Auf der Straße heißen wir anders

Roman
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Buchprofile - Rezension
Eine junge Frau erfährt nach dem Tod der Großmutter von den Traumata ihrer armenischen Vorfahren.
Nach dem Tod der Großmutter findet die Familie einen Zettel auf ihrem Nachttisch. Darauf sind Dinge notiert, die nun erledigt werden sollen. Die alte Frau hat verfügt, dass ihre Beerdigung nach armenischem Ritual gestaltet werden soll. Die Enkelin Karla wundert sich sehr, denn die Familie war nie religiös. Zwar wusste sie, dass der Vater armenische Wurzeln hat und in der Türkei aufgewachsen ist, doch schien das nie wichtig zu sein. In der Kommode der Großmutter liegt ein goldener Armreif, an dem ein Zettel befestigt ist. Darauf steht der Name Lilit und ein Ort in Armenien. Karla bittet ihren Vater Avi, mit ihr nach Armenien zu fliegen. - Die junge Autorin Cwiertnia (Jahrg. 87), die wie ihre Protagonistin einen armenischen Vater und eine deutsche Mutter hat, beschreibt in ihrer Familiengeschichte Karlas Kindheit in einem Migrantenviertel im Bremer Norden. Sie schildert auch die Strapazen von Avis Mutter, die als Gastarbeiterin aus der Türkei nach Deutschland kam. Avi hat einige Jahre in einem klösterlichen Internat in Jerusalem verbracht, bevor er seiner Mutter nach Bremen gefolgt ist. Die unterschiedlichen Erzählstimmen des Romans decken die Traumata der Familie in wechselnden Kapiteln auf: Karla, Avi, seine Mutter Maryam und seine Großmutter Armine. Am Ende ihrer Reise erfahren Avi und Karla, dass ein Großteil der armenischen Verwandten dem Genozid während des Ersten Weltkrieges zum Opfer fiel. Ein beeindruckendes Debüt.
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Artikelbeschreibung

In Karlas Familie wissen alle, wie es sich anfühlt, nicht dazuzugehören. Karla erlebt es als Kind in Bremen-Nord. Ihr Vater Avi in einer Klosterschule in Jerusalem. Die Großmutter Maryam als Gastarbeiterin in Deutschland. Die Urgroßmutter Armine auf den Straßen von Istanbul. Einfühlsam und mit feinem Humor fächert Laura Cwiertnia die verzweigten Pfade einer armenischen Familie auf, deren Erfahrungen so tiefgreifend sind, dass sie noch Generationen später nachhallen.

Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. Sie weiß zwar, dass die Großmutter in den 60ern als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland kam, und auch, dass die Familie armenische Wurzeln hat, doch gesprochen wird darüber nicht. Als Karlas Großmutter stirbt, taucht der Name einer Frau auf, Lilit, samt einer Adresse in Armenien. Karla gelingt es, ihren Vater zu einer gemeinsamen Reise zu überreden - in eine Heimat, die beide noch nie betreten haben. Eindrücklich und bewegend erzählt Laura Cwiertnia davon, wie es sich anfühlt, am Rand einer Gesellschaft zu stehen. Und davon, wie es ist, keine Geschichte zu haben, die man mit anderen teilen kann.

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Pressestimmen

»'Auf der Straße heißen wir anders' ist ein herausragender Roman, der einer ganzen Generation von Gastarbeiterkindern und -enkeln eine eindrucksvolle Stimme gibt.« Florian J. Haamann, Süddeutsche Zeitung, 01. August 2022 Florian Haamann Süddeutsche Zeitung 20220801
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