Rendezvous der Träumer, Narren und Verliebten

Erzählungen
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Buchprofile - Rezension
Aus der Schule der Diktatur: Eberhard Hilschers surreale Zeitreisen in die DDR.
Der 1927 in Schwiebus (heute in Polen) geborene und 2005 in Berlin gestorbene Eberhard Hilscher war lange Zeit unter dem Radar der Literaturkritik; in der DDR war er ein Außenseiter, nach dem Fall der Mauer erhielt er immerhin zwei kleinere Auszeichnungen. Die vorliegende Ausgabe ist angetan, ihm die Anerkennung zukommen zu lassen, die er als ein Schriftsteller verdient, der seine Zeit scharfsinnig-surreal beschrieben hat. Die Texte sind von Volker Oesterreich zusammengestellt aus Abschriften der Texte des Autors, die in der Staatsbibliothek zu Berlin verwahrt sind. Sie zeigen einen Autor, der ein ironisches fantastisches Schreiben wählt, um den schwer fasslichen Eigenarten seiner Zeit heimzuleuchten. Die Erzählungen des Bandes kreisen, dem Titel entsprechend, um Traum, Fantasie und Science Fiction. Der Autor sondiert die Möglichkeiten von Gen- und Computertechnik, es geht um Verjüngung und Wiederauferweckung, Schlaflaborstudien und Weltuntergangsszenarien. Die 1961 kurz vor dem Mauerbau entstandene Satire „Der Rezensionsautomat oder Die Schwarze Kunst der Buchkritik“ entlarvt die Worthülsen einer ideologieabhängigen Kulturgesellschaft in Form einer sich verselbständigenden Besprechungs-KI. Erstaunlicherweise wurde diese Erzählung seinerzeit – als eine von sehr wenigen – sogar in einer Ostberliner Wochenzeitung publiziert, nur das Kürzel „ELMS“ (für die Werke der sakrosankten Engels, Lenin, Marx und Stalin) wurde wegzensiert. An Erich Kästners „Schule der Diktatoren“ erinnert Hilschers bissige Parabel „Gedächtnisprotokolle eines Diktatorspielers“ (1991), der zum eigenen Schutze Attrappen seiner Person heranzüchtet, die sich gegenseitig umbringen. Spöttisch blickt die Erzählung „Hottibaals Verewigung“ auf den 40. Jahrestag der DDR am 7.10.1989 und den zum Gipskopf geschrumpften Zeremonienmeister Honecker. Eine Zeitreise mit merkwürdigen Rendezvous, satirisch liest der Autor einer chaotischen Zeit die Leviten. Empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Ein falsch programmierter Rezensionsautomat zeigt die Grenzen künstlicher Intelligenz, ein Forscher möchte in einem Schlaflabor die Träume seiner Probandin ergründen. Ein Schauspieler wird im Traum immer jünger, ein Glukamat-Transponder sucht im Gehirn nach der Seele. Ein Diktator fürchtet seine Doppelgänger, ein Schriftsteller lässt sich in einen Gefrierschlaf versetzen bis vermeintlich bessere Zeiten anbrechen.Die Rendezvous-Erzählungen bieten eine humorvolle Mischung aus Realem, Utopischem und Phantastischem, dazu eine Satire gleichermaßen auf DDR und BRD sowie den Literaturbetrieb. Eberhard Hilscher war ein literarisches Ausnahmetalent, dessen Schreiben von kompositorischen Freiheiten, Sprachwitz und ästhetischem Anspruch geprägt war.

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