125 Jahre Michaelsbund
09.10.2026

Papst Benedikt in Bayern

2006 kam Papst Benedikt XVI. in seine alte bayerische Heimat. In München-Riem feierte er unter großer Anteilnahme die erste große Messe.
    

Trachtler blicken zur Altarinsel bei der Papstmesse in München-Riem 2006. Trachtler blicken zur Altarinsel bei der Papstmesse in München-Riem 2006. Foto: © IMAGO / Action Pictures

Vom 9. bis 14. September 2006 besuchte Papst Benedikt XVI. seine bayerische Heimat. Beim ersten Papst-Gottesdienst in München-Riem am feierten mehr als 250.000 Gläubige gemeinsam mit Benedikt XVI. ein eindrucksvolles „Fest des Glaubens“. Im Mittelpunkt stand die sonntägliche Eucharistie mit klarer Liturgie, festlicher Musik und einem vielfältigen Publikum aus Pilgern, Geistlichen, Ordensleuten, Trachtlern und zahlreichen Helfern. In seiner Predigt stellte der Papst Gott als Zentrum des Lebens heraus und verband den Glauben mit der Verantwortung füreinander.

Viele Besucher waren bereits in der Nacht oder am frühen Morgen angereist und hatten stundenlang gewartet. Weder die zunächst kühlen Temperaturen noch die spätere Spätsommerhitze konnten die gute Stimmung trüben. Auch größere Verkehrs- oder Organisationsprobleme blieben aus. Mit dem Angelus-Gebet, dem päpstlichen Segen und dem Lied „Großer Gott, wir loben dich“ endete ein festlicher Vormittag, der das Motto des Papstbesuchs „Wer glaubt, ist nie allein“ eindrucksvoll unterstrich.
    

[inne]halten - das Magazin 21/2026

Gemeinsam durchs Leben

Warum  die christliche Ehe nicht irgendeine Institution, sondern ein mystisches Bündnis der Liebe ist

Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.

Der Papst wünschte »ein herzliches Grüß Gott«

Der Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. – er wurde zu einem heiteren Fest des Glaubens. Keine Kopie des Weltjugendtags, kein katholisches Woodstock, auch kein »Event« mit minutenlangen permanenten »Benedetto«-Sprechchören. Die gab es zwar auch, aber nur kurz, als der Heilige Vater nach seiner Ankunft gegen 9.30 Uhr mit dem Papamobil eine schnelle Runde drehte. Dazwischen mischte sich der eine oder andere alpenländische Juchzer.

Im Vordergrund stand die Feier der sonntäglichen Eucharistie. Es war ein Gottesdienst mit einer klaren Liturgie, einer stimmungsvollen, anrührenden Musik und einem bunten Publikum: Ministranten in ihren Gewändern, Trachtler mit Bannern, Ordensleute, Helfer in ihren hellblauen Westen, Geistliche mit Stola und Albe, Polizei, Malteser, Feuerwehr und natürlich die große Masse an »zivilen« Gläubigen.

Kameraschwenks zeigten oft müde, aber glückliche Gesichter auf den großen Video-Leinwänden. Viele Pilger, alte und junge, waren bereits in der Nacht oder am frühen Morgen nach Riem gekommen, kampierten auf Isomatten und in Decken gehüllt am Gelände. Doch weder das stundenlange Warten, noch die großen Temperaturunterschiede – anfangs fröstelnd kalt, später brütende Spätsommerhitze – konnten ihre Stimmung trüben. Auch logistische Probleme, etwa bei U- oder S-Bahn, mussten nicht vermeldet werden, zweifellos eine Meisterleistung der Münchner Verkehrsbetriebe. Sogar auf den grünen Hügeln des ehemaligen Bundesgartenschau-Geländes hatten sich die Menschen zur Messe eingefunden, während am Horizont im dunstigen Blau die Berge zum Greifen nahe waren. 

Als die Benedikt-Glocke aus Traunstein verklungen war und mächtige Fanfarenklänge erschallten, zog Papst Benedikt XVI. mit seinem Gastgeber Kardinal Friedrich Wetter sowie mehr als 60 Bischöfen und Kardinälen ein, darunter der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Karl Lehmann, der scheidende Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano und der Kölner Kardinal Joachim Meisner. Von den zahlreichen weltlichen Ehrengästen begrüßte Kardinal Wetter Bundespräsident Horst Köhler und den bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber persönlich. Und ein sichtlich gelassener und lächelnder Benedikt XVI. wünschte der feiernden Gemeinde »ein herzliches Grüß Gott!«

In seiner Predigt (siehe Seite 4), die mehrfach durch Beifall unterbrochen wurde, hob der Papst »Gott als Zentrum der Wirklichkeit und als Zentrum unseres eigenen Lebens« hervor. Mit dem Thema Gott sei aber unlösbar das »soziale Thema, unsere Verantwortung füreinander« verknüpft. Unter Bezug auf das Evangelium von der Heilung eines Taubstummen kritisierte Papst Benedikt eine heute weit verbreitete »Schwerhörigkeit Gott gegenüber«. Jesu Wort »Ephata« sei aber in der Taufe jedem Christen gesagt.

Wie er aus Gesprächen mit vielen Bischöfen aus armen Ländern wisse, seien sie dankbar für das weltweite soziale Engagement der Kirche in Deutschland. Dem müsse aber die Evangelisierung vorausgehen. Die »Vernünftigkeit« der westlichen Welt dürfe Gott nicht ausgrenzen, sonst ende sie im Zynismus. Die Annahme des Glaubens sei aber immer eine Sache der Freiheit. Benedikt XVI. wörtlich: »Wir verletzen nicht den Respekt vor anderen Religionen und Kulturen, die Ehrfurcht vor ihrem Glauben, wenn wir uns laut und eindeutig zu dem Gott bekennen, der der Gewalt sein Leiden entgegensetzt.«

Wie zur Bekräftigung seiner Worte hing über ihm das »Enghausener Kreuz«, das weltweit älteste Monumentalkruzifix (wir berichteten). Mit dem Gruß an die Gottesmutter, dem Angelus-Gebet, dem päpstlichen Segen und dem »Großer Gott, wir loben dich« schloss der festliche Vormittag. Eindrucksvoll hatte er das Motto des Papstbesuchs »Wer glaubt, ist nie allein«, bestätigt.

Florian Ertl / Johannes Schießl

Foto: © Archiv
Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management