Traum und Albtraum

Feldafing - Nationalsozialismus und Nachkriegszeit
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Bayern im Buch-Rezension
Feldafing - mehrfache Transformationen eines "privilegierten" Ortes.
"Dieses Buch soll den Prozess der Aneignung der eigenen Vergangenheit derer begleiten, die in Feldafing wohnen und auch aus der Geschichte den heutigen Ort verstehen wollen." Diese Intention verfolgen die beiden Autoren in hervorragender Weise, indem sie in dieser gehaltvoll gestalteten Dokumentation mit umfangreichem und authentischem Bildmaterial sowie ausführlichem und aufschlussreichem Text einen intensiven Überblick über die tiefgreifenden Veränderungen einer ehemals bäuerlichen Gemeinde geben. Diese Transformationen startete König Max II., der sich hier ein "irdisches Paradies" schaffen wollte, was kurz danach den Anstoß für eine Villenkolonie des Hochadels und des Münchner Großbürgertums gab und zugleich das Tor für den Tourismus öffnete mit Luxushotel, Golfplatz und Strandbad. Doch die alles verändernde Zäsur ereignete sich 1934, als sich die NSDAP mit Geld, vor allem jedoch mit Drohungen und Zwang weite Teile der Villenkolonie und der umliegenden Flächen aneignete und auf dem weitläufigen Gelände eine Reichsschule errichtete, die als Eliteschule den ausgewählten NS-Nachwuchs aus ganz Deutschland streng ideologisch und paramilitärisch drillte. Wie die früheren Veränderungen so wurden auch diese einschneidenden Maßnahmen von den Feldafingern hingenommen, auch wenn - so die Autoren - nicht alle Einwohner Nazis waren oder mit ihnen sympathisierten. Letztlich wurde diese Zeit im Großen und Ganzen totgeschwiegen und erfährt aufgrund dieser Dokumentation erst jetzt eine breite Aufarbeitung. Bereits im Mai 1945 errichtete die US-Army auf dem ehemaligen Schulgelände ein Lager für KZ-Überlebende (ca. 6000 Menschen), das nach der Verlegung nicht-jüdischer Bewohner zum ersten Jewish Displaced Person Center erklärt wurde. Nach der Auflösung des Lagers im März 1953 übernahm 1956 die Bundeswehr einen Teil des Geländes und errichtete dort eine noch heute bestehende militärische Ausbildungsstelle. - Hochinteressant, regional unverzichtbar!
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Artikelbeschreibung

Feldafing ist kein Dorf wie jedes andere: Wegen seiner landschaftlichen Schönheit stand der Ort seit dem 19. Jahrhundert im Mittelpunkt großer Transformationen, die einem Bauerndorf eine grandiose Parklandschaft, eine Villenkolonie von europäischem Rang, einen Golfplatz, ein Hotel von internationaler Bedeutung und eine NS-Eliteschule bescherten. Nach 1945 wurde das Dorf Feldafing dann, wie ein amerikanischer Besatzungsoffizier anmerkte, durch ein Camp mit bis zu 6.000 jüdischen KZ-Lagerüberlebenden, sogenannten Displaced Persons, nahezu ausradiert.Das DP-Camp bestand bis 1951, in dieser Zeit wurden hier 765 Kinder geboren. 1956 übernahm die neu gegründete Bundeswehr einen wesentlichen Teil des Geländes und Feldafing wurde wieder ein Touristenort. Die Mikrogeschichte dieses Dorfs zeigt exemplarisch schroffe Gegensätze, mit denen sich die Einheimischen vor und nach Kriegsende arrangieren mussten. Diese besondere Geschichte Feldafings zu dokumentieren, die höchst unterschiedlichen Perspektiven von Reichsschulangehörigen, Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern sowie Displaced Persons spürbar zu machen und daraus Fragen für heute abzuleiten, ist das Ziel dieses Buchs.

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