Jahre ohne Sprache

Roman | Feministischer und wütender Gesellschaftsroman, der dem Schweigen und der Sprachlosigkeit etwas entgegensetzt | Für Fans von Mareike Fallwickl und Ruth Maria Thomas
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Buchprofile - Rezension
Als junge Frau versucht Natascha, die Übergriffe durch einen Freund aus ihrer damaligen Teenager-Clique einzuordnen.
Ich-Erzählerin Natascha lebt seit zwei Jahren in einer alten Knopffabrik am Rand der Stadt, zusammen mit Jul, Zin, Roa und Ari. Sie leben in einer Art Familie, in der es "kein Er, kein Sie, keine Hierarchie gibt, nur ein Wir". Roa hatte die traumatisierte Natascha damals gefunden, nachdem sie an der Tankstelle „die Hand“ wiedergesehen hatte. In Rückblicken erfährt man, was Natascha als Teenager widerfahren ist. In der achten Klasse hatte die Mutter die Familie verlassen, die Brüder waren auch schon ausgezogen und der Vater schlief vor dem Fernseher ein. Da hatte Natascha in ihrer Clique mehr Geborgenheit gefunden – bis „die Hand“ kam, die der betrunkenen Jugendlichen zwischen die Beine fasste. Seitdem galten sie als ein Paar. Sie hatte keine Worte für das, was ihr damals geschah, hatte keine Abmachung getroffen: „Ich lag in seinen Armen wie ein erlegtes Reh“ (S. 98). – Auch in der Knopffabrik lassen sie die alten Geschichten nicht los. Immer wieder träumt sie davon, wie sie in der Tankstelle „die Hand“ wiedersah. Und jedes Mal stellt sie sich eine andere Reaktion vor. – Die Journalistin und Autorin Ann Esswein erzählt eindringlich von dem Unbehagen und der Scham einer Jugendlichen ohne Schutz und von der jungen Frau, die versucht, sich die Deutungshoheit zurückzuholen.
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Artikelbeschreibung

Diese Geschichte beginnt in einem Sommer, kurz bevor das, was die Erwachsenen mit dem wirklichen Leben meinen, für Natascha eigentlich so richtig losgehen sollte. In Glanitz, einem kleinen Ort in der Provinz, findet das Leben für sie und ihre Freunde zwischen Fußballplatz, Bushaltestellenhäuschen und Jahrmarkt statt. Immer dabei ist die Hand, wie Natascha ihn nennt. Die Hand, die auf ihrem Oberschenkel lauert wie ein Fisch, die ungefragt vordringt, während sich der Himmel von Nachtblau zu Frühmorgenblau färbt und alle besoffen sind.

Fünf Jahre später hat Natascha die Enge ihres Heimatortes verlassen und lebt mit ihrer Wahlfamilie in einer besetzen Knopffabrik. Hier wird Natascha zu Nao, hier gibt es keine Vergangenheit, keine Hierarchie, kein »Er« und kein »Sie«, hier gibt es nur »Wir«. Doch die Erinnerungen an ihre Jugend lassen sie nicht los, und so beginnt eine Suche, bestimmt von dem Drang, sich die Deutungsmacht über das Geschehene zurückzuerobern. Unmittelbar, schonungslos und mit großer Dringlichkeit erzählt Ann Esswein von Ohnmacht, Scham und dem Unbehagen, für das es in der Jugend keine Worte gab.


»Ann Essweins Figuren erzählen von dem Zusammensetzen fragmentierter Erinnerungen, dem einsetzenden Begreifen, der Wut und Rückeroberung der Worte.«Res Sigusch

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Kontakt: info@harpercollins.de

Personeninformation

Ann Esswein ist Autorin und Journalistin. Sieschreibtu. a. für Die Zeit, Süddeutsche Zeitung,taz, Literaturmagazine und produziertHörfunkstücke. Sie war Finalistin des29. open mike, Teilnehmerin an derRomanwerkstatt Die Große Tour amLiteraturhaus München und 2021 sowie2022 auf der Shortlist des DeutschenKurzgeschichtenwettbewerbs. 2023erhielt sie den Kunstförderpreis derStadt Augsburg. Ihr DebütromanMimikry erschien 2024. Ann Essweinlebt in Berlin.

Pressestimmen

»Eindringlicher Gesellschaftsroman voller Schmerz.« Stella Teige NDR Kultur 20251126
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