Der neue Chef

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Buchprofile - Rezension
Drei Essays des großen Soziologen (1927-1998) zur Rolle des Chefs in der Verwaltung.
Zwei Aufsätze des Vaters der Sozialwissenschaften und ein bisher unveröffentlichtes Manuskript, das sich im Nachlass des großen Systemtheoretikers fand, sind hier zu einem kleinen Büchlein zusammengefasst, das man zum Beispiel gut unterwegs studieren kann. Alles dreht sich um den Chef; eine Ethnographie der Chefetagen ist aber, so stellt das Nachwort von Jürgen Kaube fest, noch nicht entwickelt. Man merkt den Texten an, die nicht immer einfach zu lesen sind und uneingeschränkte Konzentration erfordern, dass sie auf eigenen praktischen Erfahrungen und Erlebnissen in der Verwaltung beruhen. Die Beispiele sind nachvollziehbar und erinnern an eigene Beobachtungen. Gerade die präzis durchdachte Analyse dieser Fälle bringt oft die Klärung, die weiterhilft, manchmal sogar mit Humor. Allerdings beruhen sie fast durchweg aus der Erfahrung in der Verwaltung. Vielleicht deshalb forderte mich gleich sein erster Satz im ersten Beitrag heraus: "Die bürokratische Verwaltung fordert im Prinzip einen unpersönlichen Arbeitsstil." Das ist ziemlich weit weg von Industrie und Wirtschaft, wo aus unpersönlich leicht unwirtschaftlich werden mag. - Für große Bestände.
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Artikelbeschreibung

Jede Organisation, und sei sie noch so behäbig, erfährt eine gewisse Erschütterung durch die Nachricht, dass ein neuer Chef oder eine neue Chefin ins Haus steht. Flurgespräche häufen sich, mit Wissensvorsprüngen wird gepunktet, Ungewissheit liegt in der Luft. Aber auch nach vollzogenem Wechsel gibt es Probleme, etwa wenn der, der 'von oben' überwachen soll, 'von unten' angelernt werden muss. Kurzum: Die Beziehung zwischen Vorgesetzten und Untergebenen ist kompliziert.Niklas Luhmann hat sie unter die soziologische Lupe genommen und zeigt, wodurch sie strapaziert wird: durch Kommunikationsschwierigkeiten und Selbstdarstellungsinteressen, Rollenfindungsprobleme und Wertvorstellungsdissonanzen. Der Schatten des Vorgängers kann lang, der Einfluss innerbetrieblicher Cliquen schwer zu durchbrechen sein. Und über allem schwebt die Frage: Wer hat die Macht? Es ist, soviel ist sicher, nicht per se der Chef - vorausgesetzt, so Luhmann, die Untergebenen beherrschen die Kunst, ihren Vorgesetzten zu lenken. 'Unterwachung' ist sein Stichwort und Takt das wichtigste Mittel zum Zweck. Aber Vorsicht: Wer es darin zur Meisterschaft bringt, der wird nicht selten - der neue Chef.

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Pressestimmen

»Die Texte sind allerdings von glasklarer Brillanz. Jeder Angestellte und jeder Chef wird sich in ihnen wiederfinden, ob es um die Konflikte zwischen den Cliquen des neuen und des alten Chefs geht ... oder um das Wechselspiel von Kommunikation, Kooperation und Konflikt.« Alexander Cammann DIE ZEIT 20160428
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