München-Beschimpfung

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Bayern im Buch-Rezension
Bayerns Landeshauptstadt, von einem zünftigen Grantler als widersprüchlich gesehen.
Schimpfen hilft nicht, damit wird nix besser. Granteln ist ein Ausweg aus so mancher Misere. Welche Stadt ist nur vorzeigbar, sauber, durchorganisiert, lebens-, gar liebenswert? Ob zu hohe Mieten und Wohnraumverdichtung, erdrückendes Gedränge, zu wenig Kreative, knappe Kinderbetreuungsplätze oder für das Gros der Bewohner unerträgliche Lebenshaltungskosten – steht da München, die Weltstadt mit Herz, allein da? Viel Unannehmliches, Schikanöses, Verfahrenes teilt München mit anderen (nicht nur bayerischen) Kommunen. Das weiß der kluge, zünftige, mitteljunge geborene Berliner, der sich seinen Stadtbeschimpfung-Essay von der Seele und dem Lesenden (nicht durchwegs überzeugend) vor den Latz wirft. Manches ist überspitzt formuliert („Wir erreichen unerreichte Lebensqualität“) und bleibt unverständlich, vieles aber „passt“ für München-Bewohner und -Besucher: Alpen- und Italiennähe, das Oktoberfest, kulturelle Vielfalt. „Die Spitzenposition von München soll bewundert werden“, ein Satz, der gern zur Kenntnis genommen wird, auch wenn gleich darauf – Widerspruch lebe bei Feiten hoch! – der Rückzieher kommt: München scheue den ehrlichen Blick in den Spiegel. – Mit anregenden, schmissigen Illustrationen von Jan Steins, die reines Vergnügen bringen.
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Artikelbeschreibung

Lebenswert und gemütlich kommt München daher, führt mit spielerischer Leichtigkeit Fußballtabellen wie Unternehmensrankings an, adrett und putzig zeigt es seine Schokoladenseiten, alles erfolgstrunken, alles Champions League, darunter macht man es hier nicht, die Alpen und Italien sind nah, und wer es sich leisten kann, hat hier wirklich keine Probleme und auch schnell einen leichten Suri beieinander. Aber für wen hat diese Weltstadt eigentlich Herz?

Der Autor nähert sich dem Millionendorf, in dem Exzellenz angeblich nur von unten wirkt wie Arroganz und die aktuelle Wohnung immer die günstigste ist, in der man je leben wird - und entdeckt manche Unsicherheiten hinter dem so selbstbewusst vorgetragenen »Mia san mia«.

Für seine herzliche Beschimpfung ist der Autor mit dem Münchner Illustrator Jan Steins in den Dialog getreten - es ist eine vielschichtige und facettenreiche Collage entstanden.

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Personeninformation

Benedikt Feiten (Jg. 1982) ist in und um, anhand und infolge, mit und trotz München aufgewachsen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Sein Roman »Hubsi Dax« wirft einen humoristischen Blick auf den Kampf einer Hausgemeinschaft gegen Luxussanierung in Giesing, auch »So oder so ist das Leben« und »Leiden Centraal« (alle Voland & Quist) spielen zumindest teilweise in München. Er ist Cellist und Trompeter der Band »Hart Heffner Feiten«, die auf Niederbayerisch mundartliche Chansons verfasst. Jan Steins lebt seit 13 Jahren in der Maxvorstadt und kennt den Widerspruch zwischen der viel gerühmten Lebensqualität Münchens - und der knallharten Verdrängung aus Wohn- und Atelierräumen. Neben seiner Arbeit als Illustrator engagiert er sich für bezahlbare Atelier-Mieten und musste gerade das München-Klischee am eigenen Leib erfahren: Das Wohnhaus, in dem er lebt, ging an einen Immobilien-Investor. Schau ma moi.In München wurde er als Saupreiß (und Ossi) erstaunlich gut aufgenommen und illustriert am liebsten für Zeitschriften- und Buchverlage, Musik-Labels, Museen, Gewerkschaften, Kulturvereine und NGOs.

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