Versteckt und verschwiegen

Erinnerungen von Siegfried Loewe
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Buchprofile - Rezension
Berührende Lebensgeschichte eines "versteckten Kindes".
"Das Schweigen war das konstante Verhaltensmuster der Nachkriegsgeneration, sowohl auf der Täter- wie auf der Opferseite." Doch im Frühjahr 2020 bricht Siegfried Loewe (geb. 1939) sein Schweigen und erzählt seine Familiengeschichte dem Historiker Rudolf Leo, der sie aufschreibt und durch intensive Recherchen untermauert. Diese Zusammenarbeit durchzieht das gesamte Buch, d.h. Siegfried Loewe schildert aus seiner Perspektive subjektiv und emotional die einzelnen Etappen seiner dramatischen Kindheit und der nachfolgenden Jahre, während Rudolf Leo den historischen Hintergrund und dessen Auswirkung auf die Familie beisteuert. Siegfried Loewe, eigentlich als Siegfried Grossmann in Brüssel geboren, stammt aus einer jüdischen Saarbrücker Familie, die 1939 vor den Nationalsozialisten nach Brüssel floh. Aufgrund der zugespitzten Situation für die jüdische Bevölkerung durch die deutsche Besetzung übergibt die Mutter Siegfried und seine Schwester Rebecca in den Schutz einer Widerstandsorganisation, die jüdische Kinder versteckt, indem sie diese in belgischen Familien unterbringt. Die Geschwister überleben den Krieg und kommen nach der Unterbringung in einem Waisenhaus zu Alfred und Hedwig Loewe (1946), einem jüdischen Ehepaar, das die Kinder adoptiert (1948), ihnen jedoch ihre wahre Herkunft verschweigt. Erst 1961 erfährt Siegfried zufällig seine wahre Identität, was für ihn einen tiefgreifenden Schock und einen bleibenden, schweren Vertrauensbruch bedeutet, den er zwar zu verarbeiten versucht, der ihn jedoch trotz einer erfolgreichen beruflichen Karriere und trotz eines glücklichen Familienlebens immer noch belastet. - Informativ und berührend! Auf jeden Fall lesenswert!
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Artikelbeschreibung

Nur wenigen wird die Auszeichnung zuteil, eine "Gerechte unter den Völkern" zu sein. Die mittlerweile 100-jährige Andrée Geulen aus Brüssel gehört dazu. Während der NS-Zeit versteckte sie in Belgien jüdische Kinder und bewahrte sie vor dem sicheren Tod. Viele haben ihre Eltern nie wiedergesehen und wurden in Adoptivfamilien großgezogen. So erging es auch Siegfried Loewe und seiner Schwester Rebecca, die als Kleinkinder von 1942 bis 1945 verstecktwurden. Nach Kriegsende und später im Leben, als Siegfried Loewe längst mehrere Studien abgeschlossen hatte, erfolgreich war und privates Glück gefunden hatte, stellte er stets fest, dass das Verstecken nie ganz aufgehört hat. Im hohen Alter beschloss er, seine Geschichte offenzulegen und damit alles, was dazugehört: Ängste, Scham, Wut, Trauer über Verlorenes. Der Wiener Historiker Rudolf Leo hat Siegfrieds Erzählung aufgeschrieben, Fakten recherchiertund Archivmaterial hinzugezogen. So entstand das Porträt einer Reise von Brüssel nach Wien - mit vielen schmerzhaften Stationen, mit ungeplanten Zwischenstopps, aber auch mit hoffnungsvollen Ausblicken und einem Ankommen am Ende.Andrée Geulen durfte sich im Herbst 2021 über eine Glückwunschkarte aus Wien freuen: von Siegfried Loewe, geb. Grossmann, der ihr sein Leben verdankt.

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