Gulistan

Roman | Longlist Deutscher Buchpreis 2026
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Buchprofile - Rezension
Die Autorin erzählt in poetisch surrealer Sprache von den Schrecken der Diktatur Saddam Husseins, vor dem ihre Familie 1987 geflohen war.
Der dritte Roman der 1987 in Kurdistan geborenen und auf Deutsch schreibenden Autorin Karosh Taha spielt in Kurdistan im Irak. Die Ich-Erzählerin Gulistan erzählt von einem Traum, in dem sie es nicht schafft, das Lieblingsfischgericht ihres Mannes Ciya zuzubereiten. Ciya war nicht nach Hause gekommen. Zwei Männer waren in seinem Schneiderladen aufgetaucht und hatten ihn bedroht. Hatten die Männer Ciya in den Fluss geworfen – und jetzt kehrte er als Fisch zurück? – Das Ganze wird in Sätzen ohne Kommata erzählt, es wirkt wie mündliches Erzählen, ist sehr poetisch und zugleich surreal. Gulistan will eine Vermisstenanzeige aufgeben. Der Polizist zeigt sich unwillig, eine aufzunehmen. Es folgt ein Dialog zwischen ihnen, der parallel gesetzt ist: Links der Polizist, rechts Gulistans Aussage, was die Gleichzeitigkeit wie in einem Hörspiel darstellt. Und ebenso das Aneinander-Vorbeireden. – Als auch Gulistan in Husseins Foltergefängnis landet, verwischt sich, wer genau spricht. Die Intensität der Gewaltszenen ist schwer erträglich, auch wenn eine extreme Poetisierung den Fokus auf das „Gemachte“ des Textes lenkt. Wenige Leser:innen werden sich auf diese Ästhetisierung von Gewalt einlassen wollen. Der Roman steht auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.
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Artikelbeschreibung

Gulistan lebt mit ihrem Mann Çiya in einem Land, das sie anfeindet für ihre Sprache, ihr Denken, ihr ganzes Sein. Unter dem diktatorischen Regime Saddam Husseins werden sie als Kurden verfolgt. Als Çiya verschwindet, begibt Gulistan sich auf die Suche nach ihm. Nichts kann ihren Willen brechen, ihren Geliebten wiederzufinden, auch wenn ihr immer wieder das Ausmaß ihrer eigenen Ohnmacht vor Augen geführt wird. Schließlich begegnet sie Çiya bei einer Versammlung inmitten einer Menschenmasse wieder - in der Uniform des Diktators, als dessen Doppelgänger. Gulistan wird verhaftet und verliert zunehmend den Verstand, doch entwickelt umso stärkere Widerstandskräfte, nicht erst, als sie von ihrer Schwangerschaft erfährt. Wie soll man nicht dem Wahn verfallen angesichts einer Diktatur, die Wahrheiten verdreht, den Menschen alles nimmt und nichts kennt als die Sprache der Gewalt? Karosh Taha schreibt über die Angst in den Straßen, die Grausamkeit eines paranoiden Systems und den Widerstand durchs Erzählen, vielstimmig, lyrisch, dicht. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2026.

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Personeninformation

KAROSH TAHA wurde 1987 in Zaxo, Kurdistan, geboren. Als Kind floh sie mit ihrer Familie vor der Diktatur Saddam Husseins nach Deutschland. Sie hat Englisch und Geschichte an der Universität Duisburg-Essen und in Kansas Anglistik studiert. Nach 'Beschreibung einer Krabbenwanderung' und 'Im Bauch der Königin' ist 'Gulistan' ihr dritter Roman. Taha erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u. a. die Alfred-Döblin-Medaille, und steht mit 'Gulistan' auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2026.

Pressestimmen

»Folter, Paranoia und Verlust wie im Irak Saddam Husseins zu durchleiden, ist ein Schicksal, das kein Buch auch nur annähernd wiedergibt. Karosh Taha aber kommt ihm näher, als man es für möglich gehalten hat.« Sonja Zekri, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG »['Gulistan'] zeigt, wozu Literatur fähig ist.« FRANKFURTER RUNDSCHAU »hypnotisch dichte Sprache« NDR KULTUR Literaturredaktion »sehr ergreifend« Antje Flemming, NDR Kultur »Der neue Roman von Karosh Taha ist nur schwer zu ertragen - und das ist gut so.« Katharina Salzer, KURIER »eine[] selten intensive[] Schilderung des Lebens unter einer Gewaltherrschaft« Matthias Jordan, KULTURNEWS »Karosh Taha [...] versucht [...], gegen das Vergessen anzuschreiben.« Judith Heitkamp, BUCHGEFÜHL BR »Die Geschichte dieses Paares wird zum Echoraum für die Gewalt im Irak in den achtziger, neunziger Jahren.« Marie Schoeß, DEUTSCHLANDFUNK Büchermarkt »[Die poetischen Mittel sind das,] [w]as es [...] eben zu einer so besonderen Erzählform macht.« Marija Bakker, WDR5 Westart »Das ist wirklich ein ganz besonderes Buch.« Marlen Hobrack, RBB RADIO3 »In ihrem Roman 'Gulistan' setzt nun die vielfach preisgekrönte Autorin Karosh Taha diesen sprachlosen Opfern ein Denkmal [...].« Anja Herzog, RBB RADIO3 »Karosh Taha hat ein mutiges Buch geschrieben.« Martin Oehlen, KÖLNER STADT-ANZEIGER
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