Stimmen

Texte, die bleiben sollten
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Buchprofile - Rezension
Texte aus dem Nachlass des Malers und Schriftstellers (1965-2013).
Nachdem bei Wolfgang Herrndorf ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert wurde, unterzog er seine schriftstellerische Arbeit einem rigorosen Auswahlverfahren. Alles, was seinen künstlerischen Ansprüchen nicht genügte, wurde vernichtet. Übrig geblieben ist eine überschaubare Anzahl von Texten, die nun in dem Nachlassbändchen "Stimmen. Texte, die bleiben sollten" von Marcus Gärtner und Cornelius Reiber in Zusammenarbeit mit Herrndorfs Witwe herausgegeben wurden. Er enthält frühe Werke, die der Autor zu Lebzeiten im Internet, vornehmlich im Forum "Wir höflichen Paparazzi" veröffentlich hatte, und gliedert sich in fünf Teile. Der erste umfasst autobiografische Skizzen, der zweite Kurzgeschichten im Sound der Popliteratur der 1990er Jahren. Aus diesem Abschnitt erklärt sich auch der Titel des Bandes: Der Protagonist dieser Erzählungen heißt Stimmen. Die dritte Rubrik umfasst poetologische Gedanken, die nächste ein kurzes Drama mit philosophisch-theologischer Grundierung. Abgeschlossen wird das Büchlein mit Gedichten. Die nachgelassenen Texte zeigen in nuce die literarische Vielseitigkeit von Wolfgang Herrndorf und lassen sein großes Entwicklungspotential erahnen, dessen Entfaltung durch einen frühen Tod verhindert wurde. Empfehlenswert nicht nur für Herrndorf-Fans, sondern für alle, die an den vielfältigen literarischen Strömungen des frühen 21. Jh. interessiert sind.
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Artikelbeschreibung

Dass Unfertiges, Unvollendetes, gänzlich Unveröffentlichtes aus seinem Nachlass publiziert wird, wollte Wolfgang Herrndorf nicht. In seinem Testament verfügte er, solche Arbeiten seien zu vernichten. Daran haben die Erben sich gehalten. Es gibt aber eine Anzahl von Texten, die schon zu Herrndorfs Lebzeiten einen Weg in die Öffentlichkeit gefunden hatten, sei es abgedruckt an entlegenem Ort, sei es durch Lesungen, vor allem aber digital: Herrndorf war Mitglied des Internet-Forums "Wir höflichen Paparazzi", einem Verbund von Selbstdenkern und kreativen Menschen, aus dem inzwischen namhafte Autoren wie Kathrin Passig, Klaus Cäsar Zehrer oder Christian Y. Schmidt hervorgegangen sind. Das Forum war, so formuliert es Tex Rubinowitz, "eine beinharte stalinistische Schreibschule". Und alle, die dabei waren, sind sich einig: Am strengsten bei der Beurteilung eigener und fremder Texte war Wolfgang Herrndorf. Meist schrieb er unter dem Pseudonym "Stimmen".
Der vorliegende Band präsentiert eine Auswahl, Texte, die mal an "In Plüschgewittern" erinnern, mal an "Tschick", mal an die magischen Erinnerungsfragmente aus "Arbeit und Struktur". Es gibt u.a. eine Fahrt mit einem gestohlenen Schrottauto über Land, nur sind es keine Jugendlichen und das Auto ist kein Lada; Herrndorf selbst verirrt sich nachts mit dem Fahrrad im Wald und klingt wie Isa auf ihren Wanderungen im Mondschein. Nichts findet sich hier, das nur Dokument oder Autorenreliquie wäre; alles ist Literatur, auch das unvollendet Gebliebene, wo es vom Autor selbst in die Tradition des romantischen Fragments gestellt wird. Ein Schatz für Wolfgang Herrndorfs Leser.

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Personeninformation

Wolfgang Herrndorf, 1965 in Hamburg geboren und 2013 in Berlin gestorben, hat ursprünglich Malerei studiert. 2002 erschien sein Debütroman «In Plüschgewittern», 2007 der Erzählband «Diesseits des Van-Allen-Gürtels». Es folgten die Romane «Tschick» (2010), «Sand» (2011), ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, sowie posthum das Tagebuch «Arbeit und Struktur» (2013) und der unvollendete Roman «Bilder deiner großen Liebe» (2014). 2023 wurde die Biographie «Herrndorf» von Tobias Rüther veröffentlicht.

Pressestimmen

Herrndorfs Poesie ist pur und direkt, unendlich traurig und berückend schön. Die Zeit
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