Ödön von Horváth

Eine Graphic-Novel-Biografie
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Buchprofile - Rezension
Ein zu kurzes Literatenleben in Schlaglichtern – trotz Flüchtigkeitsfehlern gut umgesetzt.
In 95 kurzen Sequenzen verwenden Horváth-Kenner Dieter Kirsch (Text) und die Malerin Laura Stadtegger (Illustration) vor allem Zitate Horváths selbst, um ein Panorama seines Lebens zu entwickeln – von seiner Kindheit am Vorabend des Ersten Weltkriegs bis zu jenem tragischen Ereignis 1938, als er in Paris vom Ast einer Kastanie erschlagen wurde. Laura Stadtegger gelingt es dabei, trotz einer sehr reduzierten Bildersprache und der Selbstbeschränkung auf schwarze Linien und Grautöne, die vorgegebenen Szenen gekonnt wiederzugeben. Auf herkömmliche Panels wird dabei in der Regel verzichtet und die Einzel- und Doppelseiten stattdessen mehr wie Leinwände für ein Gemälde verwendet. Der bildliche Erzählfluss vermag dabei zu überzeugen, auch wenn man sich beim Lettering manchmal eine bessere Lesbarkeit gewünscht hätte. Leider haben sich etliche Unschärfen in die Graphic Novel eingeschlichen. Robert Musil erhielt den Kleistpreis bereits 1923, nicht 1924; Josephine Baker trat erst 1926 in Berlin auf, der auf Druck der Nationalsozialisten verbotene Auftritt in München war sogar erst 1929. Für die "Maximilians-Universität" (seltsamerweise ohne Ludwig-) hat die Illustratorin das Gebäude des eigenständigen Herzoglichen Georgianums gewählt und die Geschäftsstelle der NSDAP zog erst 1925 in die Schellingstraße, Horváth kann sie dort 1924 nicht gesehen haben. Kleine Fehler, die aber nicht sein müssten. Ein wenig unklar bleibt, an wen sich die Graphic Novel wenden will – Vorkenntnisse zum Leben und Werk von Horváth sind zwar nicht nötig, aber sie erleichtern die Lektüre enorm. Jugendliche oder bildungsferne Erwachsene dürften sich also eher schwer mit dem Band tun und so mancher Horváth-Connaisseur dürfte sich umgekehrt von der für ihn ungewohnten graphischen Umsetzung abgeschreckt fühlen. Für die kleine Gruppe von Menschen, die Graphic Novels mögen und für die Horváth kein Fremdwort ist, ist die Lektüre aber ein Genuss.
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Artikelbeschreibung

1. Juni 1938. Über Paris tobt ein Sturm. Er verursacht in der gesamten Region schwere Schäden und Unfälle. In der Champs-Élysées wirft er gegen 19.30 Uhr eine Kastanie um. Sieben Personen können sich retten, bis auf einen Ungarn, den sie erschlägt. Es ist Ödön von Horváth. Mit 36 Jahren stirbt der Schriftsteller, der sich als Kosmopolit gefühlt hatte, auch wenn er einen ungarischen Pass bei sich trug. Horváth lebte in Deutschland und Österreich und schrieb in seiner Muttersprache Deutsch. Allerdings: Der nationalistisch gefärbte Begriff Vaterland, der war ihm fremd. Vaterland, das war für ihn das Volk. Ihm galt sein großer Spruch: »Gegen Lüge und Dummheit. Werdet aufrichtig, erkennt euch selbst! Nehmt euch nicht zu ernst, es steht euch weder an, noch gut.« Am 24. Oktober 1931 erhielt Ödön von Horváth den Kleist-Preis, die bedeutendste literarische Auszeichnung der Weimarer Republik. Die Graphic-Novel-Biografie zeigt Ödön von Horváths Leben, seine Zeit und das Werk, erzählt es, wie es er, der von seinen Freunden viel gelobte Erzähler, wohl selbst getan hätte: in 95 Geschichten. Das Graphic Novel-Kino über Ödön von Horváth ist schwarzweiß - seine Farbigkeit gewinnt es im Lesen dieses visuellen Lebensromans.

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Personeninformation

Dieter Kirsch, Briefträger, Volksschullehrer, Hochschuldozent, Leiter eines Goethe-Instituts. Ludwigshafen, Altrip, Groningen in den Niederlanden, Starnberg, Nancy in Frankreich, Murnau sind seine Wohnorte, Germanistik und Erziehungswissenschaft Zentren seiner wissenschaftlichen Arbeit. Immer hat er eine Botschaft, die er Menschen überbringen will. Theater ist dafür sein Medium. Sein Lebensmotiv: Raus aus den Elfenbeintürmen der Gesellschaft. Laura Stadtegger, Malerin und Grafikerin, wurde in Graz geboren. Sie studierte an der Universität für angewandte Kunst in Wien und an der School of Visual Arts in New York. Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen in Österreich und international gezeigt, zuletzt unter anderem in der Allianz Kunstsammlung in München und in der Bermondsey Project Space gallery U.K. Aktuell lebt und arbeitet sie in München.
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