Von allgemeiner Gültigkeit

Roman | Ein Glanzstück über die Fabrikation der Wahrheit
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Buchprofile - Rezension
Als die Journalistin Hannah über einen Totschlagversuch recherchiert, stößt sie auf verstörende Fakten über die gesellschaftliche Lage Englands.
Es ist ein skurriler Fall, dem die unter Erfolgsdruck stehende englische Journalistin Hannah nachgeht: Auf einem Landgut in Nordengland wurde in einer Kommune ein junger Mann von einem Kumpel mit einem Goldbarren fast totgeschlagen. Sie macht sich an die Recherchen, denn ein aufsehenerregender Bericht wäre das einzig Richtige, was ihre ins Wanken geratene Karriere jetzt bessern könnte. Der Goldbarren und das Landgut gehören einem korrupten Banker. Der Verletzte und der Täter zu einer Gruppe Umweltaktivisten, die das leerstehende Landhaus besetzt hatten. Die Mutter des Täters ist eine Zeitungskolumnistin, die sich gegen die Woke-Bewegung eingeschossen hat. Hannah hat Erfolg mit ihrer Story: Je mehr sie zutage fördert, desto mehr enthüllt sie von den prekären Zuständen der englischen Gesellschaft: Eine kleine saturierte Mittelschicht interessiert sich nicht für das Schicksal des Landes, junge Idealisten wollen etwas ändern, entlarven sich aber als Utopisten, die Gesellschaft fällt immer mehr auseinander. – Mit einer knackigen Schreibe und einer außergewöhnlichen Story legt die Autorin geschickt die Finger in die Wunden der kranken Gegenwartsgesellschaft Englands, mit viel Biss und kräftiger Ironie. Dieser knappe, aber ungemein spritzige Roman hat etwas. Und das ist auch für Nicht-Engländer durchaus lesenswert.
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Artikelbeschreibung

Auf einer verlassenen Farm in Yorkshire wird ein Mann mit einem Goldbarren fast totgeschlagen. Für die junge Londoner Journalistin Hannah ist es nicht bloß eine Geschichte mit Potenzial, sondern ihre letzte Hoffnung, nicht abzurutschen: in berufliche Bedeutungslosigkeit, Armut, Provinz. Sie recherchiert - mit letzter Kraft - und bringt einen moralisch bankrotten Investmentbanker, eine antiwoke-Kolumnistin und eine radikale anarchistische Bewegung mit dem Goldbarren in Verbindung. Was sie dann schreibt, geht viral, big-time, und bringt Hannah zurück ins Gespräch, mit Freundinnen, Redakteuren, einer Netflix-Produktionsfirma. Doch ihre spektakuläre Reportage und der sich einstellende Erfolg werfen schnell eine grundsätzlichere Frage auf: Was ist von allgemeiner Gültigkeit in diesem zerbrochenen Land?

In ihrem neuen Roman stellt Natasha Brown 'Macht' und 'Wahrheit' als Rhetorik bloß. Mit voyeuristischer Lust und einmaliger Brillanz vermisst sie unsere Worte und das, was wir sagen. Von allgemeiner Gültigkeit wird so zu einem verdorbenen Freudenfest der Sprache und ihrer ungeheuren Gestaltungskraft. Und zur gnadenlosen Familienaufstellung einer Gesellschaft, die jeden Halt zu verlieren droht.

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Personeninformation

Natasha Brown arbeitete nach ihrem Mathematikstudium an der Universität Cambridge zehn Jahrelang im Londoner Finanzsektor. Mit ihrem Roman Zusammenkunft gelang ihr eines der erfolgreichsten literarischen Debüts Englands der letzten Jahre. Er stand auf der Shortlist des Folio Prize, des Goldsmiths Prize und des Orwell Prize und wurde in 17 Sprachen übersetzt. Natasha Brown gehört zu den alle zehn Jahre ernannten Granta s Best of Young British Novelists. Eva Bonné übersetzt Literatur aus dem Englischen, u. a. von Michael Cunningham, Anne Enright, Richard Flanagan und Sara Gran. Sie erhielt den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis 2022.

Pressestimmen

»In einem Zeitungsinterview sagte ... Brown, Schreiben sei für sie nur eine Karrierepause. ... Ganz schön souverän, wenn in einer Auszeit eine so ironische Gesellschaftstheorie entsteht. Es wäre schade, Brown wieder ... zu verlieren.« Nora Zukker DER SPIEGEL 20251108
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