Höhenrausch

Das kurze Leben zwischen den Kriegen
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Buchprofile - Rezension
Umfassende Kultur- und Mentalitätsgeschichte der Weimarer Republik.
Nach seinem überaus erfolgreichen Buch "Wolfszeit" (Preis der Leipziger Buchmesse 2019) über die Nachkriegsjahre in Deutschland legt der Journalist Harald Jähner jetzt eine breit angelegte Kulturgeschichte der Weimarer Republik vor. Vom Ende des Kaiserreichs bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten beschreibt er den enormen gesellschaftlichen Umbruch in Deutschland. Vom Bubikopf über rauschhafte Varietéaufführungen, rege Vereinskultur, den Wandel der Arbeitswelt bis zur Wirtschaftskrise beschreibt Jähner die zwanziger Jahre in den Städten, aber auch in der Provinz. Wie durch ein buntes Kaleidoskop blickt er auf die Wohnwelt, die neuartige Mobilität durch das Automobil, die Lust am Sport und Freizeit, auf bildende Kunst, literarisches Leben und den Film. Die Gesellschaft war zerrissen, die alten Eliten waren untergegangen. Die neue Zeit pulsierte und stellte hergebrachte Wertvorstellungen komplett auf den Kopf. Das alles erzählt Jähner so leicht und analytisch klar, dass es ein wahres Lesevergnügen ist und Vergleiche mit der Jetztzeit sind nicht ausgeschlossen. - Für den breiten Einsatz empfohlen, für Schulbüchereien besonders geeignet.
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Artikelbeschreibung

Deutschland 1918. Ende des Ersten Weltkriegs, Revolution, Sieg der Demokratie. Zugleich beginnt ein Siegeszug befreiter Lebensweisen. Die Inflation bringt die überlieferten Werte ins Wanken. Alles soll von Grund auf anders werden: die 'Neue Frau', der 'Neue Mann', 'Neues Wohnen', 'Neues Denken'. Als es Mitte der Zwanziger auch wirtschaftlich aufwärtsgeht, wird Deutschland ein anderes Land. Frauen erobern die Rennpisten und Tennisplätze, gehen abends alleine aus, schneiden sich die Haare kurz und denken nicht ans Heiraten. Unisex kommt in Mode, Androgynes und Experimentelles. Jähner erzählt von der Erfindung der Freizeit, von Boxhallen und Tanzpalästen, und von den Hotspots der Neuen Zeit, vom Büro und Großstadtverkehr, vom Warenhaus als Glücksversprechen oder der Straße als Ort erbitterter Kämpfe. So vieles wirkt heute verblüffend modern. Die Vorliebe für Ironie, das Gradlinige und Direkte. Aber auch die Angst vor der 'Entwertung aller Werte', der Herrschaft des Billigen. Ein großer Teil der Deutschen fand sich im Aufbruch nicht wieder. Als das Geld knapper wurde und die Zukunft düsterer, offenbarte sich die tiefe Spaltung der Gesellschaft und die Unfähigkeit, sie auszuhalten.Harald Jähner liefert eine Gesamtschau dieser so pulsierenden, reichen Zeit - und zeichnet das Bild eines zerrissenen Landes voll gewaltiger und erschreckender Energien. Es ist uns irritierend ähnlich und - hoffentlich - doch ganz anders.

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