Trutz

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Buchprofile - Rezension
Europäische Geschichte des 20. Jh. am Beispiel einer deutschen und einer russischen Familie erzählt.
"Alle sind tot: Rem, meine Eltern, Waldemar Gejm, Lilija, alle, nur ich nicht." (S. 476) So die niederschmetternde Quintessenz des Ich-Erzählers am Ende dieses erschütternden Zeitromans, der über die Gräuel der beiden säkularen Terrorregime des 20. Jh., die Nazidiktatur und die stalinistische Diktatur bzw. die totalitäre DDR, erzählt. Und das vor allem am Beispiel der beiden Familien Trutz und Gejm, deren Schicksale über zwei Generationen hinweg verfolgt werden. Rainer Trutz, der Vater des Ich-Erzählers, war aus Hitlerdeutschland in die Sowjetunion emigriert in der Hoffnung, dort mit seiner Frau vor Verfolgung sicher zu sein und seinen Beruf als progressiver Schriftsteller ausüben zu können. Er trifft in Moskau auf einen renommierten russischen Professor der Mnemotechnik, der unter anderem seinen eigenen Sohn Rem und Rainers Sohn Maykl Trutz in dieser Kunst unterweist. Alle mit Ausnahme des Ich-Erzählers - der am Ende sogar noch die Schikanen des DDR-Regimes über sich ergehen lassen muss - enden nach Wegen voller enttäuschten Hoffnungen als schuldlose Opfer der stalinistischen Säuberungen. Es handelt sich also - wie meist bei dem 1944 in Leipzig geborenen, vielfach ausgezeichneten Autor - um einen sorgfältig recherchierten historisch-politischen Roman, der durch schnörkellos-zielstrebiges, fast chronikalisches Erzählen besticht, das den Leser nicht mehr loslässt und auf einfühlsame Weise all den Opfern dieses barbarischen Jahrhunderts ein Denkmal setzt. Unbedingt zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

»In diesen Roman geriet ich aus Versehen oder vielmehr durch eine Bequemlichkeit.« Dieser Satz eröffnet eine Recherche, über das Leben zweier Familien während des vergangenen Jahrhunderts.Ein Roman also des 20. Jahrhunderts, der des Schriftstellers Rainer Trutz und der von Waldemar Gejm, einem Professor für Mathematik und Linguistik an der Lomonossow-Universität, der seit Jahren ein neues Forschungsgebiet entwickelt: die Mnemotechnik, die Lehre von Ursprung und Funktion der Erinnerung.Die partei-offizielle Gedächtnissteuerung staatlicher Stellen wird Trutz wie Gejm in den darauffolgenden Jahren zum Verhängnis: Der Deutsche wird in einem sowjetischen Arbeitslager erschlagen. Die Umschwünge der Politik des Genossen Stalin führen im Falle Gejm zur Deportation mit anschließendem Tod.Nur die beiden Söhne, Maykl Trutz und Rem Gejm, überleben und begegnen sich Jahrzehnte später, im wiederhergestellten Deutschland und machen fast dieselben Erfahrungen wie ihre Väter. In seiner objektiven und zugleich einfühlenden Chronik der Lebensläufe zweier Familien bündelt Christoph Hein die vergebliche Hoffnung auf eine Existenz jenseits von Elend und Sklaverei. Und so ist ihm ein Jahrhundertroman im zweifachen Sinn gelungen: ein Jahrhundert umgreifend, ein Jahrhundert widerspiegelnd, ein Jahrhundert verstehbar zu machen und nachzuerleben.

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