Einfallende Dämmerung

Novelle
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Buchprofile - Rezension
Viele kleine Bilder aus den Kammern des Alters.
Christian Haller, Jahrgang 1943, ist längst einer der großen alten Autoren der Schweiz und ein Meister kleiner Formen. Diese Novelle beginnt damit, dass der Mikrobiologe Paul Bálint mit Fachkollegen seinen 80. Geburtstag feiert und dabei merkt, dass er eigentlich nicht mehr Teil dieser wissenschaftlichen Welt ist. Er ist zu lange "draußen", man schätzt ihn noch wegen seiner früheren Forschungsleistungen, aber weder als Forscher noch als Mensch ist er noch wirklich von Interesse. Bálints Freund Steinberg scheint also recht zu haben, dass es zwei "Kammern" im Alter gibt. Die Kammer des jungen Alterns, die mit der Pensionierung beginnt, und nun die des alten Alters. Doch was bedeutet das konkret? Paul macht sich auf die Spurensuche, er erforscht seine Umgebung, macht zahlreiche Alltagsbeobachtungen und sammelt sie - zuerst am Tablet, später altmodisch handgeschrieben. Die Vergangenheit spielt dabei eine große Rolle, insbesondere seine tragische Beziehung zu Carla, der großen Liebe seines Lebens. Die Novelle ist melancholisch, aber nicht grau erzählt. Mit Paul Bálint entdecken wir nämlich auch die Freiheit, die das Alter bieten kann. Die Lebensleistung ist, egal, ob gut oder schlecht, geleistet, was bleibt, ist, noch einmal das Leben in all seinen Facetten für sich zu entdecken, oft wie ein Kind, und diesen Neuentdeckungen eine Chance zu geben. Insbesondere die vielen kleinen Beobachtungen, die Haller in seine Novelle eingeschrieben hat, machen die Stärke des Bandes aus. Kehrseiten des Alters, insbesondere die zunehmenden körperlichen Einschränkungen und wie man damit umgehen könnte, werden nur selten thematisiert. Man sollte sich von der Kürze der Novelle nicht täuschen lassen, so manches der kleinen Kapitel berührt tief und wirkt lange nach, so wie es große Literatur eben kann. Allen Büchereien empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Das neue Buch des Schweizer Buchpreisträgers: eine Erkundungsreise ins unbekannte Land des Alters

Der Mikrobiologe Paul Bálint feiert mit ehemaligen Kollegen in Paris seinen 80. Geburtstag. Er wird geehrt und spürt zugleich, dass die Feier auch ein Abschied ist. Er befindet sich, so sein Freund Steinberg, an der Schwelle zwischen dem "jungen Alter" und dem "alten Alter" - einer Phase, in der nichts mehr selbstverständlich ist und sich die Vergänglichkeit in allen Dingen bemerkbar macht. Doch statt sich nur mit dem Verlust zu beschäftigen, will Bálint die neue Lebensphase erkunden wie ein unbekanntes Land: Was bedeutet das Alter für den Körper, die Erinnerung, das Gefühl für das Selbst und die Zeit, für das Verhältnis zu den Mitmenschen, den lebenden wie den toten? Je mehr er sich mit dem Alter beschäftigt, desto deutlicher zeigt sich ihm ein Leben voller neuer Möglichkeiten. Es bietet ihm zudem die große Freiheit, sich ohne Rücksicht auf Konventionen und wissenschaftliche Regeln einen eigenen Reim auf die heutige Welt und ihre Veränderung zu machen.

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Personeninformation

Christian Haller wurde 1943 in Brugg, Schweiz, geboren, studierte Biologie und gehörte der Leitung des Gottlieb Duttweiler Instituts bei Zürich an. Er wurde u._a. mit dem Aargauer Literaturpreis (2006), dem Schillerpreis (2007) und dem Kunstpreis des Kantons Aargau (2015) ausgezeichnet. Für die Novelle »Sich lichtende Nebel« erhielt er 2023 den Schweizer Buchpreis. Zuletzt erschien der Roman »Das Institut«. Christian Haller lebt als Schriftsteller in Laufenburg.

Pressestimmen

»Auf gerade einmal 130 Seiten lotet dieser berückend schöne Text das komplizierte Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus« Deutschlandfunk Büchermarkt, Jan Drees
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