125 Jahre Michaelsbund
02.11.2026

Corona-Pandemie

Das Corona-Virus machte auch vor dem kirchlichen Leben nicht Halt. Kardinal Marx warb bei den Gläubigen um Verständnis für den Gottesdienst-Stopp im Erzbistum.
    

Foto: © IMAGO / MiS

Die Corona-Pandemie der Jahre 2020 bis 2023 stellte auch das kirchliche Leben vor tiefgreifende Herausforderungen. Abt Johannes Eckert von St. Bonifaz in München wies im Gespräch mit der Münchner Kirchenzeitung die Deutung der Pandemie als Strafe Gottes entschieden zurück. Vielmehr könne die Krise den Glauben und die Solidarität stärken. 

Kardinal Reinhard Marx erklärte angesichts der Ansteckungsgefahr, dass im Erzbistum München und Freising keine öffentlichen Gottesdienste mehr angeboten werden. Zugleich betonte er, dass dies nicht das Ende des Gebets bedeute. Die Kirchen blieben für das persönliche Gebet geöffnet.

[inne]halten - das Magazin 23/2026

Pracht und Glaube

Warum der Petersdom seit 400 Jahren die Menschen fasziniert.

Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.

„Nicht das Ende des Gebets“
Kardinal Marx wendet sich in Videobotschaft an die Gläubigen im Erzbistum


Nach der Absage aller öffentlichen Gottesdienste im Erzbistum München und Freising bis zum 3. April angesichts der Verbreitung des Coronavirus wendete sich Kardinal Reinhard Marx in einer Videobotschaft an die Gläubigen im Erzbistum. Wir geben hier den verschrifteten Wortlaut wieder:

Liebe Mitchristen im Erzbistum München und Freising,
liebe Brüder und Schwestern!

Das war für mich eine schlimme Nachricht, als der Herr Generalvikar mir am Freitag sagte, dass der Krisenstab eindringlich darum bittet, dass wir im Erzbistum in dieser heiklen Lage die öffentlichen Gottesdienste nicht mehr anbieten.

Auch andere Bistümer haben das schon vorgeschlagen und umgesetzt. Es ist eine schwierige Situation und ein Einschnitt in unser kirchliches Leben. Wir müssen Solidarität zeigen mit allen Menschen in unserer Gesellschaft. Wir sind alle miteinander verbunden und wir müssen gemeinsam alles tun, um das Ansteckungsrisiko zu vermindern, besonders für die Kranken, für die Alten, für die Schwachen. Alle Fachleute sagen, es muss jetzt etwas geschehen, und da sind wir auch gefordert. Das ist eine schwere Entscheidung, auch für mich und für viele andere, das weiß ich. Aber wir übernehmen hierin unsere Verantwortung für die ganze Gesellschaft.

Die Kirchen bleiben natürlich zum Gebet geöffnet. Wir alle sind verbunden in der Gemeinschaft des Gebetes. Besonders beten wir für die Kranken und ihre Angehörigen. Wir beten für Pflegerinnen und Pfleger, für Ärztinnen und Ärzte.

Es kommen noch viele Herausforderungen auf uns zu. Das spüren wir auch, wenn wir in andere Länder schauen. Aber es muss jetzt gehandelt werden in solidarischer Verbundenheit. Wir sind Teil dieser Gesellschaft und wollen unseren Beitrag leisten. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass sich so viele engagieren. Noch einmal bitte ich besonders die Gläubigen um Verständnis, dass wir uns dazu entschieden haben, die öffentlichen Gottesdienste einzustellen.

Das ist nicht das Ende des Gebetes und in allen Notfällen wird Seelsorge weiter da sein und präsent sein. Aber es ist ein wichtiges Zeichen, um dieser Ansteckungsgefahr jetzt zu begegnen und auch unseren Beitrag zu leisten für eine gute Zukunft.



Keine Strafe Gottes
Ein Gespräch mit Abt Johannes Eckert OSB in Zeiten der Corona-Pandemie


MK: Abt Johannes, zuerst die Frage, die eine ganz neue Bedeutung bekommen hat: Wie geht es Ihnen?

ABT JOHANNES: Es sind eigenartige Zeiten. Mir und den Mitbrüdern geht es Gott sei Dank gut. Aber es war schon ungewohnt, am vergangenen Sonntag nur in der Chorkapelle von St. Bonifaz den Gottesdienst zu feiern, wo wir sonst mit unseren fünf, sechs Sonntagsgottesdiensten ein so belebtes Zentrum sind.

MK: Was haben Sie sich gedacht, als am vergangenen Freitag die Meldung kam, im Erzbistum sind bis auf weiteres alle öffentlichen Gottesdienste abgesagt?

ABT JOHANNES: Zunächst einmal muss man den Entscheidungsträgern für so klare Anweisungen danken. Jetzt geht es wirklich erst einmal darum, Menschen zu schützen, und dass das Ansteckungsrisiko zurückgeht. Aus diesem Grund finde ich diese Entscheidung sehr gut, auch wenn sie bitter ist, denn der Sonntagsgottesdienst ist ein wichtiger Teil kirchlicher Gemeinde, da wir Eucharistie am Auferstehungstag des Herrn feiern. Vielleicht wird uns aber auf diese Weise auch wieder neu bewusst, welch hohes Gut diese Feier in Gemeinschaft ist. So durchleben wir jetzt auch ein Stück weit eine Art Fastenzeit.

MK: Gab es besorgte Anrufe bei Ihnen in der Abtei oder im Pfarrbüro?

ABT JOHANNES: Ja, es gab zum Teil besorgte Anrufe, zum Teil wurde auch Unverständnis geäußert. Menschen, die mit uns verbunden sind, wollten das auch in dieser Zeit sein, darum versuchen wir derzeit, einen Live-Stream einzurichten, damit man auf diese Weise mit uns abends die Vesper feiern kann.

MK: Bei Ihnen in der Klostergemeinschaft werden also das Stundengebet und die Liturgie unverändert fortgeführt ...

ABT JOHANNES: Genau, nur eben in anderen Räumen, nämlich in der Chorkapelle im Haus und ganz bewusst nicht in der Basilika oder in unserer Werktagskirche.

MK: Wie sieht es nun in der Obdachlosenarbeit bei Ihnen auf dem Gelände von St. Bonifaz aus?

ABT JOHANNES: Da unsere Gäste im Haneberghaus sehr eng aufeinander sitzen, haben wir eine Umstellung beschlossen und werden nun täglich um 10 Uhr Lunch-Pakete ausgeben. Das Haus selbst wird nicht offen sein, damit das Ansteckungsrisiko nicht zu groß ist. Interessant ist, dass unsere Gäste das alles sehr positiv aufgenommen haben. Die Arztpraxis wird weiterhin geöffnet haben, aber die Ärztin wird die Patienten einzeln an der Tür abholen und mit ihnen in die Praxis gehen, so dass es sicher auch ein wenig mehr Wartezeiten geben wird. Aber sonst hätten wir den Betrieb auch wegen unserer Ehrenamtlichen, die oft fitte Rentner sind und somit zu den Risikogruppen gehören, nicht aufrechterhalten können.

MK: Es werden auch hysterische Stimmen laut werden, die die Corona-Pandemie als Strafe Gottes zu deuten versuchen ...

ABT JOHANNES: Dies als Strafe Gottes zu sehen ist aus meiner Sicht zynisch und eine absolute Anmaßung. Was maße ich mir an, über Gott zu sagen, dass er bestraft oder belohnt? Wer kann den Willen Gottes erkennen? Das ist für mich fast schon blasphemisch. Die Pandemie kann uns zum Beispiel im Glauben auch näher zusammenbringen, wenn ich sage, wir glauben an einen Gott, der es gut mit uns meint und der uns auch in schweren Tagen nicht allein lässt – besonders diejenigen, die in irgendeiner Form getroffen sind.

MK: Wie soll man aus Ihrer Sicht als Christ eine derartige Zeit spirituell verbringen?

ABT JOHANNES: Ich denke, es ist gut, wenn man betet, auch miteinander betet, und vielleicht ein Stück weit neu die Hauskirche in kleinen Gemeinschaften entdeckt, etwa bei Ehepaaren, in der Familie ... Gut ist es sicher auch, immer wieder Stoßgebete zum Himmel zu schicken, wenn man Wünsche äußert, wie es schon die Wüstenväter getan haben. Vielleicht entdeckt der eine oder andere auch seine ganz eigenen Gebetsformen. Wichtig ist bei allem, die eigene Gelassenheit nicht zu verlieren, bis dahin, dass man selbst Solidarität lebt mit Blick auf die Nachbarschaft. Wenn ich jemandem helfe und beistehe, ist das ja auch Gottesdienst und Ausdruck gelebter christlicher Spiritualität.

MK: Welches Gebet oder welche Bibelstelle würden Sie unseren Lesern an die Hand geben wollen?

ABT JOHANNES: Es ist immer gut, um den Geist Gottes zu beten. Ich schätze hier die verschiedenen Heilig-Geist-Hymnen sehr. Natürlich bietet sich auch der Rosenkranz an oder man kann vieles in den Psalmen wiederfinden. So besteht auch die Chance, vielleicht den einen oder anderen Psalmvers für sich wieder neu zu entdecken. Gebete sind immer etwas sehr persönliches, ich denke, hier wird jeder seinen eigenen Weg gut finden.

Interview: Florian Ertl
Der Autor ist stellv. MK-Chefredakteur.

Paul Hasel
Artikel von Paul Hasel
Redakteur, Channel-Management