Unerhörte Frauen

Die Netzwerke der Nonnen im Mittelalter | Ein faszinierender Einblick in das Leben im Frauenkloster
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Buchprofile - Rezension
Was das Leben in einem mittelalterlichen Nonnenkloster attraktiv machte.
Nur wenige Frauengestalten ragen aus dem Klosterleben des Mittelalters heraus. So entsteht der Eindruck, die meisten Nonnen wären durch ihren Klostereintritt gleichsam lebendig begraben worden. Solche Vorstellungen werden durch dieses auf akribischer Quellenarbeit beruhende Buch zweier Historikerinnen widerlegt. Es sind Tagebücher und Briefe aus dem norddeutschen Raum, die ein eindrucksvolles Bild ergeben, wie die Nonnen selbst ihr Leben gesehen und ihren Dienst an den Menschen verstanden haben. Dabei tritt - gerade für Menschen, denen das Mittelalter und seine religiöse Welt völlig fremd ist - Erstaunliches zutage: Die klösterliche Klausur wurde nicht als beengend, sondern eher als Schutzraum empfunden, in dem sowohl geistliches Leben als auch Bildung überhaupt erst gedeihen konnten. Es gab Kommunikationsräume, für die nur unsere plappernde Zeit keinen Sinn mehr hat. Auch die Kontakte zur Familie brachen in der Regel nicht ab, und so waren die Nonnen alles andere als aus der Welt gefallen. Selbst im oft verrufenen Spätmittelalter stand die Ehelosigkeit der Nonnen in hohem Ansehen und muss, wenn man gerade auf die realen Lebensbedingungen der Frauen damals schaut, äußerst attraktiv gewesen sein. Auch wenn der Begriff "Netzwerke" im Untertitel etwas überzogen scheint, ist das Buch ein wertvoller und sehr lesenswerter Beitrag, um eine zentrale mittelalterliche Lebensform besser zu verstehen!
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Artikelbeschreibung

Liebe, Politik und Alltag in mittelalterlichen Frauenklöstern

Frauen, die im Mittelalter im Kloster lebten, waren keineswegs »unerhört« im Sinne von wirkungslos, im Gegenteil. Ihre Gemeinschaften waren oftmals mächtige Institutionen, und sie sahen sich selbst in einer höchst einflussreichen Position, da sie durch ihre Lebensform wie niemand sonst das Ohr des »höchsten Königs« hatten. Dass Gott sie erhörte, war auch die Überzeugung der mittelalterlichen Gesellschaft und verlieh den geistlichen Frauen einen besonderen Status, der sich nicht nur politisch, wirtschaftlich und kulturell manifestierte, sondern es ihnen auch erlaubte, unerhört wirksam zu werden. 

Warum wissen wir heute so wenig über das Leben im mittelalterlichen Frauenkloster? Weil die Forschung bislang fast ausschließlich auf männliche Autoren zurückgreifen konnte. In »Unerhörte Frauen« aber kommen die Nonnen erstmals selbst zu Wort: Aus ihren Tagebüchern und Briefen erfahren wir, wie die Frauen dachten, glaubten und liebten. Henrike Lähnemann und Eva Schlotheuber geben einen faszinierenden Einblick in das Leben in Klausur - damals wie heute eine Option für Frauen, die Unerhörtes leisten. 

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Personeninformation

Henrike Lähnemann erhielt als erste Frau einen Lehrstuhl an der Faculty of Medieval and Modern Languages der University of Oxford, wo sie deutsche Literatur des Mittelalters lehrt und zu Text- und Bildzeugnissen aus den norddeutschen Frauenklöstern arbeitet.


Eva Schlotheuber ist Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, wo sie zu Bildung und Lebenswelt religiöser Frauen forscht und lehrt. Als erste Frau war sie von 2016 bis 2021 Vorsitzende des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands.

Pressestimmen

»Ein umfassendes Bild einer Lebensweise, die spirituell-theoretisches Lernen mit einer Fülle von praktischen Wissensbeständen verknüpft.« Christina Lutter Frankfurter Allgemeine Zeitung 20230614
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