Adele Spitzeder

Schauspielerin, Bankgründerin und Betrügerin
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Bayern im Buch-Rezension
Ein bewegtes Leben zwischen Luxus, Bankrott und Zuchthaus.
Die Historikerin Marita A. Panzer gewährt in dieser kompakten Kurzbiografie Adele Spitzeders (1832-1895) nicht nur Einblicke in das unkonventionelle Leben der Schauspielerin, Sängerin und Betrügerin, sondern auch in die gesellschaftlichen Verhältnisse während der zweiten Hälfte des 19. Jh., in der die Wirtschaft einen kolossalen Aufschwung nahm, jedoch an den kleinen Leuten, den Handwerkern, Ladeninhabern und Arbeitern gänzlich vorbeilief. Adele, 1832 in Berlin geboren - Vater und Mutter waren erfolgreiche Gesangskünstler -, wuchs nach dem frühen Tod des Vaters großteils in München auf, wo sie ohne Begeisterung und Zielstrebigkeit ihre Schulzeit absolvierte und nach deren Ende beschloss, Schauspielerin zu werden. Nach einer gescheiterten Karriere kehrte sie nach München zurück, das sich inzwischen zu einer wirtschaftlich wie kulturell pulsierenden Großstadt entwickelt hatte. Ohne eigene finanzielle Mittel, entwickelte sie ein ausgeklügeltes Schneeballsystem. So versprach sie bei der Einlage eines Geldbetrags die sofortige Auszahlung von 10% Zinsen für zwei Monate. Dieses Angebot sprach sich sehr schnell herum, das Geldgeschäft florierte bestens, sodass sich Adele Immobilien und Wertsachen zulegen konnte, sich aber auch sozial engagierte. Aufgeschreckt durch laute Kritik an Adeles Geschäftsgebaren und durch die von ihr festgesetzte Reduzierung der sog, Auszahlungszeit wollten zahlreiche Leute ihre eingezahlten Summen wieder bekommen, doch die "Bank" war bankrott (1872). Adele hatte nach Aktenlage 32.000 Bürger um 38 Mill. Gulden geprellt! Die Spitzeder wurde verhaftet und 1873 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach ihrer Freilassung versuchte sie erfolglos, beruflich Fuß zu fassen. Völlig verarmt starb sie 1895 an Herzversagen.
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Artikelbeschreibung

1872: Ein gewaltiger Finanzskandal, der über 30.000 Menschen um ihre Ersparnisse und Existenzen brachte, erschüttert München, ja ganz Bayern. Es handelt sich um ein Schneeballsystem ungeheuren Ausmaßes, das von der Leichtgläubigkeit der »kleinen Leute« befeuert wurde - bis schließlich die »Dachauer Bank« von Adele Spitzeder (1832-1895) zusammenbrach und sich der ganze Umfang des Betrugs offenbarte. <BR>Dieser Band erzählt von einem turbulenten Leben zwischen Schein und Sein, Luxus und Bankrott, Gutgläubigkeit und Betrug. Dabei mutet der kuriose Fall angesichts der Finanzskandale in unserer Zeit nachgerade modern an.<BR>

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