Der bestirnte Himmel über mir

Ein Gespräch über Kant | »Die 100 besten Bücher des Jahres« DIE ZEIT
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Buchprofile - Rezension
Ermunterung zum Selberdenken: Der Philosoph Omri Boehm und der Schriftsteller Daniel Kehlmann unterhalten sich über Immanuel Kant.
Im Mai 2023 fanden sich der Schriftsteller Daniel Kehlmann, der sich einmal an der Wiener Universität an einer Dissertation über Kants Ästhetik versucht hatte, und der in New York lehrende Kant-Experte Omri Boehm zu einem Gespräch über den Königsberger Denker zusammen. Zwei Tage lang diskutierten sie über Kant, über den Philosophen als Person und über sein in vieler Hinsicht aufregendes Denken. Herausgekommen ist keine klassische Würdigung, keine philosophische Lehrstunde, sondern eine intensive, manchmal auch kontroverse, immer spannende Ergründung, warum Kant auf uns heute einen so großen Einfluss hat – oder haben sollte: um einer, in Kehlmanns Worten, „Gemeinschaft denkender und freier Menschen“ willen. Dabei werden Fragen der Religion und Moral, von Kunst und Gerechtigkeit, des Denkenkönnens und Handelnsollens angeschnitten, die bis heute brisant sind: Warum bringt es nichts, sich die Welt als Simulation vorzustellen? Weshalb gewinnt die Natur in der physischen Welt, in der moralischen aber nicht? Was ist verkehrt an dem „vermeintlichen Recht, aus Menschenliebe zu lügen“? Braucht die Moral einen Gott? Woher kommt das Böse? Was macht die Verantwortung für eine Person aus? Weshalb ist es für den Künstler ratsam, nicht mit der Muse, die er malt, zu schlafen? Und was kann die Vernunft überhaupt mit Fragen anfangen, die sie aus eigenem Vermögen nicht beantworten kann? Es fehlt diesem Gespräch nicht an anekdotischer Evidenz (Kants Pünktlichkeit, sein Diener Lampe), ebenso wenig an Esprit und an kritischen Seitenblicken auf Kant. Eine lohnende und lehrreiche Lektüre, allen Beständen empfohlen!
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Artikelbeschreibung

Zwei der aufregendsten Denker der Gegenwart im Gespräch über Kant und den Geist der Aufklärung

Wie kann ein Philosoph, der im Jahr 1724 geboren wurde, unser Denken heute maßgeblich beeinflussen?

Dreihundert Jahre nach der Geburt des alten Meisters in Königsberg treffen sich Daniel Kehlmann und Omri Boehm zu einer Reihe von Gesprächen über Immanuel Kant, die alles andere sind als akademisch-abgehoben. Denn der Begründer der modernen Philosophie selbst hat die grundlegenden Fragen des Menschseins benannt und erklärt: was man wissen kann, was man tun soll, was man hoffen darf.

Alle wichtigen Themen kommen zur Sprache: von Vernunft und Illusion bis zu Rassismus, Kolonialismus und Aufklärung; von Raum und Zeit bis zu Freiheit, Kunst, Gerechtigkeit und dem Problem des Bösen; von der Wissenschaft bis zum Glauben, vom Selbst bis zu Gott. Omri Boehm und Daniel Kehlmann behandeln Kant als Zeitgenossen, der uns heute noch wichtige Antworten auf aktuelle Fragen geben kann.


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Personeninformation

Omri Boehm, geboren 1979, ist Associate Professor für Philosophie und Chair of the Philosophy Department an der New School for Social Research in New York. Er ist israelischer und deutscher Staatsbürger und forschte u.a. in München und Berlin. Er schreibt über Israel, Politik und Philosophie in Haaretz, Die Zeit und The New York Times. Bei Propyläen erschienen seine von der Kritik hochgelobten Bücher Israel - eine Utopie und Radikaler Universalismus sowie Der bestirnte Himmel über mir, ein Gespräch mit Daniel Kehlmann über Kant. 2024 wurde Omri Boehm mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren, studierte Philosophie und Germanistik. Sein Studium schloss er mit einer Diplomarbeit über Schillers Theorie der Entfremdung ab, eine Dissertation über das Erhabene bei Kant brach er nach ersten schriftstellerischen Erfolgen ab.

Für sein Werk wurde er unter anderem mit dem Candide-Preis, dem WELT-Literaturpreis, dem Per-Olov-Enquist-Preis, dem Kleist-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet, zuletzt wurden ihm der Frank-Schirrmacher-Preis, der Schubart-Literaturpreis und der Anton-Wildgans-Preis verliehen. Sein Roman Die Vermessung der Welt ist zu einem der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit geworden, und auch sein Roman Tyll stand monatelang auf der Bestsellerliste, schaffte es auf die Shortlist des International Booker Prize 2020 und begeistert Leser im In- und Ausland. Daniel Kehlmann lebt in Berlin.


Michael Adrian lebt als freier Übersetzer aus dem Englischen und Französischen in Frankfurt/Main. Neben Autor:innen wie Omri Boehm, Eva Illouz und Tuvia Tenenbom hat er zusammen mit Bettina Engels auch Klassiker wie Jeremy Bentham und Edmund Burke übertragen. Er übersetzt für das Feuilleton der Zeit und andere führende deutsche Zeitungen und Fachzeitschriften, ist Herausgeber von Klassiker-Anthologien und hat zahlreiche Literatur- und Sachbuchkritiken veröffentlicht.

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