Ein empfindsamer Mensch

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die Odyssee einer tschechischen Schaustellerfamilie durch das Mitteleuropa unserer Tage.
Vater, seine Partnerin Sonja und die beiden Kinder sind Schausteller, die eigentlich in Bristol bei den Shakespeare-Tagen auftreten wollen. Doch die Fremdenfeindlichkeit im Brexit-bedrohten England vertreibt sie von der Insel. Die vier kommen auf abenteuerlichen Wegen von Frankreich nach Deutschland, von dort nach Ungarn. Dort treffen sie auf Vaters verschollenen Bruder, der sie vor dem Zugriff der deutschen Justiz rettet und ins russisch-ukrainische Kriegsgebiet mitnimmt. Unter Lebensgefahr fliehen sie von dort im BMW Gerard Depardieus, den sie kurzerhand im Kofferraum mitnehmen. Zurück in ihrer Heimat Tschechien erleben sie, dass nichts mehr so ist, wie es einmal war: Die Gesellschaft befindet sich zwischen Umbruch und Auflösung, sie treffen alte Freunde und Verwandte wieder, an denen das Leben der letzten Jahrzehnte nicht spurlos vorbeigegangen ist, und als Vater, eigentlich gegen seinen Willen, am Tod einer allzu taffen Polizistin schuld wird, müssen sie wieder fliehen. - Trotz der abenteuerlichen Story: Das Buch ist alles andere als Klamauk. Jáchym Topol gehört zur ersten Garde tschechischer Schriftsteller. Sein Stil oszilliert beständig und gekonnt hin und her zwischen barocker, unbändiger Erzählfreude und rotzfrechem Umgangsslang, Ironie und Empathie, Humor und Dramatik. Topol nimmt seine Leser mit auf einen schier unglaublichen, mit immer neuen Volten und frechen, ja absurden und dennoch so stimmigen Ideen gespickten literarischen Parforceritt durch das Mitteleuropa unserer Tage und unterhält dabei nicht nur mordsmäßig, sondern übt auch subtile Kulturanalyse und -kritik - all das zusammen macht den Roman fraglos zu einem der besten dieses Jahres. Allerdings: Eine gewisse Leseerfahrung in nicht alltäglicher Belletristik und Offenheit für und Neugier auf eine literarische Turbulenz ohne Gleichen sollte man für die Lektüre schon mitbringen. Dann aber wird man an diesem Roman seine hellste Freude haben! (Übers.: Eva Profousová)
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Artikelbeschreibung

Eine tschechische Künstlerfamilie, eine Art Living Theatre, gastiert beim Shakespeare Festival in Großbritannien und wird von Brexit-Anhängern aus dem Land gejagt (LEAVE MEANS LEAVE! NO CZECH VERMIN!). Im Campingwagen reisen sie quer durch Europa, gegen den Strom der Flüchtlinge, Richtung Osten. Sie geraten ins russisch-ukrainische Kriegsgebiet, treffen Gerard Depardieu, klauen ihm seinen BMW und machen sich auf den Heimweg nach Böhmen. Ihre Odyssee führt durchs 'Labyrinth der Welt' und ins 'Lusthaus des Herzens'.Als 'politischer Gegenwartsroman' wurde Topols neuer Roman in Tschechien gefeiert. Er spielt 2015 und nimmt Motive aus seiner mitteleuropäischen 1989er-Road-Novel Die Schwester auf, mit der Topol als junger Dichter berühmt wurde. Damals reisten seine Helden durch eine Landschaft nach dem Ende des Ost-Westkonflikts, die ihnen die Lavabrocken der Vergangenheit vor die Füße schleuderte - alles war in Bewegung, die einst geschlossenen Gesellschaften brachen auf in eine ungewisse, aber lockende Freiheit.Sprachgewaltig und karnevalesk ist auch Topols heutige Vermessung Europas. Ein Kontinent, der wieder Mauern hochzieht und sich in nationalistische Träumereien verkriecht, während die Suche nach dem Sinn menschlichen Daseins und der eigenen Identität immer weiter geht.

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