Der zerrissene Brief

Roman
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Buchprofile - Rezension
Erinnerungen einer alten Frau an Episoden aus ihrem Leben in der Fremde.
Als 8-Jährige verbringt Elsa ihre Ferien in einem fränkischen Dorf bei der verwitweten Pauline. Auch später bleiben Elsa und Pauline in Kontakt, erst 1966 sehen sie sich wieder, weil Elsa die alte Pauline besucht, um Abstand von ihrer enttäuschten Liebe zu einem verheirateten Mann zu gewinnen, der zu seiner Frau zurückgekehrt ist. Angeregt durch Fotos, Briefe und Andenken erzählt Pauline Elsa von den Orten, die sie mit ihrem Mann Max überall auf der Welt bereist hat, spricht aber auch über ihre Beziehung zu ihm. Offen bleibt, warum Max Pauline vor der Ehe mit viel Geld allein in die USA geschickt hatte: Wollte er ihre Treue testen oder brauchte der Maskensammler Freiraum für seine Seitensprünge, mit denen er Pauline auch während ihrer Ehe konfrontierte? Vor allem die Enttäuschung, die beide in ihren Liebesbeziehungen erleben mussten, verbindet die beiden Frauen. Zischlers lebensnah gezeichnete Figuren spiegeln die Erfahrungen verschiedener Generationen wider. Ein mosaikartig geschriebener Plot, der bruchstückhafte Erinnerungsfetzen der Protagonistin aufwirft, die sich nicht leicht zu einem großen Ganzen zusammensetzen lassen, wozu auch der poetische und mit Andeutungen spielende eher altmodische (das ist der erzählten Zeit geschuldet) Stil beiträgt. Der erste Roman des Schauspielers, Regisseurs und Autors dreht sich um die Möglichkeit und Unmöglichkeit von Liebe. Für nachdenkliche Leser/-innen.
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Artikelbeschreibung

War es Fernweh, war es Liebesleichtsinn, der die 17-jährige Pauline 1899 aus ihrem fränkischen Dorf ins ferne New York ausbüxen ließ? Was hat damals den welterfahrenen Max dazu getrieben, ihr die enorme Summe von 2000 Goldmark zu geben und sie für gut zwei Jahre ganz allein in so weite Ferne zu schicken? Woher nahm er die Gewissheit, dass Pauline nach ihrer Rückkehr genau die richtige Gefährtin für seine ausgedehnten Reisen sein würde, die beide dann tatsächlich um die halbe Welt unternahmen - durchs Innere Asiens bis zur Halbinsel Kamtschatka?

Sechzig Jahre später wird Pauline von der liebesenttäuschten jungen Elsa besucht, die sie in der Nachkriegszeit als Kind 'per Brief adoptiert' hat. Gemeinsam durchwandern die beiden Frauen im Gespräch das tiefe Labyrinth von Paulines bis dahin verschollenen Lebensaugenblicken. Sie weben die bunten Fäden einer verloren geglaubten Zeit mit Hilfe von Briefen, Fotos, Notizen und Gedichten zu einem Stoff, dessen Muster erst nach und nach erkennbar wird.

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