Was man noch sagen darf

Die neue Lust am Tabu
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Susanne Steufmehl empfiehlt:

Der Psychologe und Wirtschaftsjournalist Steve Ayan antwortet auf die häufig gestellte Frage, was man denn überhaupt noch sagen dürfe. Erschienen ist das kleine Büchlein bei Carl Auer, einem Fachverlag für Pädagogen und Therapeuten. Ich empfehle dieses Buch gerne, weil es unaufgeregt daherkommt und auf sensible und absolut nachvollziehbare Weise erläutert, warum viele Dinge tabu sind und bleiben sollten. Andererseits ermutigt Ayan zur gegenseitigen Zumutung und zu Klarheit in Diskussionen. Sein Fazit: Alle dürfen hierzulande (zum Glück) alles sagen, müssen aber auch mit Gegenwind, Widerspruch, Entkräftung oder Ablehnung ihrer Meinung rechnen und das dann aushalten, ohne sich ausgegrenzt oder abgekanzelt zu fühlen. Ein guter, betont liberaler Leitfaden durch das Dickicht von Sprach- und Meinungsfallen, das eine wohltuende Ruhe in ein emotional aufgeheiztes Thema bringt.

Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch

Artikelbeschreibung

"Steve Ayan verblüfft immer wieder mit Dingen, die wir eigentlich gar nicht über uns wissen wollen - aber sollten." - Eckart von HirschhausenWas darf man heute noch sagen? Eigentlich alles. Dennoch stellen sich viele Menschen genau diese Frage. Sie haben das Gefühl, man könne sich mit bestimmten Redeweisen oder Aussagen schnell den Mund verbrennen, werde für die falschen Ansichten geschasst und diffamiert. Stimmt das? Tatsächlich laden manche den Appell zu gendergerechter, mitmeinender, antistigmatisierender oder respektvoller Sprache moralisch extrem auf. Die so erzeugte Scham soll bestimmte Aspekte und Argumente aus der Diskursarena ausschließen. Doch sie bewirkt eher das Gegenteil: Die Folgen sind Trotz und verhärtete Fronten. Letztlich dienen solche moralisierenden Vorhaltungen und das »Shaming« in sozialen Medien also nicht der Sache, sondern der Aufwertung des eigenen Egos. Es ist ein Spiel um Status und Zugehörigkeit. Andere wiederum, vor allem am rechten Rand des politischen Spektrums, reden Tabus bewusst herbei, um sich als Freiheitskämpfer zu inszenieren. Beides geht an der Realität vorbei und vergiftet die Debattenkultur. So entsteht eine Spirale aus Empörung und Tabubrüchen, die uns nicht weiterbringt.Was wir stattdessen brauchen, ist mehr Mut zur gegenseitigen Zumutung, Klarheit im Argumentieren und ein ironisches Verhältnis zum Tabu.

Produktsicherheit

Hersteller: Carl-Auer
Anschrift: Vangerowstr. 14
DE-69115 Heidelberg
Kontakt: info@carl-auer.de

Personeninformation

Steve Ayan ist Psychologe, Übersetzer und Wissenschaftsjournalist. Er studierte u. a. in Berlin, Düsseldorf und Neapel und arbeitet seit 2003 als Redakteur für die Zeitschrift Gehirn&Geist aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft in Heidelberg, wo er derzeit als stellvertretender Redaktionsleiter und Ressortleiter Psychologie fungiert. Ayans thematische Schwerpunkte liegen in der Bewusstseins- und Kognitionsforschung sowie der Moralpsychologie. Er schrieb mehrere psychologische Sachbücher, zuletzt Ich und andere Irrtümer - Die Psychologie der Selbsterkenntnis (2019).
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