Die hässlichste Frau der Welt

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Buchprofile - Rezension
Ergreifender Roman über die Lebensgeschichte der „Affenfrau“ Julia Pastrana und ihrer Freundin, der Tänzerin Rosie la Belle.
Julia Pastrana erlangte im 19. Jh. – aus heutiger Sicht – erschütternde Berühmtheit. Die Frau litt unter einer Krankheit, die zu kompletter Körperbehaarung führt, sie hatte krankhafte Zahnfleischwucherungen und war kleinwüchsig. Der skrupellose Geschäftsmann Theodor Lent kaufte sie einfach, um sie in seiner „Freakshow“ als „hässlichste Frau der Welt“ zu präsentieren und mit ihr durch die Länder zu tingeln. Als sie unabsehbaren Erfolg hat und ihr rechtlich eine Menge Geld zusteht, heiratet er sie kurzerhand, um auf ihr Vermögen Zugriff zu haben. Nach ihrem Tod stellt er die ausgestopfte Leiche und beider Kind auf seinen Tourneen weiter aus. Die Autorin beschreibt das grausame Leben Julia Pastranas aus der Sicht der bildhübschen Tänzerin Rosie la Belle. Diese kehrt, nachdem sie größten Bühnenerfolg, aber auch tiefstes Leid erlebt hat, in ihr kleines Schweizer Dorf zurück, wo sie als Waisenkind aufgewachsen ist, und erzählt ihr und Julias Lebensgeschichte: Auch sie wurde von Lent kurzerhand gekauft, um sie als hübsches Gegenstück zu Julia auf der Bühne zu präsentieren. Er missbraucht das Mädchen schon in jungen Jahren vor den schockierten Augen Julias, die Lent über alles liebt. Nach Rosies anfänglicher Scheu vor der monströsen Frau entwickelt sich allmählich zwischen beiden eine tiefe Freundschaft. Rosie erkennt, wie gebildet und reflektiert Julia ist, die sich in ihr Schicksal fügt, weil ihr nichts anderes übrigbleibt. - Schribers Roman ist umso ergreifender, da er keine Fiktion ist, sondern die Biografie zweier Frauen, die wirklich gelebt und unter der Grausamkeit eines absolut skrupellosen Mannes gelitten haben. Es ist darüber hinaus ein Roman über Menschlichkeit und das, was einen Menschen wirklich ausmacht, über Liebe, Freundschaft und das Leiden an einer absolut unempathischen Umwelt. Überaus lesenswert!
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Artikelbeschreibung

Julia Pastrana ist eine »Affenfrau«. Der geschäftstüchtige Manager Theodor Lent vermarktet ihre »Hässlichkeit« in seinen »Freakshows« und zerrt sie, die die Demütigungen still erträgt, ins Licht der Öffentlichkeit. Der Schausteller schreckt vor nichts zurück, damit seine Geldquelle munter weiter sprudelt, kauft die makellose Tänzerin Rosie La Belle, um seine Hauptattraktion Julia noch schauerlicher darzustellen. Doch die »hässlichste Frau der Welt« und die jugendliche Schönheit werden Vertraute, Freundinnen, teilen sie doch das gleiche traurige Los.

Margrit Schriber erzählt einfühlsam und anschaulich von einer als Sensation missbrauchten »Tierfrau«, von Andersartigkeit, Ausbeutung und Abhängigkeit und zeichnet ein atmosphärisch dichtes Bild der Schausteller- und Künstlerwelt Mitte des 19. Jahrhunderts.

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Personeninformation

Margrit Schriber, 1939 in Luzern geboren, lebt in Zofingen und in der Dordogne. Sie arbeitete als Bankangestellte, Werbegrafikerin und Fotomodell, bevor sie Schriftstellerin wurde. Ihr umfangreiches literarisches Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Margrit Schriber war die erste Frau im Vorstand der Gruppe Olten und gilt als eine der Pionierinnen im Schweizer Literaturbetrieb. 2022 erschien die Autobiographie Das Abenteuer, eine Frau zu sein.

Pressestimmen

»Margrit Schriber zählt zu den Schweizer Schriftstellerinnen, die etwas zu sagen haben.« Luzerner Zeitung

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