesner und Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit, viel berichten. Als er in die Gemeinde am Rand der Frankenmetropole zog, stand die neue Kirche bereits. Anfangs sei das Sitzen im Halbkreis für ihn ungewohnt gewesen, „ich fühlte mich beobachtet“. Aber das änderte sich schnell, als er merkte: „Diese Gemeinde ist so offen, dort fühlt man sich total aufgenommen, mitgenommen.“ Die Kirche, so sagt er heute, „die ist einfach schön“.
Gabi Gess
In welcher Stadt steht unsere heute gesuchte Corpus-Christi-Kirche?



