10 Uhr 50, Grunewald

Roman
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Buchprofile - Rezension
Roman, der die Persönlichkeit des ehemaligen deutschen Außenministers Walther Rathenau beleuchtet.
Vor hundert Jahren wurde der Industrielle, Schriftsteller und Politiker Walther Rathenau im Grunewald in Berlin von Rechtsextremen erschossen. In vielen kleinen Kapiteln stellt dieser Roman Rathenaus Lebensstil und Lebensthemen vor. Der älteste Sohn des AEG-Gründers Emil Rathenau hatte eine sehr strenge Mutter. Sein Verhältnis zu den Eltern und Geschwistern, seine Liebe zu Lili, der Frau des wichtigsten Firmenmitarbeiters, und vor allem sein Bestreben, als Jude ein wirklich guter Deutscher zu sein, bestimmen diese Roman-Biographie. Grundthema ist Rathenaus Suche nach seiner Rolle in der damaligen deutschen Gesellschaft. Er hatte während des Ersten Weltkrieges die deutsche Wirtschaft auf Kriegswirtschaft umgestellt, war in die Verhandlungen zu einem Friedensschluss eingebunden und hatte u.a. 1922 den Rapallo-Pakt geschlossen, der Deutschland in einem ersten Schritt aus der Isolierung herausführte. Extrem nationalistisch Denkenden erschien er jedoch als "Erfüllungspolitiker", der nur die Wünsche der Siegermächte erfülle und damit Deutschland schade. Deshalb erschossen ihn zwei Extremisten am 22. Juni 1922. In einer differenzierten auf Rathenaus Suche nach sich selbst abgestimmten Darstellung entsteht ein vielschichtiges Bild dieses interessanten Menschen und seiner Zeit. Erzählt wird großenteils aus der Innenschau der Hauptperson. Viele Lebenssituationen werden so auf den ersten Blick ungeordnet dem Leser vorgestellt, sodass sich erst allmählich ein Bild dieser Persönlichkeit ergibt. Rathenaus akute Lebensbedrohung durch den Geheimbund "Consul" bildet gleichsam einen roten Faden. Im Schlusskapitel skizziert der Autor kurz das Leben der im Roman genannten historischen Personen.
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Artikelbeschreibung

Es ist ein kühler, bewölkter Junitag, als Walther Rathenau, seit wenigen Monaten Außenminister der Weimarer Republik, in einen offenen Wagen steigt, um ins Ministerium zu fahren. Erst seit Kurzem ist er von der Konferenz in Rapallo zurück, wo die Zukunft Deutschlands mit den Alliierten des Ersten Weltkriegs vertraglich geregelt wurde. Sein eher hilfloser Schulterschluss mit der Sowjetunion hat ihm nicht nur Kritik sondern auch Morddrohungen eingebracht: Er, der Jude, habe Deutschland verraten.

Fünf Minuten nachdem er im Wagen Platz genommen hat, ist Rathenau tot - erschossen von Rechtsextremen. Diese letzte Fahrt gestaltet Stephan Abarbanell in seinem so poetischen wie psychologisch tiefgründigen Roman als eine Reise Rathenaus zu sich selbst, auf der er endlich Antworten findet, auf die Fragen, die sein ganzes Leben geprägt haben.

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Personeninformation

Stephan Abarbanell, 1957 geboren, wuchs in Hamburg auf. Er studierte Evangelische Theologie sowie Allgemeine Rhetorik in Hamburg, Tübingen und Berkeley und war viele Jahre lang Kulturchef des rbb. Sein Romandebüt, »Morgenland«, erschien 2015 bei Blessing, 2019 folgte »Das Licht jener Tage« und 2022 »10 Uhr 50, Grunewald«. Stephan Abarbanell lebt mit seiner Frau, der Übersetzerin Bettina Abarbanell, in Potsdam-Babelsberg.

Pressestimmen

»Ein feinsinnig intimer Roman.« ARD titel thesen termperamente
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