Protokoll einer Annäherung

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Buchprofile - Rezension
Erzählen von einer Versehrung: Anne Korths Roman über eine körperliche Gewalterfahrung und eine neue Liebe.
Bei dem Debütroman von Anne Korth handelt es sich, wie dem Internet zu entnehmen ist, um die Abschlussarbeit der Autorin an der Universität für angewandte Kunst Wien. Das ist nicht verpönt, aber man merkt dem Schreiben doch seine Herkunft aus dem Literaturstudium an. Denn im Rahmen, der um die Geschichte der Verarbeitung einer sexuellen Versehrung gelegt ist, dominiert eine Ich-Erzählerin. Sie protokolliert die Story von Marie und Robert: eine Liebesgeschichte, die sich in vorsichtigen Schritten in einer Universitäts- oder Stadtbibliothek in H. anbahnt und bei Ausflügen in den nahegelegenen Wald, zu einem See, im Café und dann auch in Roberts Wohnung fortentwickelt. Doch ein Schatten liegt auf der Beziehung. Maries Empfindungsfähigkeit ist gestört durch einen früheren Übergriff durch einen gewissen K., von dem man freilich nicht viel erfährt. Diese traumatische Erinnerung bricht in die Liebesgeschichte ein. Und wird kommentiert durch die anscheinend allgegenwärtige Erzählerin, die eine merkwürdige Rolle als Muse, Therapeutin und Stalkerin einnimmt, aber am Ende zur Dritten im Bunde wird: auf einer gemeinsamen Zugfahrt nach Wien. Die Dialoge sind stark, die Szenen der Annäherung dicht beschrieben, die Einmischungen dieser Erzählerin aber verwirbelt. Das macht die Prosa etwas zu reflexionslastig. Gleichwohl empfohlen zur Lektüre.
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Artikelbeschreibung

Marie verbringt die Semesterferien mit ihrer besten Freundin Sara am See, in Cafés oder in der Bibliothek. Dort trifft sie auf Robert, den sie über einige Tage hinweg beobachtet, bevor sie ihm ihre Handynummer in den Fahrradkorb legt. Robert meldet sich, doch über der sich entwickelnden Liebe liegt ein Schatten, der Marie durch die Straßen verfolgt, vorbeihuscht am See, von Baum zu Baum pirscht, kommt, um sie zu holen. Marie erzählt Robert von der vorangegangenen Beziehung zu K. und dem Übergriff. Wenn sie Robert küsst, kommt ihr K. in den Sinn. Und dann ist da noch jemand anwesend, anfangs geisterhaft, körperlos: ein Ich, das sich selbst als Erzählerin der Geschichte von Marie bekannt macht und den Verlauf der Liebesgeschichte des jungen Paares in protokollartigen Episoden schildert. Sie begleitet sie durch ihren Alltag, der zwischen spielerischer Leichtigkeit und destruktiver Unnahbarkeit schwankt, bis sie selbst ein Teil der Geschichte wird. In ihrem herausragenden Debütroman geht Anne Korth der Frage nach, ob ihre Protagonistin nach einer erlebten Gewalterfahrung wieder in die Gegenwart zurückfinden kann, in der die Liebe nicht mehr ein Ort der möglichen Bedrohung ist und ein Schatten eben nur dieser dunkle Bereich neben dem eigenen Körper, wenn er im Licht steht.

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