Hitlerwetter

Das ganz normale Leben in der Diktatur: Die Deutschen und das Dritte Reich 1938/39
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Buchprofile - Rezension
Mutterkreuz, Gasmasken und KdF-Urlaub - Alltag im Nazi-Deutschland.
Konnte es für die Menschen in der NS-Diktatur mit all ihren Ungeheuerlichkeiten auch ein ganz normales Leben geben? Konnte man dieses Leben mit gutem Gewissen genießen? Diese Fragen zu entschlüsseln und den Alltag in diesem totalitären Staat konkret zu zeigen, ist das Anliegen des Historikers Tillmann Bendikowski. Dazu wählt er den Zeitraum von 12 Monaten (vom Dezember 1938 bis zum November 1939 und 12 unterschiedliche Themen, die jeweils mit einem festen Datum verknüpft sind (u.a. Weihnachten 1938; Hitlers 50. Geburtstag: 20.4.1939; deutsche Soldaten überfallen Polen: 1.9.1939; Attentat Georg Elsers: 8.11.1939). Diese sichtbar gemachte Wirklichkeit, die sich ab 1933 sehr schnell und immer konsequenter von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entfernte, bewegt sich straff organisiert und kontrolliert zwischen propagandistisch aufgewerteten Vorgaben und einer erlebten Realität, so z.B. zwischen christlichem Weihnachten und germanischem Julfest, zwischen Urlaubsgenuss und Terror, zwischen Verherrlichung der Mutterschaft und Zwangssterilisation, zwischen "Deutscher Heilkunde" und Euthanasie. Doch diese für alle spürbare Widersprüchlichkeit führt bei den meisten Deutschen nicht zur Abkehr von diesem Regime, sondern man folgt dem "Führer" begeistert, arrangiert sich, nützt private Spielräume und schließt vor unangenehmen Fakten die Augen. Bendikowskis großes Verdienst ist, dass er an zahlreichen authentisch nachgezeichneten Beispielen deutlich macht, dass die Mehrheit der Deutschen während der NS-Zeit - obwohl es keinerlei Rechtssicherheit und Meinungsfreiheit gab, obwohl Hass und Gewalt gegen Juden, "Zigeuner" und Andersdenkende alltäglich waren, obwohl christliche Traditionen einer kruden nordisch-germanischen Vorstellungswelt wichen - ein ganz "normales", ja zufriedenes Leben führten, das in manchen Bereichen ähnlich wie heute ablief. - Hochinteressant, spannend, lebensnah und ansprechend erzählt - für alle Bestände bestens geeignet!
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Artikelbeschreibung

Leben in der Diktatur - eine reich bebilderte Expedition in den Alltag des 'Dritten Reiches'

Der Feldzug für eine gesunde Lebensweise, der Kult um den Körper, der Ruf nach der Gemeinschaft - so manches, was den Alltag im 'Dritten Reich' prägte, erscheint uns heute erschreckend vertraut, wie Tillmann Bendikowski in diesem Buch zeigt. Aber konnte es damals überhaupt so etwas wie ein 'normales' Leben inmitten der Diktatur geben? Der Autor begibt sich auf eine erzählerische Zeitreise in die (auch zeitliche) Mitte der NS-Herrschaft, indem er das Alltagsleben der Deutschen während einer Spanne von zwölf Monaten erkundet: zwischen Dezember 1938 und November 1939, als schon der Zweite Weltkrieg tobte und auch das missglückte Attentat im Münchener Bürgerbräukeller das Regime nicht mehr stürzen konnte. Ein neuer, ungewöhnlicher Blick auf das Leben der Deutschen im Alltag der Diktatur.

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