Hitlers erster Feind

Band 00090
Der Kampf des Konrad Heiden
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Buchprofile - Rezension
Fesselnde Biografie eines Journalisten, der sich von Hitler und seinen Erfolgen nicht blenden ließ.
Konrad Heiden war ein intimer Kenner der NS-Bewegung und Hitlers aufgrund seiner langjährigen journalistischen Begleitung. Für Stefan Aust, der eine stets unterhaltsame, meist fesselnde und teils sogar amüsante Biographie über ihn verfasst hat, war er sogar "Hitlers erster Feind". Er verfolgte die NSDAP von ihren ersten Anfängen her aus beruflichem wie persönlichem Interesse; selbst dann noch, als er schon im Exil weilen musste. Viel zu oft wird über die NS-Zeit nur Bekanntes und scheinbar Bekanntes rekapituliert und immer wieder durchgekaut. Austs Buch hingegen nimmt den Leser vor allem mit in die weit weniger bekannten Anfangszeiten der NSDAP während der Weimarer Republik. So tun sich Einblicke auf auch in die weniger populären Zusammenhänge des Nationalsozialismus: etwa in die zugleich erbärmliche wie geniale Persönlichkeit Hitlers, der auf seinem Weg zur Macht beinahe alle blenden konnte und über die Leichen seiner eigenen Gefährten und Förderer hinwegtrampelte. Der Hass und die offene Brutalität, die er in seinen Reden ganz offen anklingen ließ, waren wohl für die Schreckensherrschaft der NSDAP wesentlich entscheidender als alle ideologischen Inhalte der Partei. Aufgrund dieser wohl für viele Leser neuen Sichtweise: unbedingt empfehlenswert!
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Artikelbeschreibung

Er war einer seiner schärfsten Kritiker, und doch soll Hitler sich bei Veranstaltungen manchmal geweigert haben, mit seiner Rede zu beginnen, bevor er nicht eingetroffen war: Konrad Heiden. Als Mitarbeiter der angesehenen 'Frankfurter Zeitung' gehörte er zu den ersten Publizisten, die den Aufstieg der Nazis kritisch begleiteten. Auf seiner zweibändigen Hitler-Biographie, die 1936/37 in der Schweiz herauskam, bauten fast alle späteren Lebensbeschreibungen des Diktators auf. Und doch ist Heiden heute nahezu vergessen. Stefan Aust porträtiert diesen faszinierenden Mann und lässt aus seiner Perspektive Hitlers Aufstieg und Herrschaft lebendig werden. Heiden, Sozialdemokrat jüdischer Herkunft, hatte sich bereits während seines Studiums in München Anfang der zwanziger Jahre gegen den Nationalsozialismus engagiert. 'Marsch ohne Ziel, Taumel ohne Rausch, Glauben ohne Gott und selbst in seinem Blutdurst ohne Genuß' - so charakterisierte er die Bewegung in einem Buch, das Ende 1932 im Rowohlt Verlag herauskam. Im März 1933 zur Flucht gezwungen, setzte Heiden seinen Kampf gegen das Regime unter Lebensgefahr fort. In den USA galt er als führender Experte für das NS-Regime und dessen 'Staatsfeind Nr. 1'. 1966 starb er in New York. Es ist höchste Zeit, sich dieses Hitler-Gegners der allerersten Stunde wieder zu erinnern.
Der Autor arbeitet an einem Doku-Drama für die ARD über Heiden.

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