Aufbruch in Technik und Kultur

Band 2
Landpartien zur Kunst: Bayerisches Oberland
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Bayern im Buch-Rezension
Das Oberland wurde elektrisch.
„Warum setzt Technik bei der Kunst etwas in Gang?“ Fragt Elisabeth Tworek in ihrem neuen Band aus der Reihe Landpartien zur Kunst. Dabei hat sie das Bayerische Oberland im Blick und die Zeit der zahlreichen technischen Innovationen, die dort speziell im 19. Jh. die Region prägten. Eine Region, die auch auf Künstler, Literaten und Musiker stark anziehend gewirkt hat. Die Frage ist von einer Kulturwissenschafterin wohl eher rhetorisch gemeint, denn moderne Technikverändert gestern wie heute unseren Lebensraum, was ganz selbstverständlich auch von Kunst und Kultur wahrgenommen und verarbeitet wird, damals war es unter anderem die sich sprunghaft entwickelnde Elektrifizierung. Die Autorin spricht sogar von einer Wechselwirkung, wobei wohl die Technik den ungleich stärkeren Einfluss auf ihre kreative Gegenwelt ausübt. In den Details kennt sich die Autorin aber bestens aus, auch mit Hinweisen wie neugierige Kulturtouristen die Spuren dieses Zusammenspiels heute noch nachverfolgen können, als Landpartie oder einfach nur als Lektüre. Zwei Beispiele: Die im Murnauer Umland seit dem 18. Jh. existierenden Glashütten waren nicht nur für die weltberühmten optischen Geräte des Joseph von Utzschneider hochwichtig, sondern prägten auch den Beginn der Hinterglasmalerei der Künstlerkreise in Murnau, Seehausen und Uffing. Und Oskar von Miller, der Vordenker des heute noch aktiven Walchensee-Kraftwerkes wurde in Lion Feuchtwangers Roman „Erfolg“ als Technik-Pionier verewigt. Von solchen spannenden Zusammenhängen bietet das Buch eine Fülle, detailreich und üppig bebildert, mit Zeittafel und ergiebigem Anhang ist es eine verführerische Herausforderung, sich das bayerische Oberland mal aus einer anderen Perspektive vorzunehmen.
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Artikelbeschreibung

Kunst und Technik sind Gegenwelten, die einander bedingen. So hängt die Hinterglasmalerei am Staffelsee von der Glasherstellung im nahen Grafenaschau ab. Diese Volkskunst der Einheimischen inspiriert später die Künstler des Blauen Reiter zu neuen Farben und Formen. Modernste Bühnentechnik ermöglicht Lichtzauber in den Schlössern des Märchenkönigs Ludwig II. Carl von Linde revolutioniert mit seiner Eismaschine das Braugewerbe; in den entstehenden Bierpalästen begeistern Volkssänger wie Karl Valentin die Massen. Auf dem Oktoberfest gehen die Glühbirnen an. Diese Glitzerwelt animiert Kreative zu Filmen und Theaterstücken. Walchensee-Kraftwerk und Zugspitzbahn, Wunderwerke der Technik, verwandeln Lion Feuchtwanger und Ödön von Horváth zu Literatur. Technische Innovationen sorgten in Bayern für neue Energiequellen, künstliches Licht, schnelle Wege. Vor allem aber waren sie eine unerschöpfliche Quelle für Kunst, Musik, Literatur - so auch im Bayerischen Oberland, vom Kesselberg über Murnau und Oberammergau bis zur Zugspitze.

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Personeninformation

Elisabeth Tworek, Dr. phil., geboren in Murnau, ist Kulturwissenschaftlerin und Publizistin. Von 1994 bis 2018 leitete sie die Monacensia, das literarische Gedächtnis der Stadt München; bis 2023 war sie im Bezirk Oberbayern für Kultur, Bildung, Museen, Heimat verantwortlich. Sie hat zahlreiche Bücher, wissenschaftliche Beiträge, Hörfunksendungen und Ausstellungen zur Kultur und Literatur in Bayern vorgelegt. Im Allitera Verlag sind u.a. die Anthologien »Literarisches Bayern« (2009) und »Literarische Sommerfrische« (2013) sowie »Trügerische Idylle. Schriftsteller und Künstler am Tegernsee« (2017) und »Sehnsucht Oberbayern. Spaziergänge durch das Alpenvorland der Literaten, Musiker und Maler« (2018) erschienen.
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