Die Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche in München - Ein Bauprojekt der Ökumene als kulturelle und geistige Brücke zwischen Ost und West

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Bayern im Buch-Rezension
Aufarbeitung eines wichtigen Kapitels griechisch-orthodoxen Lebens in München.
Gegenüber der Aussegnungshalle des Münchener Nordfriedhofs - literarisch verewigt in Thomas Manns "Tod in Venedig" - liegt mit der Allerheiligenkirche die zweite große Griechisch-Orthodoxe Kirche Münchens. Diese ist ab 1981 durch Umgestaltung, Umwidmung und Umbau aus der ursprünglich von Richard Steidle errichteten katholischen Allerseelenkirche entstanden, die aufgrund der Weltwirtschaftskrise 1929 nur als Fragment und Notkirche fertiggestellt werden konnte. Der opulent bebilderte Band zeichnet in mehreren Beiträgen die Geschichte des Kirchenbaus nach, aber auch die Geschichte der griechisch-orthodoxen Gemeinde in München. Diese war ab den 1960er Jahren durch den Zuzug von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern aus Griechenland so stark angewachsen, dass die angestammte Salvatorkirche in der Münchener Innenstadt, seit 1829 der Gemeinde überlassen, nicht mehr ausreichte. 1981 überließ das Erzbistum München und Freising deswegen den Orthodoxen die Allerseelenkirche als weiteres Gotteshaus. In mehreren Stufen wurde der Kirchenbau im Anschluss an die Bedürfnisse von Gemeinde und Ritus angepasst, zuerst durch eine neue (Teil-)Ausstattung, dann durch den (denkmalpflegerisch nicht unumstrittenen) Teilabbruch und komplett verändernden Umbau 1993-1995 nach Plänen von Robert Brannekämper und die auch 2023 noch nicht in allen Details fertiggestellte Ausmalung des neuen Kirchenraums. Zentral ist bei allem neben der griechischen Gemeinde auch die Hilfe des katholischen Erzbistums und insbesondere Erzbischofs Friedrich Kardinal Wetters. Man kann in diesem Band viel über die kirchliche Architektur in München Ende der 1920er Jahre erfahren, über die griechische Migration und Integration in der Stadt, über die ökumenische Glaubenshilfe des Erzbistums für eine orthodoxe Gemeinde - und nicht zuletzt so manches über die mangelnde Wertschätzung für Kunst und Architektur vergangener Zeiten, wenn sie nicht nur "schön" ist. Büchereien mit Schwerpunkten in Münchener Stadt-, Migrations- und Architekturgeschichte empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Die zwischen 1993 und 1995 errichtete Griechisch-Orthodoxe Allerheiligenkirche an der Ungererstraße in München hat für ihre Gemeinde, die Stadt und die Ökumene eine besondere Bedeutung. Ihre Vorgeschichte beginnt bereits Anfang der 1980er Jahre - damals wurde der Griechisch-Orthodoxen Gemeinde die an gleicher Stelle befindliche, 1929 nach Plänen von Richard Steidle erbaute katholische Allerseelenkirche von der Erzdiözese München und Freising zur Nutzung zur Verfügung gestellt. In die heutige Kirche, entworfen und gebaut von Robert Brannekämper sen., wurden Teile der Bestandsmauern integriert und zugleich traditionelle Bauelemente orthodoxer Kirchen mit zeitgenössischem Aussehen verbunden. Dieses Buch dokumentiert erstmals die umfangreiche Baugeschichte beider Kirchen mit bisher unpubliziertem Archivmaterial und trägt damit als proaktive Denkmalpflege zur langfristigen Erhaltung und historischen Einordnung des heutigen Bauwerks bei.

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Personeninformation

Dr. Korinna Zinovia Weber (* 1990) wuchs in München in einer deutsch-griechischen Familie auf. Sie studierte Architektur an der Technischen Universität München und an der Ecole Nationale Supérieure d'Architecture Paris-La-Villette. Als Preisträgerin des ICCC Student Design Wettbewerbes 2014 (Team 3. Preis) stellte sie ihre Projekte zum Thema soziale Integration bei der UN in New York und Beijing vor. Nach ihrem Studium promovierte sie an der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne über Sanierungen von Massenwohnungsbau der Nachkriegszeit (Les "vestiges" de l'opération Million dans l'oeuvre de Georges Candilis - Actualités et Strategies de sauvegarde pour un patrimoine du second après-guerre), finanziert durch die Promotionsförderung der Studienstiftung des deutschen Volkes. Von 2019 bis 2023 war sie Lehrbeauftragte und Projektmanagerin an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. 2022 erhielt sie für ihre Dissertation den Theodor-Fischer-Preis vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München. Sie lebt und arbeitet in Zürich und München.

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