Die Versöhnung mit dem Bösen

Geschichte eines Weiterlebens
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Buchprofile - Rezension
Erinnerungen eines Holocaust-Überlebenden an die Zeit im Ghetto und im Konzentrationslager.
In den sehr persönlichen Gesprächen des 95-jährigen Holocaust-Überlebenden (geb. 1926) mit der Journalistin Magda Jaros spricht er offen und ehrlich über sein Leben, das ihn trotz aller erlittenen Brutalität und Unmenschlichkeit zur Überzeugung gelangen ließ, dass ohne die Bereitschaft zur Versöhnung keine menschenwürdige Zukunft möglich ist. Leon Weintraub, in ärmlichen Verhältnissen in Lodz geboren, erlebt nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1939 hautnah Diskriminierung und Enteignung der jüdischen Bevölkerung, die letztlich 1940 zu deren Umsiedlung in das Ghetto Litzmannstadt führen. Rational und erstaunlich präzise berichtet er von der erbärmlichen Zeit im Ghetto, das wie eine selbständige Stadt organisiert war (z.B. eigenes Geld, eigene Briefmarken), in der ein von den Nazis ernannter und kontrollierter Judenrat Verwaltung und Alltagsgeschehen bestimmte (Zuteilung von Lebensmitteln, Zwangsarbeit). Dieser trotz verheerender hygienischer Verhältnisse sowie Hunger, Krankheiten ein wenig Sicherheit bietende Zustand endet mit der Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad (1943). Liquidierungen und Deportationen bestimmen den Tagesablauf, Ungewissheit, Angst und Resignation belasten die Menschen. Die Auflösung des Ghettos 1944 führt zur Deportation der Familie nach Auschwitz-Birkenau (Ermordung der Mutter), von wo Leon durch den heimlichen Anschluss an einen abgehenden Transport entkommt und nach verschiedenen KZ-Aufenthalten das Kriegsende erlebt und seine drei noch lebenden Schwestern wiederfindet. Seinen weiteren Lebensweg kennzeichnen das Medizinstudium in Göttingen und Warschau, seine Rolle als Ehemann und Vater, seine überaus erfolgreiche Tätigkeit als Arzt und sein unermüdlicher Einsatz als Zeitzeuge für die Erinnerung an den Holocaust in Schulen und Gedenkstätten. - Ein wichtiges und aufschlussreiches Buch, gerade auch für junge Leute!
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Artikelbeschreibung

Ein Leben in Lódz - ein Leben nach Lódz: Leon Weintraub erzählt von Schicksal, Leid und Versöhnung.Leon Weintraub (geb. 1926) wurde ab 1940 von den Nazis gezwungen, mit seiner Familie im Getto Litzmannstadt zu leben und Zwangsarbeit zu leisten. Die dabei erlernten Fertigkeiten bewahrten ihn vermutlich vor dem Tod: Bei der Auflösung des Gettos 1944 wurden die Inhaftierten in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort umgebracht. Weintraub jedoch gelang es, sich als Arbeitshäftling auszugeben und so der Ermordung zu entgehen. In den Wirren der letzten Kriegsmonate überlebte er mehrere der brutalen Verlegungsaktionen der Nazis, bis ihm schließlich auf einem der Transporte die Flucht gelang. Ein Großteil seiner Familie überlebte den Holocaust nicht. In den Gesprächen mit der Journalistin Magda Jaros erzählt Leon Weintraub von seiner Kindheit in Lódz und seinem Weiterleben nach dem Krieg: seinem Studium der Medizin in Göttingen, seiner Karriere in Polen und seiner Auswanderung nach Schweden aufgrund der antisemitischen März-Unruhen 1968. Es ist die Geschichte einer Versöhnung nach unsagbarem Leid - aber auch eine Mahnung.»Die dramatischen Erlebnisse der Vergangenheit konnte ich in meinem Archiv der Erinnerung unterbringen. Sie sind nicht ausgelöscht, aber sie bilden auch keine dunkle Wolke über meinem Kopf, die mir die Sonne verdeckt.«Leon Weintraub

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Personeninformation

Magda Jaros studierte Philologie an der Universität Lódz und arbeitet als freieJournalistin, unter anderem für Twój STYL [Dein STIL], das renommierteste Lifestyle-Magazin in Polen. Ihren Fragen stellten sich u. a. der ehemalige Staatspräsident Aleksander Kwasniewski, der Komponist Krzysztof Penderecki, der Boxer Dariusz Tiger Michalczewski sowie der Schauspieler George Clooney. Leon Weintraub, geb. am 1. Januar 1926 im jüdischen Armenviertel in Lódz, war Häftling im Getto Litzmannstadt sowie in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Groß-Rosen, Flossenbürg und Offenburg / Außenkommando des Lagers Natzweiler. Nach dem Krieg studierte er Medizin in Göttingen und wurde Facharzt der Geburtshilfe und Frauenheilkunde in einer Warschauer Klinik, 1966 Oberarzt im Kreiskrankenhaus in Otwock bei Warschau, bis er 1969 aufgrund des steigenden Antisemitismus nach Schweden emigrieren musste. Als Zeitzeuge setzt er sich seit Jahren mit Vorträgen in Schulen und Gedenkstätten für die Erinnerung an den Holocaust ein. Leider ist derzeit keine AutorInnenbiographie vorhanden. Sascha Feuchert ist Professor für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er leitet dort die Arbeitsstelle Holocaustliteratur.

Pressestimmen

»Eine beeindruckende Erzählung.« (Matthias Arning, Frankfurter Rundschau, 9.11.2022) »Ein beeindruckendes Buch, ein beeindruckendes Leben, ein beeindruckender Mensch.« (Heidi Niemann, Göttinger Tageblatt, 14.11.2022) »Ungewöhnlich in der Flut autobiographischer Holocaustberichte ist, dass Weintraub nicht in einer traumatisch-depressiven Situation verharrt, sondern bereits im Ghetto beginnt, nach einem ihm entsprechenden Ausweg zu suchen - und ihn auch findet.« (Knud von Harbou, Süddeutsche Zeitung, 22.01.2023.) »(Weintraubs) Erinnerungen (...) zeugen von erstaunlicher Versöhnungsbereitschaft« (Gerhard Zeillinger, Der Standard, 27.01.2023) »Ein wichtiges und aufschlussreiches Buch, gerade auch für junge Leute!« (Inge Hagen, Buchprofile/medienprofile Jg. 68/2023, Heft 1) »Ein faszinierendes Zeitzeugnis« (Neue Caritas, Ausgabe 8, 2023) »Dieses Buch wird seine Botschaft der Versöhnung (...) für immer bewahren.« (Evelin Martynkewicz, Heimatforschung Südniedersachsen, 02.08.2023)
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