An das Leid gewöhnt man sich nie

Salztränen. Mein Leben als Arzt auf Lampedusa
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Buchprofile - Rezension
Beeindruckender und erschütternder Bericht des Arztes von Lampedusa über seine Arbeit auf der Flüchtlingsinsel.
Pietro Bartolo, als Sohn eines Fischers auf Lampedusa geboren, erhielt von seinen Eltern die Möglichkeit, auf dem Festland in Italien zur Schule zu gehen und Medizin zu studieren. Seit der Rückkehr auf seine Heimatinsel, die inzwischen zum ersten Anlaufpunkt unzähliger Flüchtlinge geworden ist, kümmert er sich aufopferungsvoll um jeden einzelnen, der von skrupellosen Schleusern auf untauglichen Booten im Stich gelassen wurde und meist mehr tot als lebendig an Land gebracht wird. In diesem Buch berichtet er über zahllose Schicksale von Familien, die auseinandergerissen wurden, von Kindern und Erwachsenen, die Grausames erlebt haben, von Tragödien untergegangener Boote und den z.T. furchtbaren Verletzungen, unter denen die Menschen leiden. Vielen konnten er und seine Mitarbeiter im Laufe der Jahre helfen, vielen jedoch auch nicht und das Schlimmste ist für ihn immer wieder, wenn nur noch Leichen aus den Booten oder dem Wasser geborgen werden können. Auch seine eigene Lebensgeschichte erzählt er in diesem Buch, die aber hinter seiner Arbeit zurücktritt. - Ein bewegendes Buch, für alle Bestände zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Lampedusa ist der Schauplatz einer der großen menschlichen Katastrophen unserer Zeit. Und Pietro Bartolo ist zum heldenhaften Symbol der Insel geworden. Dies ist die bewegende und aufrüttelnde Geschichte eines Arztes, dessen Menschlichkeit ein Vorbild ist - für uns alle.
Seit mehr als 25 Jahren ist er für sie da. Pietro Bartolo ist der Erste, der den Migranten auf europäischem Boden begegnet. Er versorgt sie, kümmert sich um sie, stärkt sie. Aber das Wichtigste: Er hört ihnen zu. Es sind Leidensgeschichten und Geschichten der Hoffnung, Erzählungen von Verlust und unendlichem Schmerz. Bartolo bekommt aber auch die unermessliche Erleichterung derer zu spüren, die es auf die sizilianische Insel geschafft haben und nun zögernd-hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. In seinem Memoir verwebt Bartolo all diese Geschichten mit seiner eigenen: Aufgewachsen als Sohn einer armen Fischerfamilie, musste auch er einen langen und harten Weg beschreiten. Heute kämpft er voller Wut und Verständnislosigkeit, aber auch mit Nächstenliebe und Solidarität dafür, dass es den Geflüchteten nach ihrer Ankunft besser geht. Ein großes Beispiel an Mut und Zivilcourage. Und ein Beispiel dafür, wie verflucht selbstverständlich Menschlichkeit sein kann.

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Personeninformation

Pietro Bartolo ist auf Lampedusa geboren. Seit 1991 leitet er die Polyklinik der Insel. Für seine Bemühungen im Rahmen der Migration ist er u. a. mit dem Titel »Cavaliere dell'Ordine al Merito della Repubblica Italiana« ausgezeichnet worden. Er ist eine der Hauptfiguren in dem Oscar-nominierten Dokumentarfilm Seefeuer von Gianfranco Rosi.

Lidia Tilotta ist Journalistin und arbeitet für den italienischen TV-Sender Rai. Sie hat zahlreiche Beiträge über die Lage der Geflüchteten in Lampedusa produziert. Zudem arbeitet sie für die Sendung »Mediterraneo«, für die sie aus verschiedenen Ländern berichtet. Tilotta lebt in Palermo.

Barbara Kleiner ist promovierte Germanistin und Romanistin aus München, Jahrgang 1952. 2007 erhielt sie den Übersetzerpreis der Kulturstiftung NRW, der zu den höchstdotierten Auszeichnungen für literarische Übersetzer im deutschsprachigen Raum gehört, für ihre Übertragung von Ippolito Nievos Werk Bekenntnisse eines Italieners (Manesse Verlag, 2005) aus dem Italienischen. Gleichzeitig wurde das Gesamtwerk der Übersetzerin ausgezeichnet. 2011 erhielt sie den deutsch-italienischen Übersetzerpreis des Auswärtigen Amtes für ihre Übertragung von Ippolito Nievos Ein Engel an Güte (Manesse Verlag, 2010).

Pressestimmen

»Sein Buch ist das hochemotionale Zeugnis eines Helfers, der das Leid nicht fassen kann. Er kennt keine Distanz. Wer das liest, versteht besser, warum private Retter und NGOs in Konflikt mit dem Gesetz kommen.« Ursula Scheer Frankfurter Allgemeine Zeitung 20170916
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