Nudeln, Reis und Kaffee für Bedürftige – Kinder bringen
Lebensmittelspenden zur Münchner Tafel
Die Kinder in St. Rupert lernen früh, sich für andere Menschen einzusetzen. Rund um Erntedank sammeln sie Lebensmittel für die Tafel. Michael Hoffmann von der Tafel im Westend findet dieses frühe Bewusstsein wertvoll.
Foto: © Sarah Rondot
Tafel freut sich über Haltbares
Tomasso packt eine Nudeltüte nach der anderen in den Bollerwagen. Auch Reis und Kaffee sind dabei. Als die Karren bis oben voll sind, ziehen die Kinder ihre wertvolle Last über bunte Herbstblätter und Kastanien bis in die Gollierstraße. Der Weg ist nicht weit und schon nach zehn Minuten poltern die Reifen der Bollerwagen über Kopfsteinpflaster in den Innenhof, wo die Münchner Tafel Lebensmittel an Bedürftige verteilt. Hier warten Michael Hoffmann und sein Team. Die Kinder bringen mit, was am meisten benötigt wird: Haltbares wie Nudeln, Reis und Kaffee. Die Tafel bekommt häufig eher frische Produkte. Für Michael Hoffmann ist es immer etwas Besonderes, wenn Kinder Lebensmittel bringen: „Das ist dann immer sehr bewegend und sehr schön. Die Kinder wollen dann auch wissen, was damit passiert und an wen das geht.“
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Jede Nudelpackung landet dort,
wo sie gebraucht wird
Tomasso und die anderen Kinder packen die Nudeltüten nun aus dem Bollerwagen in blaue Plastikkisten. Hier dürfen die Kinder selbst sortieren: eine Kiste für Reis, eine Kiste für Nudeln. Michael Hoffmann ist sicher, dass jede einzelne Nudelpackung innerhalb der nächsten Tage auf dem Esstisch eines bedürftigen Menschen landet. „Seit Corona sehen wir ein stetiges Anwachsen der Zahl der Bedürftigen. Wir haben vor ungefähr einem Dreivierteljahr auf eine vierzehntägige Verteilung umgestellt, um noch mehr Gäste versorgen zu können.“ Die Tafel sei ein Zusatzversorger für die Gäste der Tafel und stelle eine große finanzielle Unterstützung für die Familien dar. Umso mehr freut sich Hoffmann über die Spendenaktion des Kinderhauses.
Kinder lernen, dass sie
selbst helfen können
Die Kinder helfen eifrig mit und räumen die Bollerwagen in kurzer Zeit leer. Auf dem Weg zurück ins Kinderhaus erzählt Anna-Maria, warum sie so gern bei der Aktion mitmachen wollte: „Weil wir armen Menschen helfen.“ Ihre Freundin Leonie ergänzt: „Das Essen ist für die Menschen, die das brauchen.“
Michael Hoffmann hält es für sehr wertvoll, bei den Kindern dieses Wissen zu verinnerlichen. Denn „die meisten Kinder, hoffe ich, kommen ja aus stabilen Verhältnissen, wo man sich um das tägliche Essen oder auch um den letzten Cent hoffentlich nicht so viele Gedanken machen muss. Jetzt wissen sie, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, denen es nicht gut geht, die kämpfen müssen, um über die Runden zu kommen.“ Die Kinder lernen durch solche Spendenprojekte früh, dass man für diese Menschen Gutes tun kann, indem man sie mit einer Spende unterstützt oder sich wie die Mitarbeitenden der Tafel ehrenamtlich für sie einsetzt.
Wertschätzung für Lebensmittel
Genau dieses Bewusstsein ist Adnan Mekić, dem pädagogischen Leiter des Kinderhauses St. Rupert, wichtig. Er möchte den Kindern beibringen, Lebensmittel wertzuschätzen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man jeden Tag etwas zu essen hat.“ Darauf achten die Erziehenden des Kinderhauses St. Rupert nicht nur rund um Erntedank, sondern jeden Tag im Kindergartenalltag. Beim Mittagessen dürfen die Kinder selbst die Portionsgröße bestimmen und sollen lernen, ihren Hunger realistisch einzuschätzen, damit keine Lebensmittel im Müll landen. Die Kinder kommen zwar nass, aber gut gelaunt zum Kinderhaus St. Rupert zurück. Tomasso und alle anderen haben sich heute freiwillig gemeldet, mitzuhelfen und freuen sich schon aufs nächste Mal. So lernen die Kinder in St. Rupert von klein auf, wie wichtig Solidarität für die Gesellschaft ist.



