Die Kühe, mein Neffe und ich

Mit großen Tieren aufwachsen, leben und arbeiten
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Buchprofile - Rezension
Reportage über die gewaltigen Veränderungen in der Milchwirtschaft während der letzten Jahrzehnte.
Aufgewachsen auf einem norddeutschen Bauernhof, schreibt die Journalistin und Autorin in ihrem neuen Buch (zul. "Bauern, Land", 2020, BP/mp nicht bespr.) über den Menschen und sein Vieh. In drei nebeneinander herlaufenden Erzählsträngen erinnert sich die Autorin (geb. 1953) an ihre Kindheit auf dem Bauernhof und erzählt von der Milchwirtschaft ihres Neffen, der den Hof mit 140 Kühen heute mit Hilfe moderner Robotik weiterbetreibt. Ein weiterer Teil führt sie zu Betrieben in verschiedenen Regionen Deutschlands, die Milch erzeugen mit ganz unterschiedlichen Konzepten, u.a. als Familienbetrieb mit Weidegang oder in riesigen Stallanlagen mit mehreren Tausend Tieren und Arbeitskräften im Schichtbetrieb. Zu den Ursprüngen und Veränderungen der Mensch-Tierbeziehung recherchiert sie die Jahrtausende alte gemeinsame Geschichte von Mensch und Vieh, bis heute ein Thema voller Widersprüche. Aus vielen verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet die Autorin das Thema, resümiert Gespräche mit Landwirten, Tiermedizinern, hinterfragt Erlebtes, kritisiert Schieflagen und Scheinheiligkeiten in Politik und Gesellschaft, und warnt vor dem absehbaren weiteren Höfesterben, wenn Tier- und Umweltschutzauflagen gesetzeskonform umgesetzt werden. Ein informatives Buch mit vielen Einblicken in eine Welt, die den meisten Verbrauchern fremd oder durch verklärte Schönfärberei falsch vermittelt ist. Leider kommen genau die Aspekte zu kurz, die den seit Jahrzehnten per Gesetz definierten Tierschutz in Haltung, Zucht und Umgang sowie EU-Umweltauflagen in der Landwirtschaft ebenso ausführlich und vielfältig mit den entsprechenden Fachleuten beleuchten. Vielleicht schreibt die Autorin ja dazu ein Folgebuch, aus Gründen der Ausgewogenheit!
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Artikelbeschreibung

Die Kühe auf den Weiden, das ist ein in uns allen tief verwurzeltes Bild. Aber wie ist es, mit ihnen aufzuwachsen, zu leben und zu arbeiten? Davon erzählt Uta Ruge kenntnisreich, persönlich und mit historischer Tiefenschärfe. Kühe waren klug, Kühe trugen Namen. Für das kleine Mädchen waren sie die interessantesten Tiere auf dem Hof, auf dem ihr Neffe heute noch Milchwirtschaft mit 140 Kühen betreibt. Wie war es damals, in den 1950er-, 1960er-Jahren, und wie ist es heute? Und wie hat alles angefangen vor Urzeiten, als die Menschen die ersten Rinder domestizierten, mit ihnen wanderten und schließlich mit ihrer Hilfe sesshaft wurden und Ackerbau betrieben? Uta Ruge erzählt vom täglichen Umgang mit den Kühen, vom Füttern, Melken, von Besamungen und Geburten. Sie erzählt von der Nähe, die durch die Arbeit entsteht, und davon, wie man gleichzeitig die gebotene Distanz zu den Tieren erlernt. Sie hat die Historie der Beziehungen zwischen Menschen und diesen großen Tieren recherchiert, wie sie sich in Höhlenmalerei, Artefakten und religiöser Überlieferung zeigt. Und sie ist über die Dörfer gefahren und berichtet, wie der ökonomische Zwang zur großen Menge und die neuen Regularien die Existenz kleinerer Höfe bedroht. Wie fatal die Entfremdung von unseren Lebensgrundlagen ist, macht dieses hervorragend recherchierte und großartig erzählte Buch deutlich.

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Personeninformation

Uta Ruge, auf Rügen geboren, wuchs nach der Flucht der Familie als Bauerntochter in einem norddeutschen Dorf auf, studierte Germanistik und Politik in Marburg und Berlin, arbeitete im Rotbuch Verlag und bei der TAZ in Berlin und lebte von 1985 bis 1998 als freie Rundfunkautorin und Mitarbeiterin der internationalen Zeitschrift Index-on-Censorship in London. Zuletzt erschien »Bauern, Land. Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang« (2020). Sie lebt in Berlin.
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