Die Liste der Lebenden

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein auf historischen Quellen beruhender Roman über die Freundschaft zwischen H. C. Andersen und H. Wulff.
September 1858. Henriette Wulff entschließt sich, mit 53 Jahren ihre Heimat zu verlassen und nach Amerika auszuwandern. Von Gestalt klein und bucklig, hat sie nie geheiratet, aber mit Hans Christian Andersen eine 40-jährige, platonische, geschwisterliche Brieffreundschaft genossen. Am 13. September 1858 gerät das Auswandererschiff Austria in Brand. Von den 542 an Bord befindlichen Passagieren konnten nur 89 gerettet werden. Henriette rettet sich auf eine im Meer treibende Tür aus dem Feuer und schreibt in Gedanken Briefe an Andersen. Dieser schreibt ihr ebenso Briefe, da er die Abfahrt und somit den Abschied von Henriette verpasst hatte. Eine Reise ins 19. Jh. – schon lange hat mich kein historischer Roman mehr so fasziniert. Die Lesenden wohnen einem imaginären Dialog zwischen Andersen und Wulff bei. Es ist ein Austausch über ihre Beziehung, die immer platonisch blieb, nun aber, in diesen bedrohlichen Stunden für Henriette, eine neue Intensität erfährt. Der Sprachstil ist leise und unaufdringlich, mit melancholischen Anklängen und zieht die Lesenden immer tiefer in diese so besondere Freundschaft hinein. Es geht um Nähe und Distanz, Liebe, Sexualität, Verlust, Kunst und Erinnerung. Ein ungewöhnlicher, sehr poetischer Roman, welcher historische Realität und literarische Fiktion kunstvoll miteinander verbindet. Für historisch Interessierte sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

September 1858, mitten auf dem Atlantik. Eine nicht mehr ganz junge Frau treibt nackt auf einer Tür liegend in den sachten Wellen. Die Sonne scheint und in Gedanken ist sie in Dänemark.Henriette Wulff, aus bester dänischer Familie, ist dreiundfünfzig, als sie sich entschließt, ihre Heimat hinter sich zu lassen und nach Amerika auszuwandern. Trotz ihres umtriebigen Soziallebens in den Salons Kopenhagens, trotz ihrer zahlreichen Bekanntschaften in Europa. Und trotz ihrer intensiven Freundschaft mit dem Dichter Hans Christian Andersen, mit dem sie über Jahrzehnte hinweg Hunderte Briefe wechselte. Doch die Überfahrt endet in einer Katastrophe, der größten Schifffahrtskatastrophe des 19. Jahrhunderts. Inmitten der Trümmer des Dampfers »Austria« bleibt Henriette nichts übrig, als in Gedanken weiter Briefe an Andersen zu verfassen, ahnend, dass er zu Hause in seiner Schreibstube auch nicht anders kann, als ihr zu schreiben.Stefan Kutzenberger erzählt die Geschichte einer unerkannten Liebe zwischen zwei Menschen, die erst im Angesicht des Todes begreifen, wie eng sie einander verbunden sind.

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Personeninformation

Stefan Kutzenberger, geboren 1971 in Linz, lebt als Schriftsteller in Wien. Für sein literarisches Werk wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem vom Literarischen Colloquium Berlin, dem Deutschen Literaturfonds (Darmstadt) sowie mit dem Preis der Internationalen Literaturdialoge (Wien - San Francisco). 2021 vertrat er Österreich mit seinem Roman »Jokerman« bei der European Literature Night in New York, 2024 feierte sein Theaterstück »Divas im Dilemma« Premiere. »Die Liste der Lebenden« ist sein vierter Roman.
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