Zwei Staatsanwälte

Roman
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Buchprofile - Rezension
Eine Geschichte über den großen Terror in der Sowjetunion der 1930er-Jahre.
Kornew ist 1937 als junger, sowjetischer Staatsanwalt für die Beaufsichtigung der Gefängnisse in seiner Region zuständig. Als ihn über Umwege eine mit Blut geschriebene Botschaft aus einem der Gefängnisse erreicht, wird der idealistische Kornew tätig und glaubt an eine lokale Verschwörung. Seine Meldung beim Generalstaatsanwalt in Moskau lässt ihn bald die wahren Verhältnisse in der Sowjetunion im Jahre 1937 erkennen. Der kurze Roman beschreibt auf eine fast sachliche Art und Weise den stalinistischen Terror gegen die eigene Bevölkerung und die Ideale des Kommunismus. Kornew fühlt sich als Staatsanwalt dem Schutz der kürzlich verabschiedeten Verfassung verpflichtet und wird von oberster Instanz durch den Generalstaatsanwalt vernichtet. Deutlicher kann die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität in der damaligen Sowjetunion nicht aufgezeigt werden. – Georgi Demidow war selbst den Repressalien der stalinistischen Diktatur ausgesetzt, wurde 1937 inhaftiert und starb 1987 in dem Glauben, dass alle seine Schriften vom KGB vernichtet wurden. Erst seit 2008 werden seine Schriften wieder neu aufgelegt. So ist die Geschichte des Romans selbst ein Zeugnis der Unterdrückung in der ehemaligen Sowjetunion. Ein umfangreiches Nachwort von Thomas Martin und Irina Rastorgueva zeigt unter anderem viele Parallelen zwischen dem heutigen Russland unter Putin und dem von 1937 unter Stalin auf. Es wird deutlich, wie erneut das Rechtssystem zur Unterdrückung der Kritiker und zur Sicherung der Macht von Eliten genutzt wird. So machen Roman, Überlieferung des Romans und das aktuelle Zeitgeschehen das Buch zu einer Leseempfehlung, die jedoch alles andere als leichte Kost ist.
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Artikelbeschreibung

Wie kein Zweiter erzählt Georgi Demidow von der Ohnmacht des Einzelnen angesichts einer willkürlichen Staatsmaschine - mit grandioser Beobachtungsschärfe, tiefer Menschlichkeit und Figuren, die man nicht vergisst. Ein erschreckend gegenwärtiger Roman.

1937: Dem jungen Staatsanwalt Kornew wird ein anonymer Brief zugestellt, in dem ein mit Blut beschriebenes Stück Pappe steckt. Darin bittet ein Gefangener um die Untersuchung seines Falls. Der Staatsanwalt ist verwirrt - er beschließt kraft seines Amtes unangemeldet das Gefängnis aufzusuchen.

Nach erheblichen Widerständen bekommt er Zugang zu dem Häftling und begreift im Verlauf des Gesprächs, dass der NKWD eine Organisation ist, die nicht nur Staatsfeinde vernichtet, sondern auch dessen Freunde, selbst glühendste Anhänger der sowjetischen Idee.

Unter anderem erfährt er, dass Kornews Brief einer von Hunderten war - Schreiben von Inhaftierten an ihre Familien und an die Staatsanwaltschaft, die das Gefängnis nie verließen und direkt in den Ofen wanderten.

Der erschütterte Kornew glaubt, dass es sich bei den Aktivitäten des NKWD um eine Verschwörung gegen die Sowjetmacht handelt, und beschließt, handstreichartig nach Moskau zu fahren und den obersten Generalstaatsanwalt der UdSSR aufzusuchen. Damit setzt er ein mächtiges Räderwerk in Gang ...

Spannend, grotesk und von verstörender Aktualität - ein Triumph der Literatur.


Am 19. Februar 2026 startet die Verfilmung von Zwei Staatsanwälte von Regisseur Sergei Loznitsa in den Kinos. Der Film hat bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2025 Premiere gefeiert.

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Personeninformation

Georgi Demidov (1908-1987), ein im Gebiet der heutigen Ukraine aufgewachsener und in Charkow arbeitender sowjetischer Elitephysiker, wurde 1938 verhaftet und im dortigen NKWD-Hauptquartier ein halbes Jahr lang verhört. Er überlebte vierzehn Jahre Gulag an der Kolyma und begann, darüber zu schreiben. 1980 beschlagnahmte der KGB all seine Manuskripte. Demidow starb im Glauben, sein gesamtes Lebenswerk sei vernichtet. Erst nach der Perestroika wurden seine Schriften wieder aufgespürt.

Thomas Martin, geboren 1963 in Ost-Berlin, arbeitet als Publizist, Herausgeber und freier Autor in Berlin. Er war u.a. Leiter der Internationalen Brecht-Tage Berlin und Chefdramaturg der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Zuletzt erschienen: Alles ist erlaubt. Das Karamasow-Gesetz. Gemeinsam mit Irina Rastorgueva betreibt er das Medienkunstprojekt MODELL BERLIN.

Irina Rastorgueva, geboren 1983 in Juschno-Sachalinsk, ist Dozentin, Journalistin und Dramaturgin, sie lebt in Berlin. Zuletzt veröffentlichte sie Das Russlandsimulakrum: Kleine Kulturgeschichte des politischen Protests in Russland und gemeinsam mit Thomas Martin den Band RUSSENBRECHT. Ansichten zum politischen Theater zwischen Stalin und Putin.

Thomas Martin, geboren 1963 in Ost-Berlin, arbeitet als Publizist, Herausgeber und freier Autor in Berlin. Er war u.a. Leiter der Internationalen Brecht-Tage Berlin und Chefdramaturg der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Zuletzt erschienen: Alles ist erlaubt. Das Karamasow-Gesetz. Gemeinsam mit Irina Rastorgueva betreibt er das Medienkunstprojekt MODELL BERLIN.

Irina Rastorgueva, geboren 1983 in Juschno-Sachalinsk, ist Dozentin, Journalistin und Dramaturgin, sie lebt in Berlin. Zuletzt veröffentlichte sie Das Russlandsimulakrum: Kleine Kulturgeschichte des politischen Protests in Russland und gemeinsam mit Thomas Martin den Band RUSSENBRECHT. Ansichten zum politischen Theater zwischen Stalin und Putin.

Pressestimmen

Thomas Martin und Irina Rastorgujewa haben Demidows Kurzroman vom Russischen in ein schneidend scharfes Deutsch übertragen. Paul Jandl NZZ 20250324
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