
Artikelbeschreibung
Joseph von Eichendorffs Roman "Ahnung und Gegenwart" entfaltet eine vielstimmige romantische Welt zwischen adliger Lebensform, religiöser Sinnsuche, Liebesverwirrung und geschichtlicher Unruhe. Im Zentrum steht Graf Friedrich, dessen Wanderungen und Begegnungen weniger eine lineare Handlung als eine poetische Prüfung innerer Bestimmung bilden. Lieder, Naturbilder und symbolische Szenen verbinden sich mit Reflexionen über Kunst, Vaterland, Frömmigkeit und gesellschaftlichen Wandel; so erscheint der Roman als charakteristisches Zeugnis der Hochromantik, in dem Ahnung als metaphysische Erwartung und Gegenwart als gefährdete Wirklichkeit einander durchdringen. Eichendorff, 1788 auf Schloss Lubowitz geboren, schrieb aus der Erfahrung einer untergehenden ständischen Ordnung und der Erschütterungen der napoleonischen Zeit. Seine katholische Prägung, seine juristische und staatsdienstliche Bildung sowie seine Nähe zu romantischen Kreisen in Heidelberg und Wien formten sein Interesse an der Spannung zwischen Weltlust und geistiger Heimkehr. "Ahnung und Gegenwart" spiegelt daher nicht bloß private Empfindsamkeit, sondern eine historische Selbstbefragung der Generation um 1815. Empfohlen sei dieses Buch Leserinnen und Lesern, die romantische Prosa nicht als bloße Schwärmerei, sondern als ernsthafte Diagnose moderner Entfremdung verstehen möchten. Wer Eichendorffs Gedichte liebt, findet hier ihre Motive erweitert zu einem geistigen Roman von hoher musikalischer, religiöser und kulturgeschichtlicher Dichte.
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Personeninformation
Joseph von Eichendorff (1788 - 1857) war ein Lyriker und Schriftsteler der deutschen Romantik. Er wurde erstmals durch seine Novelle "Aus dem Leben eines Taugenicht" und seine Gedicht bekannt. Die Novelle gilt die Kombination aus Traumwelt und Realismus als Höhepunkt der romantischen Fiktion. Sein lzrisches Werk ist Ausdruck des Idealismus und der progressiven Universalpoesie im Sinne Novalis, indem es Wissen und Glauben, Religion und Philosophie miteinander verbindet und den Zusammenhang des Ich mit dem Unendlichen fühlbar macht. Von 1813 bis 1815 nahm Eichendorff an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Nachdem sich Eichendorff 1816 als Referendar in Breslau in den preußlischen Staatsdienst begeben hatte, wurde er 1821 zum katolischen Kirchen- und Schulrat zu Danzig. Eichendorff starb an einer Lungenentzündung.
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