Frau Fünf

Roman
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Buchprofile - Rezension
Rachefantasien einer frisch Verlassenen.
Mirjam wird unerwartet von ihrem Lebensgefährten Martin verlassen und will die Lebenssituation, in die sie nun unfreiwillig geworfen ist, nicht wahrhaben. Die Fürsorge einer überbetulichen Freundin lehnt sie ab und ergeht sich in Visionen einer Rückgewinnung des verflossenen Liebsten. Sie investiert persönlich und materiell in Detektivarbeit und deckt eine neue Liebe Martins auf, die sie ihm aber als willentlich ausgesucht abspricht. Der Zufall schmiedet eine, aus Mirjams Sicht, scheinbare Freundschaft zwischen der Neuen und der Ex. Mirjam sieht darin die Chance, Martin noch dichter observieren zu können und alles für den Augenblick vorzubereiten, in dem er wieder um Mirjams Liebe bettelt. Die Realität leugnend und um Martin auf Augenhöhe begegnen zu können, stürzt sich die weibliche Heldin noch in sexuelle Abenteuer, die sowohl das Entsetzen wie auch das Vergnügen ausloten. Abrupt muss sich Mirjam mit dem plötzlichen Tod der von ihr abgelehnten Mutter auseinandersetzen. Und obwohl dieses familiäre Ereignis emotionslos, wenn nicht sogar ignorant, beschrieben wird, liegt darin der Wendepunkt, der Mirjam den Schlussstrich unter ihre zerbrochene Beziehung ziehen lässt. – Betont leger, umgangssprachlich und somit nah am inneren Monolog erzählt ein neutraler Erzähler Mirjams Weg, die Trennung von ihrem Freund zu verarbeiten. Zunächst mutet das Vorgehen der Protagonistin komisch und vergnüglich an, dann nimmt das Mitleid zu, wie hilflos sie sich gegen die Wirklichkeit strebt, um letztlich vor den Kopf gestoßen zu werden, wie asozial die Verbindungen zu ihr Nahestehenden gelebt werden. Fast kabarettistisch werden aus den klassischen fünf Trauerphasen nach einschneidenden Erlebnissen zwei (Verleugnung und Akzeptanz) herausgeschnitten und wie ein Bühnenstück geboten, bei dem den Lesern überlassen bleibt, wieviel Unterhaltung und Belehrung man dabei herausziehen will.
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Artikelbeschreibung

Mirjam wird von Martin Mustermann nach fast zehn Jahren Beziehung verlassen. Völlig unerwartet steht sie allein in der ehemalsgemeinsamen Wohnung und versteht die Welt nicht mehr. Eine Welt, die mit Martins Möbeln eingerichtet war.Nach Jahren der Anpassung an Martins Leben und Vorlieben, bricht es aus ihr heraus. Wütend versucht Mirjam, Martins Beweggründe für die Trennung herauszufinden. Hat er eine andere?Mit drastischen Mitteln spioniert sie ihm nach und fängt an, ihr eigenes Leben zu erkunden. Was bedeutet ihr die Freundschaftzu ihrer ehemaligen WG-Mitbewohnerin Lena? Welcher Sex macht ihr eigentlich Spaß? Als »Frau Fünf« lotet Mirjamnach und nach ihre Grenzen neu aus und gerät dabei in einen Strudel aus Slapstick und Grauen.Juliane Baldy spielt in ihrem zweiten Roman gekonnt mit Klischees und Rollenbildern und erschafft eine Erzählerin, die mitzahlreichen Tabubrüchen noch lange im Gedächtnis bleibt.

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Personeninformation

JULIANE BALDY wurde in Neuss geboren und lebt heute in Berlin. Sie veröffentlichte Theaterstücke, die in Deutschland und Italien uraufgeführt wurden. 2019 erhielt sie das Stipendium der Käthe-Dorschund-Agnes-Straub-Stiftung für ihr Romandebüt und zudem die Autorenförderung des Bezirksamts Pankow für die Aufführung von »Sieben Lagen Knoblauch scharf« im Theater unterm Dach Berlin. Ihr Debütroman »Paul« erschien 2020 in der Frankfurter Verlagsanstalt und wurde mit dem White Raven der Internationalen Jugendbibliothek ausgezeichnet. Zudem erhielt sie ein weiteres Stipendium der Käthe-Dorsch- und Agnes-Straub-Stiftung für ihren zweiten Roman »Frau Fünf«. 2021 wurde ihr vom Deutschen Literaturfonds Neustart Kultur »Neue Perspektiven für Dramatikerinnen und Dramatiker« eine Förderung zugesprochen.

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